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Warum der FC Bayern gegen Borussia Mönchengladbach nicht gewinnt

Warum Bayern gegen Gladbach nicht gewinnt

Der FC Bayern trifft im Bundesliga-Auftaktspiel auf Borussia Mönchengladbach. Dieses Duell am 1. Spieltag gab es in der Vergangenheit bereits häufiger - zum Leidwesen der Münchner.
Der FC Bayern eröffnet bei Borussia Mönchengladbach die neue Bundesliga-Saison. Nach einer holprigen Vorbereitung ohne Testspielsieg und einigen Verletzungsproblemen geht der Rekordmeister alles andere als sorgenfrei in die neue Spielzeit.
Der FC Bayern trifft im Bundesliga-Auftaktspiel auf Borussia Mönchengladbach. Dieses Duell am 1. Spieltag gab es in der Vergangenheit bereits häufiger - zum Leidwesen der Münchner.

Als Julian Nagelsmann auf der Pressekonferenz vor dem heutigen Saisonauftakt Borussia Mönchengladbach als “einen anspruchsvollen Gegner” bezeichnete, war das gewiss mehr als die pure Höflichkeit.

Nun ist er viel zu jung, um einen Überblick über die Geschichte des Klassikers der Bundesliga zu haben, aber auch er wird davon gehört haben, dass die Bayern bei keinem Gegner öfter verloren haben als bei der Elf vom Niederrhein (22x).

Er selbst hat als Trainer bei sechs Duellen dort nur eins gewinnen können (3:1 mit Leipzig im August 2019). Borussia ist trotz der verpassten Europa-League-Teilnahme längst wieder eine angesagte Adresse.

Wenn dem nicht so wäre, spräche noch etwas gegen einen Bayern-Sieg in Mönchengladbach: Es liegt ein Startfluch auf dieser Begegnung. Wenn die erste Reise einer Bundesligasaison nach Mönchengladbach führte, hat Bayern nie gewonnen! (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

Die aus Münchner Sicht unerfreuliche Geschichte enthält fünf Kapitel.

23.8.1969: 2:1

Beide Vereine spielen ihre fünfte Bundesligasaison, die Bayern kommen erstmals als Meister an den Bökelberg. Die Trainer sind schon Legenden: hier Hennes Weisweiler, dort Branko Zebec.

Nationalspieler stehen auf beiden Seiten, hier Vogts, Netzer und Köppel, da Maier, Beckenbauer, Müller. Die ersten drei Gastspiele überstanden die Bayern am Bökelberg ungeschlagen, diesmal sind sie dran. Dabei liegen sie zur Pause noch vorne (1:0 durch Gustl Starek) und ernten respektvollen Beifall von den Rängen – aber dann kommt der Kaiser.

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Nicht Beckenbauer, dem der Boulevard gerade diesen Beinamen gegeben hat, weil er so majestätisch agiert. Die Borussen haben auch einen, bloß ist das sein Familienname. Zur Halbzeit bringt Weisweiler den 19 Jahre alten Amateur Werner Kaiser ins Spiel und drei Minuten später rast der ausverkaufte Bökelberg: Ausgleich per Kopf.

Herbert Laumen setzt noch einen drauf (70.), Gerd Müller trifft nur noch die Latte. Es bleibt beim 2:1, was nach der einseitigen ersten Hälfte keiner erwartet hätte. Netzer wundert sich: “Ich würde die Bayern gerne mal fragen, warum sie verloren haben.” Das Ergebnis wird zum Omen für die Saison 1969/70, Gladbach wird Bayern als Meister ablösen.

5.8.1989: 0:0

20 Jahre vergehen, ehe die Bayern wieder ganz früh in der Saison (2. Spieltag) an den Bökelberg müssen. Für Jupp Heynckes ist es die dritte Rückkehr nach Gladbach, aber immer noch kein normales Spiel.

“Das Duell der alten Freunde”, titelt der Kicker und zeigt ihn zusammen mit Borussen-Trainer Wolf Werner, seinem langjährigem Assistenten auf der Borussen-Bank. Heynckes tönt bei aller Freundschaft zum Ex: “Wir gewinnen am Bökelberg, weil es endlich mal Zeit wird.”

Doch dazu fehlt die Grundvoraussetzung für einen Sieg – ein Tor. 34.000 Zuschauer sehen eine Nullnummer, für die sie Topzuschlag zahlen mussten. DFB-Beobachter und Borussen-Legende Berti Vogts urteilt: “Die Bayern haben für mich einen Punkt verloren. Seit vielen Jahren waren sie nicht mehr so nahe dran an einem Sieg wie diesmal!”

