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BVB: Das Team ist in der Pflicht

BVB: Das Team ist in der Pflicht

Die Niederlage in Leverkusen wirft die Frage auf, ob der BVB die Mentalitätsfrage je loswird. Ein Kommentar von SPORT1-Chefreporter Patrick Berger.
Borussia Dortmund verliert nach einem durchwachsenen Auftritt das Spitzenspiel in Leverkusen. Trainer Edin Terzic erklärt, was besser werden muss.
Patrick Berger
Patrick Berger
von Patrick Berger

Nach der 1:2-Pleite in Leverkusen kann sich der BVB den großen Titel-Traum so gut wie abschminken. Zehn Punkte könnten es heute Abend zum Ende der Hinrunde auf die Bayern sein. In Dortmund stellt sich, mal wieder, die Charakterfrage.

Auf den BVB ist Verlass, zumindest mit Blick auf die Inkonstanz. Von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt – bei dieser talentierten Mannschaft ist in dieser Saison alles dabei.

Beeindruckende Siege gegen Gladbach (3:0) oder Leipzig (3:1), Peinlich-Pleiten gegen Augsburg (0:2), Köln (1:2), Stuttgart (1:5) oder Union (1:2). (Service: Ergebnisse und Spielplan)

Die BVB-Mannschaft bleibt ein großes Rätsel. Wenn es gut läuft, kann sich diese mit Mega-Talenten gespickte Truppe in einen Rausch spielen und jeden Gegner dieser Welt schlagen. Zu oft gibt es aber diese blutleeren und bisweilen gar hilflosen Auftritte wie gestern in Leverkusen.

TV-Experte Dietmar Hamann wurde bei Sky deutlich: "Der Auftritt heute war disziplinlos, herzlos und charakterlos." Die Mannschaft habe in Lucien Favre schon einen Trainer verschlissen. "Es ist wichtig zu schauen", sagte der Ex-Nationalspieler, "dass sie nicht untrainierbar wird."

Beim BVB stellt sich wieder mal die Charakterfrage!

Dem kauzigen Favre warf man vor, zu  wenig emotional zu sein. Er sei kein Trainer, der eine Mannschaft packt, der sie greift, der ihr Leben einhaucht. Kein Klopp, kein Rose, kein Nagelsmann. In Edin Terzic steht aktuell jemand an der Seitenlinie, der genau das verkörpert. Und trotzdem kann auch der ehrgeizige und akribische 38-Jährige, der in der Mannschaft weiterhin hoch angesehen ist, den BVB bislang nicht zum Erfolg führen.

Der Trainer-Effekt ist mittlerweile verpufft, die Statistik grausig: Terzic hat nach sechs Spielen (drei Siege, zwei Pleiten, ein Remis) die schlechteste Bilanz eines BVB-Trainer seit Thomas Doll 2007.

Ein energischer, leidenschaftlicher Trainer allein reicht eben nicht aus. Nicht der Trainer, sondern die Mannschaft ist das Problem! Wenn es nicht rund läuft, gibt sie zu schnell auf. Sie wehrt sich nicht, kämpft nicht, hält nicht dagegen. Dazu kommen die vielen haarsträubenden Fehler. Auch Führungsspieler wie Marco Reus oder Mats Hummels, die momentan nicht überzeugen, müssen sich angesprochen fühlen.

Terzic selbst stellt die Mentalitätsfrage

"Qualität ist immer das Produkt aus Talent und Mentalität", sagte Terzic nach dem Leverkusen-Spiel bei Sky. "Wir haben uns zu sehr auf das Talent verlassen und uns zu wenig gewehrt." Damit stellt der Coach selbst die Mentalitätsfrage. Die Debatte begleitet den BVB schon seit Jahren. Wir erinnern uns: Vor etwas mehr als zwei Jahren ging Reus die (O-Ton) "Mentalitätsscheiße auf die Eier".

Einen Titel kann sich der BVB so auf lange Sicht abschminken. Der Revierklub muss jetzt höllisch aufpassen, damit er seine Minimal-Ziele nicht verpasst. Die Situation ist angespannt, die Entwicklung bedenklich. Nach 17 Spieltagen lügt die Tabelle nicht. (Service: Tabelle der Bundesliga)

Nach dieser Woche könnte die Borussia sogar aus den Champions-League-Rängen fallen. Und ein Verpassen der Königsklasse wäre am Saisonende der Super-GAU für den selbst ernannten Titelkandidaten, dem wegen der Corona-Pandemie ein Verlust von mehr als 100 Millionen Euro droht. Das würde den Klub in seine Entwicklung dramatisch zurückwerfen.

Die Mannschaft allein ist in der Pflicht. Nur sie selbst kann es richten!