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Der Abgeschriebene wird zum Helden

Der Abgeschriebene wird zum Helden

Anthony Modeste ist beim beeindruckenden Comeback des 1. FC Köln im Rhein-Derby der Held. Der einst abgeschriebene Stürmer erlebt einen späten zweiten Frühling.
Für Anthony Modeste war sein Führungstor gegen Leipzig etwas Besonderes. Bei seinem Jubel hatte der Franzosen aus einem bestimmten Grund Tränen in den Augen.
Stefan Junold
Stefan Junold
von Stefan Junold

„Modeste! Modeste!“, schallte es nach Abpfiff durch das RheinEnergieSTADION in Köln, das erstmals seit 603 Tagen wieder ausverkauft war.

Die knapp 50.000 Zuschauer feierten ihren Helden, der den 1. FC Köln im Derby gegen Bayer Leverkusen mit zwei Toren zu einem 2:2 (0:2) geführt hatte und danach auf seiner Ehrenrunde mit Standing Ovations bejubelt wurde.

Anthony Modeste ist wieder da - und wie! (DATEN: Torjäger der Bundesliga)

Nach neun Spieltagen steht der 33-Jährige bereits bei sechs Saisontoren. So viele schoss er letztmals in der Saison 2018/19 für die Kölner, allerdings in der 2. Bundesliga.

Modeste freut sich über zweiten Frühling

Im Interview nach dem Rhein-Duell wurde Modeste gefragt, ob ihm der Begriff „zweiter Frühling“ gefalle. Dies bejahte der Franzose. Und wie lange dieser denn anhalten werde, wollte die fragende Reporterin wissen. (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

„Weiß ich nicht, aber so lange ich so spiele, dass die Mannschaft glücklich ist, ist alles gut“, antwortete Modeste bei DAZN mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

Der Torjäger hat seine Leidenszeit mit dem Amtsantritt von Steffen Baumgart hinter sich gelassen. Diese begann 2017, nachdem Modeste den Effzeh mit 25 Saisontoren in den Europapokal geschossen und sich dann zu einem viel kritisierten Wechsel nach China zu Tianjin Tianhai entschieden hatte. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Baumgart macht Modeste wieder fit

Weder in Asien noch bei seiner Leihe zu AS Saint-Etienne wurde er glücklich. Auch unter den Trainern Achim Beierlorzer und Markus Gisdol fand Modeste nach seinem China-Abenteuer beim FC nicht mehr in den Rhythmus.

Doch in der Vorbereitung auf die laufende Spielzeit scheint Baumgart die richtigen Ansätze beim Stürmer gefunden zu haben. Insbesondere Modestes Fitness sticht hervor. Darauf legte Baumgart den Fokus im Sommer.

Gegen Leverkusen legte der Routinier mit Wurzeln in Martinique mit einer Höchstgeschwindigkeit von über 33 km/h den schnellsten Sprint aller Spieler hin - sehr beachtlich für einen 33-Jährigen, der zwischenzeitlich von vielen schon abgeschrieben worden war, als ihm in den vergangenen Jahren sowohl körperliche Voraussetzungen als auch der Torinstinkt fehlten.

„Wenn man viel investiert, kriegt man viel zurück“, meinte Modeste vielsagend bezüglich der Zusammenarbeit mit Ex-Paderborn-Coach Baumgart.

Steffen Baumgart ist bekannt für seine Schlagfertigkeit. Nun wurde der Trainer des 1. FC Köln von der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur für den Fußball-Spruch des Jahres 2021 ausgezeichnet.
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So erklärt Baumgart seinen Fußballspruch des Jahres

Derby-Held für Köln gegen Leverkusen

Der Ausgleichstreffer in der 82. Minute, den Modeste nach einer Kopfballverlängerung des eingewechselten Sebastian Andersson in Folge einer Standardsituation erzielte, war alles andere als ein Zufallsprodukt. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

„Wir erarbeiten uns das im Training, heute hat das geklappt. Deswegen wird unser Trainerteam glücklich sein“, erklärte der Kölner Derby-Held, der am Sonntagnachmittag lange nicht auf dem Weg zu diesem Status war.

„In der ersten Halbzeit habe ich ein Tor hergeschenkt, das war meine Schuld“, gab sich Modeste beim Post-Match-Interview zunächst kleinlaut. Mit einem kapitalen Fehlpass hatte er das Führungstor von Bayers Patrik Schick nach einer Viertelstunde eingeleitet.

„Die ersten zwei Dinger legen wir uns selbst vor, das war unnötig“, galt Baumgarts Tadel teilweise auch Modeste. Mit dem restlichen Arbeitsnachweis seines Torjägers dürfte er aber zufrieden gewesen sein.

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