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Effenberg-Idee „nicht verkehrt, aber ...“

Effenberg-Idee „nicht verkehrt, aber ...“

DFB-Bundeslehrwart Lutz Wagner äußert sich zu dem Vorschlag von Stefan Effenberg, aus Altersgründen ausgeschiedene Schiedsrichter als vierte Offizielle einzusetzen.
Die FIFA denkt darüber nach, Welt- und Europameisterschaften alle zwei Jahre stattfinden zu lassen. Für Stefan Effenberg ein No Go.
Reinhard Franke
Reinhard Franke
von Reinhard Franke

Die Kritik an Schiedsrichtern gehört inzwischen fast schon zum Bundesliga-Alltag dazu. Doch während sie sich meist auf die Unparteiischen auf dem Rasen oder den VAR beschränkten, gerieten am vergangenen Spieltag die vierten Offiziellen in den Fokus.

Mit Christian Streich (SC Freiburg), Jesse Marsch (RB Leipzig) und Bo Svensson (Mainz 05) sahen drei Trainer Gelb, was einen neuen Rekord darstellt.

Fehlt es dem vierten Mann zwischen den Coaching-Zonen etwa an der notwendigen Autorität? (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

SPORT1-Experte Stefan Effenberg forderte am Sonntag im STAHLWERK Doppelpass ein Umdenken.

„Ich bin sicher, dass der vierte Offizielle am meisten Bullshit mitbekommt über die 90 Minuten. Der kriegt von links und von rechts direkte oder indirekte Beschimpfungen.“

Effenberg, selbst als impulsiver Spieler bekannt, schlug deshalb vor, erfahrene Schiedsrichter als vierte Offizielle einzusetzen. Etwa die, die wegen der umstrittenen Altersregel des DFB nicht mehr auf dem Rasen stehen dürfen.

Wagner über Effenberg: „Kontraproduktiv“

„Der Vorschlag von Herrn Effenberg hört sich beim ersten Gedanken gar nicht verkehrt an. Er ist aber kontraproduktiv dessen, was wir als Weiterentwicklung ansehen. Grundsätzlich ist es gut, wenn Kompetenz im Einsatz ist“, sagt der langjährige Bundesliga-Schiedsrichter und jetzige DFB-Regelexperte Lutz Wagner im Gespräch mit SPORT1.

„Allerdings soll der vierte Offizielle auch einspringen, wenn der Schiedsrichter sich verletzen würde. Wenn der vierte Offizielle also zu alt ist, kann er auch nicht mehr einspringen.“

Wagner nennt da ein Beispiel. „Wenn ein Spieler zu alt ist für die erste Elf des FC Bayern, dann wird er Ersatzspieler. Aber durchaus nimmt man als Ersatzspieler mal einen Jungen, weil man ihn an neue Aufgaben heranführen will. So ist es auch beim Ersatz-Schiedsrichter.“

Der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter Lutz Wagner sieht den Vorschlag von Steffan Effenberg kritisch
Der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter Lutz Wagner sieht den Vorschlag von Steffan Effenberg kritisch

Beim Spiel am Sonntag zwischen Bayer Leverkusen und dem FC Bayern (1:5) war der vierte Offizielle auch ein Erstliga-Schiedsrichter.

„Darauf wird bei der Besetzung schon geachtet“, betont Wagner. „Das ist ein Kreislauf, denn auch ein Deniz Aytekin macht mal den vierten Offiziellen. Wenn das ein wichtiges Spiel ist, kommt da auch ein erfahrener Mann hin.“ (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Wagner: „Weiß nicht, ob wir uns einen Gefallen tun…“

Es gebe aber auch mal die Möglichkeit „da mal einen jungen Mann reinschnuppern zu lassen, der noch nicht so viele Spiele auf dem Buckel hat.“ Wagner meint hinsichtlich Effenbergs Anstoß noch:

„Ich weiß nicht, ob wir uns einen Gefallen tun, wenn da die 55-Jährigen auf der Bank sitzen und ihre Karriere da ausklingen lassen. Um Herrn Effenberg zu beruhigen: Für die wichtigen Spiele setzen wir schon erfahrene Leute an.“

Der vierte Offizielle sei zumeist ein Schiedsrichter in der 1. oder 2. Liga. „Was soll ein erfahrener Mann besser machen?“, fragt Wagner. „Herrn Effenberg geht es, glaube ich, darum, dass dieser erfahrene vierte Offizielle besser mit Trainern kann. Aber das lässt sich auch mit jungen, sachlichen und kommunikativen Schiedsrichtern lösen.“ (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

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