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Asamoah schildert Gewalt-Nacht

Asamoah schildert Gewalt-Nacht

Schalke 04 arbeitet nach der eskalierten Fan-Gewalt die Geschehnisse der Nacht zum Mittwoch auf. Sport-Vorstand Peter Knäbel und Gerald Asamoah beziehen Stellung.
Auf Schalke ist weiter Aufarbeitung der Randale-Nacht angesagt. Geschäftsführer Peter Knäbel erklärt, warum der Mannschaftsbus entgegen der polizeilichen Empfehlung doch zur Veltins-Arena gefahren ist.
Lukas Rott
Lukas Rott
Maximilian Lotz
Maximilian Lotz
von Lukas Rott, Maximilian Lotz

Ein Tag und eine Nacht sind seit der eskalierten Fan-Wut auf Schalke vergangen, doch die Geschehnisse der Nacht zum Mittwoch wirken immer noch nach. Und die Gewaltexzesse werden den Klub auch noch weiter beschäftigen.

"Mir geht es immer noch nicht so gut", sagte der nach wie vor sehr aufgewühlte Teammanager Gerald Asamoah im Rahmen einer Presserunde am Donnerstag.

Asamoah schildert Gewalt-Nacht auf Schalke

"Ich selber bin nicht geschlagen worden", schilderte Asamoah seine Erlebnisse, nachdem die Mannschaft am späten Dienstagabend nach dem 0:1 in Bielefeld, das den Abstieg besiegelte, von aufgebrachten Schalker Fans am Stadion empfangen wurde. "Ich habe verschiedene Bilder im Kopf: Ein Mitarbeiter lag auf dem Boden und wurde getreten."

Ein anderes Bild sei das von Co-Trainer Mike Büskens: "Bujos Angst in den Augen werde ich nicht vergessen", ergänzte Asamoah.

Bei der Rückkehr des Teams kam es zu regelrechten Jagdszenen, Spieler wurden getreten, geschlagen und mit Gegenständen beworfen, ihre Autos demoliert.

Fan-Wut versetzt Schalker Spieler in Angst

"Die Fans sind auf uns losgegangen. Wir sind ab dann nur noch gerannt. Das war Angst, pure Angst! Ich bin nur noch gerannt. Einige von uns haben Tritte und Schläge abbekommen. Ich bin schockiert und weiß nicht, wie wir die nächsten Spiele noch bestreiten sollen", beschrieb ein Spieler, der anonym bleiben möchte, bei SPORT1 die Situation. "Ich verstehe auch nicht, wieso man uns überhaupt den Fans ausgeliefert hat. Es hieß vom Verein, dass es nur einen kurzen Austausch geben wird. Die Polizei hat währenddessen unten gewartet."

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Asamoah erklärte nun, warum man sich dazu entschieden hat, nach der Niederlage in Bielefeld im Mannschaftsbus zum Stadion zu fahren.

"Wir haben auf dem Rastplatz mit dem Trainerteam und den Kapitänen entschieden, dass wir hinfahren", erklärte Asamoah. "Ich war von der ersten Minute überzeugt, dass hier nichts passiert. Ich kenne die Fans. Es war viel Polizei da, das hat mir Sicherheit gegeben."

Knäbel: Schalke beschäftigte sich mit verschiedenen Szenarien

Asamoah ergänzte: "Dann sind wir aus dem Bus raus - wir wussten, dass wir die Klappe halten und zuhören sollen. Dann ist alles weitere passiert. Ich hatte keine Angst, war mir sicher, dass nichts passiert."

Doch die Situation eskalierte offenbar als ein Böller explodierte.

"Alles was dann passiert ist, müssen wir aufklären und können jetzt keine Erklärung liefern", sagte Sport-Vorstand Peter Knäbel. Man habe noch in der Nacht bis fünf Uhr morgens zusammengesessen und mit der Aufarbeitung begonnen.

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Zudem habe man sich seit zehn Tagen mit möglichen Szenarien für den Abstiegsfall beschäftigt, erklärte Knäbel. "Es gab Arbeitsgruppen, die sich mit den diversen Möglichkeiten beschäftigt haben", sagte Knäbel, der nochmals bekräftigte: "Wir verurteilen jede Form von Gewalt! Diese Message kommt mir zu kurz. Das hat nichts damit zu tun, dass wir die Vorfälle komplett aufarbeiten werden. Wir werden ein Gespräch mit der Polizei führen, an dem ich auch teilnehmen werde."

Knäbel: "Der emotionale Schaden ist größer"

Aus Sicht der Betroffenen sei laut Knäbel die Frage nach dem Schutz wichtig. "Also warum war die Polizei da? Warum die Polizei dann nicht mit reingefahren ist, ist eine Frage die wir nochmal intern aufarbeiten müssen."

Mehrere Fans hatten sich bei der Ankunft der Spieler auch Zutritt zum Stadiongelände verschafft. Einige Anhänger verfolgten die Spieler regelrecht über den Arena-Ring. Auf einem Video, das auf Twitter kursiert und einige Sekunden des Vorfalls zeigt, ist zu sehen, wie Pyrotechnik gezündet wird und Menschen, offenbar Schalke-Spieler, vor anderen davonrennen. Schreie sind zu hören.

"Am Ende kann man so eine Masse nicht aufhalten. Die Leute sind über den Zaun geklettert. Es war Einbruch", betonte Knäbel.

Eines steht schon jetzt fest: Die Rückkehr zum normalen Tagesgeschäft ist noch nicht absehbar. Die ersten beiden Trainingseinheiten nach der Pleite in Bielefeld wurden abgesagt. Trainer Dimitrios Grammozis "war sauer und enttäuscht und musste sich auch erstmal sammeln", erläuterte Knäbel. "Ich habe gestern allen eine Nachricht geschrieben, dass wir helfen, falls Hilfe gewünscht wird."

Abgesehen vom Sachschaden, "blauen Flecken und kleineren Verletzungen" sei dem Team soweit nichts Schlimmeres passiert, meinte Knäbel: "Aber ich glaube der emotionale Schaden ist größer".