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Ist die Hertha untrainierbar?

Ist die Hertha untrainierbar?

Es sind wieder unruhige Zeiten bei Hertha BSC. Trainer Pal Dardai wird kurzerhand durch Tayfun Korkut ausgetauscht. Bei SPORT1 sprechen zwei frühere Herthaner über die prekäre Lage.
Nach der Entlassung Pal Dardai bei Hertha BSC stellte Manager Fredi Bobic den neuen Trainer Tayfun Korkut vor. Der 47-Jährige übernimmt den Big City Club und soll der Alten Dame aus dem Tabellenkeller helfen.
Reinhard Franke
Reinhard Franke
von Reinhard Franke

Nun soll es also Tayfun Korkut als Trainer bei Hertha BSC richten. Diesen Namen hatte kaum jemand auf dem Zettel. Keine Frage, es sind mal wieder aufregende Tage in Berlin. Am Montag gab der Verein die Trennung von Cheftrainer Pal Dardai bekannt. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Mit ihm wurde auch sein Co-Trainer Andreas „Zecke“ Neuendorf freigestellt. Die beiden sind Klub-Legenden in Berlin. Der Grund für die Trennung liegt auf der Hand: Hertha belegt nach 13 Spieltagen Platz 14. Zu wenig für die Ansprüche der Verantwortlichen und Investor Lars Windhorst. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

„Es gab ja diese Saison schon die eine oder andere Situation, in der ich dachte ‚Oh jetzt könnte es für Pal eng werden‘. Nun ist es passiert und für ihn tut es mir wirklich leid“, sagt Maik Franz im Gespräch mit SPORT1.

Von 2011 bis 2014 stand „Iron Maik“, wie er aufgrund seiner rustikalen Spielwiese immer genannt wurde, bei der Hertha unter Vertrag. Berlin ist und bleibt seine Stadt, dort lebt der 40-Jährige auch heute. Seinen Ex-Klub hat er immer genau im Blick.

“Es wäre einfach nur wünschenswert, wenn jetzt endlich mal Ruhe einkehrt und man den Weg einschlägt, den sich alle vorstellen.“ Die Frage, die sich so mancher stellt: Ist die Hertha untrainierbar?

“Untrainierbar würde ich nicht sagen“, meint Franz, „aber es ist den vergangenen Monaten einfach sehr viel passiert. Viele neue Spieler, eine neue Vereinsführung, viele neue Angestellte - das muss sich erstmal alles finden. Aber einmal mehr sieht man, dass im Fußball letztendlich nur die Ergebnisse zählen.“ Alles andere sei für Außenstehende leider „uninteressant“.

Hertha BSC hat mit sofortiger Wirkung Cheftrainer Pal Dardai frei gestellt. Auf der Pressekonferenz wird prompt sein Nachfolger Tayfun Korkut vorgstellt.
03:38
Korkut übernimmt: Hertha BSC wirft Trainer Pal Dardai raus

Franz ist bei Korkut skeptisch

Den neuen Trainer Korkut sieht Franz kritisch. Seit seinem Engagement beim VfB Stuttgart, wo er am 7. Oktober 2018 beurlaubt wurde, war Korkut ohne Job.

„Die bisherigen Stationen sprechen jetzt nicht unbedingt für ihn, aber das Schöne im Fußball ist, dass es immer wieder Überraschungen gibt, mit denen keiner der mutmaßlichen Experten gerechnet hätte“, meint Iron Maik.

Doch wie langfristig ist diese Lösung wirklich angelegt? Hat Sportvorstand Fredi Bobic womöglich für den Sommer schon einen großen Namen in petto?

Geteilte Meinung über Bobic

“Fredi Bobic ist in meinen Augen einer der besten Manager der Liga“, findet Franz. „Ich würde es ihm auf jeden Fall zutrauen, dass er dahingehend schon vorbereitet ist.“

Karl-Heinz Granitza, der von 1976 bis 1979 für die Hertha spielte und immer noch beste Verbindungen zum Verein hat, übt dagegen bei SPORT1 harsche Kritik an Bobic. „Ein Fredi Bobic stellt sich hin, kommt aus Frankfurt, bringt acht oder neun Leute mit und sagt er braucht Zeit. In dem heutigen Bundesliga-Geschäft hast du aber keine Zeit mehr.“

Und weiter: „Seine Familie lebt in Berlin und Bobic hat den Verein jahrelang beobachtet. Sein Ziel war es immer nach Berlin zu kommen. Da kann es nicht sein, dass er sagt, er braucht mehr Zeit.“

Fredi Bobic wechselte vor der Saison von Frankfurt zur Hertha
Fredi Bobic wechselte vor der Saison von Frankfurt zur Hertha

Hertha fehlt eine Achse

Das Hauptproblem sieht Granitza darin, dass der Hertha eine Achse fehlt. „Man hat einen mittelmäßigen Torwart, eine mittelmäßige Verteidigung mit den zweitmeisten Gegentoren in der Liga (nach Greuther Fürth, d. Red.), ein mittelmäßiges und viel zu teures Mittelfeld und auch der Sturm ist eine Katastrophe.“

Und der 70-Jährige legt den Finger in die Wunde: „Die Fehler in der Vergangenheit lagen ganz klar in den Spielerverpflichtungen. Es wurde in der vergangenen Saison ein müder Sami Khedira und ein müder Kevin-Prince Boateng eingekauft. Das waren krasse Entscheidungen. Auch ein Davie Selke ist in keinem Verein explodiert.“

Granitza nimmt Trainer Dardai deshalb in Schutz. „Er konnte auch nicht zaubern, wenn die Stürmer nicht treffen. Stevan Jovetic ist immer verletzt. Oder ein Luca Netz wurde nach Gladbach verscherbelt, um den Jungen hätte man sich bei der Hertha mehr kümmern müssen.“

Nun muss sich Korkut um die angeschlagene Alte Dame kümmern. Viele bei der Hertha hoffen, dass er schnellstmöglich die richtigen Knöpfe drückt.

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