Anzeige

Muss Frankfurt ein Exempel statuieren?

Muss Frankfurt ein Exempel statuieren?

Der Streik von Filip Kostic hat Eintracht Frankfurt empfindlich getroffen. Werden die Risse im Klub nun immer größer?
Eintracht Frankfurts Filip Kostic hat das Training geschwänzt und will den Verein offenbar verlassen. Ex-SGE-Boss Heribert Bruchhagen geht scharf mit ihm ins Gericht.
Christopher Michel
Christopher Michel
von Christopher Michel

Der Schock am Freitagnachmittag war groß bei Eintracht Frankfurt.

Ausgerechnet Filip Kostic, der stets als Musterprofi galt und in seinen drei Jahren bei den Hessen herausragend performte, tauchte nicht beim Training auf – unentschuldigt. Der Serbe wurde nach seinem Streik sofort aus dem Kader für das Spiel bei Arminia Bielefeld gestrichen. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Krösche und Bruchhagen kritisieren Kostic

Sportvorstand Markus Krösche stellte bei Sky klar: “Der Weg, den er jetzt eingeschlagen hat, ist falsch. Wir lassen uns nicht unter Druck setzen! So geht man das nicht an, wenn man eine so gute Zeit zusammen hatte.” Die Führungsetage der Eintracht ist sauer auf Kostic, es wirft kein gutes Licht auf den Klub. Alle werden genau auf die Reaktion schauen. Bleiben die Frankfurter hart, wird die Unruhe nicht enden. Geben die Hessen nach und verkaufen Kostic an Lazio Rom weit unter Wert, kann das als Schwäche ausgelegt werden.

Eintracht Frankfurts Filip Kostic hat das Training geschwänzt und will den Verein offenbar verlassen. Ex-SGE-Boss Heribert Bruchhagen geht scharf mit ihm ins Gericht.
08:09
"Nicht zu tolerieren": Bruchhagen tadelt Kostic

Heribert Bruchhagen, früherer Vorstandschef der Eintracht, sagte im STAHLWERK Doppelpass bei SPORT1: “Kostic hat die Mannschaftskameraden im Stich gelassen. Das ist nicht in Ordnung. Jetzt kommt es darauf an, wie man von Frankfurter Seite aus reagiert. Hier muss man ein Exempel statuieren und das Gesamtbild des Vereins sehen.” Bruchhagen verwies auf ein Gespräch mit Aufsichtsratschef Philip Holzer, laut dessen Aussage es bislang noch kein Angebot gab. Wie SPORT1 aus Beraterkreisen vernommen hat, soll es jedoch schon mehrere Offerten für den Linksfuß gegeben haben. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Hinteregger stellt sich hinter Kostic

Es ist eine Crux für die Eintracht. Die nach SPORT1-Informationen anfangs angestrebten 25 Millionen Euro wird der Traditionsklub nicht erzielen können. Allerdings entspricht auch die Erhöhung des ersten Angebots von Lazio, das anfangs bei unter zehn Millionen Euro lag, auf nun 12 bis 13 Millionen Euro nicht den Ansprüchen. Ob sich beide Parteien in der Mitte treffen? Möglich, aber die Römer haben mit Mattia Zaccagni bereits eine Alternative für die Offensive im Blick.

Sollte Kostic bleiben, werden ihn die Mitspieler allerdings schnell wieder in ihren Kreis aufnehmen. Martin Hinteregger, in Bielefeld Kapitän, sagte bei Sky: “Filip ist ein überragender Spieler und hat uns so viel gegeben. Da kann man den Ball auch mal ein bisschen flachhalten.” Der Abwehrmann lobte Kostic: “Filip war die letzten drei Jahre der Musterprofi schlechthin, ist nie aufgefallen und immer da gewesen. Ich glaube, das ist spätestens einen Tag später wieder vorbei.”

Effenberg sieht keine Grundlage für einen Kostic-Verbleib

Doch ist das wirklich so einfach? SPORT1-Experte Stefan Effenberg hat da seine Zweifel, sagte im STAHLWERK Doppelpass: “Wenn ein Spieler so etwas macht, was ich persönlich nicht toleriere, dann solltest du die Tür aufmachen. Was willst du mit so einem Spieler noch?” Der Ex-Profi bedauert diese Entwicklung: “Kostic hat mich begeistert, er war mitverantwortlich für den Erfolg.”

Doppelpass on Tour”: Deutschlands beliebtester Fußballtalk geht auf große Deutschlandtour! Tourtermine und Tickets unter www.printyourticket.de/doppelpass oder unter der Ticket-Hotline (Tel. 06073 722740; Mo.-Fr., 10-15 Uhr)

Droht der sich im Dauerstress befindenden Eintracht eine Spaltung? Nach fünf Jahren des ständigen Aufstiegs findet der Klub nicht mehr zurück in den Ruhemodus. Ex-Sportvorstand Fredi Bobic erzwang öffentlichkeitswirksam seinen Wechsel nach Berlin, Adi Hütter trainiert inzwischen Borussia Mönchengladbach, Bruno Hübner hörte nach zehn Jahren als Sportdirektor auf. Der Umbruch nimmt nun auch mit Blick auf die Mannschaft Konturen an. André Silva schon weg, Kostic will gehen und Amin Younes, der den Klub verlassen sollte, ist plötzlich wieder da. Hält ein Klub so viel Unruhe aus?

Glasner wird deutlich

Trainer Oliver Glasner gab angesichts der unübersichtlichen Lage und nach unbefriedigendem Auftakt Einblick in sein Seelenleben: “Wir sind mittendrin, das merke ich auch, dass nicht alles ruhig und rund ist. Unsere Aufgabe ist es, dass wir die Eintracht wieder in ruhigere Gewässer führen. Ich bin froh, wenn das Transferfenster am 31. August schließt, habe das in der Form auch noch nicht durchgemacht.”

Filip Kostic sorgt mit seinem Streik für mächtig Wirbel. Für Frankfurt-Trainer Oliver Glasner aber nur die Spitze des Eisbergs nach höchst unruhigen ersten Wochen bei der Eintracht.
03:53
"So noch nicht mitgemacht!" Glasners knallharte Eintracht-Analyse

Ist die launische Diva zurück? Wird aus Eintracht wieder Zwietracht Frankfurt? Oder entwickelt der Klub eine Art Wagenburgmentalität? Die Frankfurter sind sich intern einig, man will sich SPORT1-Informationen zufolge nicht von Kostic auf der Nase herumtanzen lassen. Der 28-Jährige ist ein Unterschiedsspieler, zwischen 16 und 20 Millionen Euro müssen auf das Konto fließen.

Die Causa Kostic bleibt spannend

Von einer Einigung sind die beiden Klubs somit noch ganz weit entfernt. Summen in dieser Höhe legen die Römer eher für jüngere, entwicklungsfähigere Spieler hin, die sie später für mehr Geld verkaufen können. Kostic hingegen ist ein “fertiger” Profi, er überschreitet nächste Saison die 30-Jahre-Grenze. Es warten noch aufregende Tage bis zur Schließung des Transferfensters am 31. August.

Alles zur Bundesliga bei SPORT1: