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Wutausbruch wirft Fragen an Weinzierl auf

Wutausbruch wirft Fragen an Weinzierl auf

Der FC Augsburg zeigt gegen den 1. FSV Mainz 05 teils eine desolate Leistung. FCA-Keeper Rafal Gikiewicz spricht Klartext - der Coach wirkt ratlos.
Bielefeld sichert sich gegen den FC Augsburg mit einem 1:1 einen Punkt. Die Arminia hat zweimal Glück, dass die Augsburger im Abseits stehen.
Martin Hoffmann
Martin Hoffmann
Maximilian Schwoch
Maximilian Schwoch
von Martin Hoffmann, Maximilian Schwoch

Rafal Gikiewicz konnte einem wirklich leidtun.

Der Keeper des FC Augsburg musste sich vor allem im ersten Durchgang fast im Minutentakt der Angriffe des 1. FSV Mainz 05 erwehren. Am Ende griff er viermal hinter sich. Der Pole verhinderte mit einigen Paraden jedoch ein noch schlimmeres Resultat als die 1:4-Pleite der Fuggerstädter. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Nach dem Spiel entlud sich dann der ganze Frust des 33-Jährigen am Mikro. „Wir waren die Vorspeise für Mainz in der ersten Halbzeit. Wir waren nicht auf dem Platz, gewannen keinen Zweikampf, bekamen keine gelbe Karte“, stellte er im DAZN-Interview klar. (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

Es war ein Ausbruch, der auch den Blick auf die Frage nach der Arbeit von Trainer Markus Weinzierl lenkte. Auch wenn Gikiewicz das nach eigenen Angaben eigentlich nicht wollte.

Gikiewicz: „Wir haben viel zu wenig Qualität“

Wir spielen nicht gegen Bayern München und trotzdem hatte man das Gefühl, sie können machen was sie wollen“, redete sich Gikiewicz in Rage: „Es war viel zu einfach. Mit dieser mentalen Vorbereitung kann man nicht in der Bundesliga spielen, nicht mal in der Kreisliga. Nach den ersten 45 Minuten kann der Trainer elf Wechsel vornehmen.“ (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Rafal Gikiewicz war mit der Einstellung seines Teams alles andere als einverstanden
Rafal Gikiewicz war mit der Einstellung seines Teams alles andere als einverstanden

Der FCA-Keeper weiter: „Geht das so weiter, spielen wir ab kommendem Sommer in der zweiten Liga, das muss jedem klar sein. Wir haben Angst, mit dem Ball zu spielen, gehen nicht in die Duelle. Es war einfach gar nichts heute.“

Im Laufe des Interviews wurde Gikiewicz immer emotionaler. „Es nervt mich einfach. Ich habe keinen Bock, jeden Abend drei, vier Tore zu bekommen und die gegnerischen Fans über die 2. Liga singen zu hören. Wir sind der FC Augsburg. Mit dem Trikot müssen wir kämpfen und Fußball spielen.“

Das besonders bittere und vielsagende Schlussfazit: „Ich habe das Gefühl, dass wir zu satt sind und keinen Spaß daran haben, in der Bundesliga Fußball zu spielen.“

Weinzierl: „Nicht, was wir besprochen haben“

Gikiewicz betonte zwar, dass er seine Kritik nicht als Angriff auf Trainer Weinzierl verstanden wissen wollte („Es spielt keine Rolle, welches System wir spielen, wie der Trainer heißt oder wer in der Startaufstellung steht“) - so grundsätzlich, wie die Kritik ausfiel, stellt sich jedoch unweigerlich die Frage, ob der Coach nicht in der Lage ist, etwas gegen die Missstände zu tun.

Weinzierls eigene Gedanken zum Spiel wurden am Freitag von Gikiewicz‘ Wutausbruch überschattet.

„Das war als Mannschaft nicht akzeptabel, und auch nicht das, was wir besprochen haben“, sagte der 46-Jährige, der in den zwölf Ligaspielen seiner zweiten Amtszeit nur zwei Siege vorzuweisen hat: „So kann man kein Bundesligaspiel bestreiten.“ Tenor: Er tue ja, was er könne, aber für dieses Spiel müssten die Spieler selbst die Verantwortung übernehmen.

In eine ähnliche Richtung war in dieser Woche auch ein Auftritt von Klubpräsident Klaus Hofmann gegangen. Er hatte einerseits heftige Kritik an der biederen Spielweise der vergangenen Jahre geübt, Weinzierl bei seiner Abrechnung aber ausdrücklich ausgenommen.

Reuter: „Gefühl, dass alle zusammenhalten“

Auch Manager Stefan Reuter wirkte trotz des erneuten Tiefschlags in Mainz nicht an Grundsatzfragen interessiert, versuchte sogar für die Mannschaft eine Lanze zu brechen.

„Wir sind alle unzufrieden mit der Art und Weise, wie wir aufgetreten sind“, sagte der Weltmeister von 1990, betonte aber im gleichen Atemzug: „Ich habe das Gefühl, dass alle zusammenhalten.“

Es muss sich zeigen, wie lange diese Linie noch hält, wenn weitere Auftritte dieser Art hinzukommen.

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Mit Sportinformationsdienst (SID)