Die neuen Bayern-Stürmer Alan McInally und Radmilo Mihajlovic, gegen Nürnberg noch beide erfolgreich, gingen leer aus und wurden von ihren Gegenspielern nicht gerade hoch geschätzt. “Zum Schluss rutschten ihm einige Flüche heraus auf Englisch. Ich habe sie nicht verstanden, aber aus einer guten Kinderstube waren sie nicht”, lästerte Michael Klinkert über den Schotten McInally. Und Thomas Eichin attestierte Mihajlovic: “Er spielt link.” (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

6.8.1997: 1:1

An einem Mittwochabend kommen die Bayern unter Trainer-Rückkehrer Giovanni Trapattoni nach Gladbach. Wie so oft als Meister und als Favorit. Aber nach der Auftaktpleite gegen Aufsteiger Kaiserslautern (0:1) auch etwas verunsichert.

Das Gefühl steigert sich, als der Schwede Jörgen Pettersson die von Hannes Bongartz trainierten Borussen früh in Führung bringt (17.). Das reizt die Bayern, sie sind drückend überlegen, der Kicker attestiert eine “sehr ansprechende Mannschaftsleistung”.

Zum auch nach Chancen (11:7) verdienten Sieg reicht es wieder nicht, nur Thomas Strunz glückt noch ein Tor (55.). Oliver Kahn beruhigt die Skeptiker: “Wir stehen bald wieder oben.” Ja, aber nicht ganz oben – denn Meister wird Kaiserslautern. Weil zwei Punkte fehlen …

20.7.2001: 1:0

Nach ihren ersten beiden Zweitligajahren kehrt Borussia ins Oberhaus zurück und der DFB schenkt ihr zum Auftakt den Gewinner der Champions League. Die Hitzfeld-Bayern sind 2001 Europas Nummer eins, haben auch dreimal in Folge die Meisterschaft gewonnen.

Größer ist die Kluft zwischen den Rivalen der Siebziger wohl nie gewesen vor einem Duell. Und wer gewinnt? Der Außenseiter, bei dem der kauzige Hans Meyer auf der Bank sitzt.

Torschütze Arie van Lent erinnert sich noch 20 Jahre später an das berauschende Gefühl, den Bayern einen eingeschenkt zu haben: “Marcel Witeczek spielt mir einen wunderbaren Ball in den Lauf. Ich gewinne das Duell gegen Thomas Linke, drücke direkt mit links ab, der Ball zischt an Oliver Kahn vorbei, Tor! Unglaublich schön, wenn ich an dieses Gefühl von damals zurück denke. Wir, der Aufsteiger, schlagen den Champions-League-Sieger”, sagt der Niederländer im aktuellen Kicker. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Bei den Bayern ist natürlich dicke Luft. Präsident Franz Beckenbauer: “Heute haben wir Fußball gestanden!” Trainer Hitzfeld: “Die Mannschaft brennt nicht genug!” Dunkle Vorahnungen vor einem Jahr, in dem sie keine Titel gewinnen werden. Wie schon 1970, als sie ebenfalls zum Auftakt bei Borussia verloren.

10.8.2002: 0:0

Der Spielplanleiter der nun zuständigen DFL zeigt sich nicht sehr kreativ und jagt die Bayern im Jahr darauf schon wieder am 1. Spieltag auf den Bökelberg. Die Gäste haben sich mit Leverkusens Stars Michael Ballack und Zé Roberto verstärkt, sie geben ihr Bundesligadebüt im Bayern-Dress.

Wieder mal sehen 34.500 in einem temporeichen Spiel keine Tore bei dieser Paarung, was zumindest Verteidiger glücklich macht. Bayerns Thomas Linke: “Ich bin froh, dass wir zu Null gespielt haben.” (SERVICE: Bundesliga-Spielplan zum Ausdrucken)

Oliver Kahn beliebt zu scherzen: “Wir sind jedenfalls besser gestartet als im Vorjahr und Ottmar Hitzfeld beschwichtigt: “Wir haben im Großen und Ganzen ordentlich gespielt”, und schiebt die sichtbaren Schwächen im Spielaufbau auf die zurückliegende WM: “Es wird noch zwei Wochen dauern, bis die Nationalspieler den Rückstand aufgeholt haben.”

Etwas ungnädiger ist Vize Karl-Heinz Rummenigge: “Viel zu viele Spieler haben heute ihr Potenzial nicht abgerufen.” Das legt sich im Laufe der Saison, die die Bayern als souveräner Meister beenden werden. Nicht jeder Holperstart am Bökelberg, an dem jetzt ohnehin nicht mehr gespielt wird, ist ein schlechtes Omen für den Rekordmeister. Was bleibt, ist der Startfluch. Kann Nagelsmann ihn bannen?