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Frank Stäbler bietet Joshua Kimmich vom FC Bayern seine Hilfe an

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Frank Stäbler bietet Joshua Kimmich vom FC Bayern seine Hilfe an

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Olympia-Held will Kimmich helfen

Olympia-Held will Kimmich helfen

Ringer Frank Stäbler kritisiert Joshua Kimmich, bietet ihm aber seine Hilfe beim Kampf gegen die Corona-Folgen an. Der Olympia-Held hatte lange Zeit mit der Krankheit zu kämpfen und entwickelte ungewöhnliche Methoden.
Die Hinrunde ist für Joshua Kimmich gelaufen. Sein Coach erklärt den Comeback-Plan und verteidigt seinen Mittelfeldspieler.
Johannes Fischer
Johannes Fischer

Das, was Joshua Kimmich gerade durchmacht, hat Frank Stäbler bereits hinter sich. (Das könnte Kimmich blühen)

Der deutsche Ringer-Star, der bei den Olympischen Spielen in Tokio die Bronzemedaille holte und seine Karriere gerade ausklingen lässt, sieht sich bei der aktuellen Corona-Diskussion um den Bayern-Star als mahnendes Beispiel.

Im Oktober 2020 hatte sich Stäbler mit dem Virus infiziert und monatelang mit den Folgen kämpfen müssen.

Ähnlich wie Kimmich habe auch er beim Thema Impfung Bedenken gehabt, doch die Skepsis ist längst der Erkenntnis gewichen, dass es der einzig gangbare Weg ist, die Pandemie zu besiegen.

Im SPORT1-Interview erzählt Stäbler, welche ungewöhnlichen Wege er ging, um wieder auf die Beine zu kommen, was er an Kimmichs Aussagen scheinheilig findet und warum der Nationalspieler jetzt ein Vorbild werden könnte.

Gleichzeitig bietet Stäbler dem 26-Jährigen einen Crashkurs an, damit auch er möglichst schnell wieder die volle Leistungsfähigkeit zurückerlangt.

Ringer Frank Stäbler holte in Tokio die Bronzemedaille im griechisch-römischen Stil
Ringer Frank Stäbler holte in Tokio die Bronzemedaille im griechisch-römischen Stil

SPORT1: Herr Stäbler, die Diskussion um den ungeimpften Joshua Kimmich, der dann Corona bekam, begleitet die Öffentlichkeit bereits seit einigen Wochen. Wie erleben Sie seinen Fall?

Stäbler: Ich habe vor einigen Wochen schon gesagt, dass ich seine Entscheidung kritisch sehe, da er einen großen Vorbildcharakter hat und diesem nicht unbedingt nachgekommen ist. Jeder kann seine Position haben, aber in dieser Frage ist es schwierig, vor allem mit den Aussagen, die er am Anfang auch in Bezug auf die Initiative „We Kick Corona“ getroffen hat. Nachdem öffentlich wurde, dass er sich nicht impfen lassen will, argumentierte er in die Richtung ‚Man kennt die Nebenwirkungen nicht und fällt dann einige Tage oder Wochen aus und kann nicht Bundesliga spielen, deswegen ist jetzt kein guter Zeitpunkt für die Impfung und er will abwarten‘. Das war für mich nicht akzeptabel. Ich habe das alles ehrlich gesagt zunächst auch nicht ernst genommen, aber das war die Anfangszeit der Corona-Pandemie. Da wusste man noch nicht, in welche Dimensionen sich das ganze entwickelt. Die ersten Monate war ich auch skeptisch mit der Impfung, aber zum jetzigen Zeitpunkt ist das einfach unverantwortlich.

„Man kann nur hoffen, dass er daraus lernt“

SPORT1: Vor den Olympischen Spielen hatten die Athleten dagegen keine Wahl…

Stäbler: Ja, wir wurden indirekt alle, der komplette Olympia-Kader, einige Wochen und Monate vor den olympischen Spielen - und das ist das sportliche Highlight im Leben - mehr oder weniger deutlich aufgefordert, uns einer Impfung zu unterziehen, um den Traum leben zu können. Das wäre vergleichbar, wie wenn sich Joshua ein paar Wochen vor einer Weltmeisterschaft hätte impfen lassen müssen. Wie gesagt: Wir haben es auch alle machen müssen und bei ihm ging es eben „nur“ um ein paar Bundesliga-Spiele. Und deswegen hat er jetzt eine gewaltige, auch moralische, Quittung dafür bekommen. Jetzt fällt er nicht nur ein paar Tage, sondern einige Wochen aus. Das ist sehr schade und man kann nur hoffen, dass er daraus lernt und seine Konsequenzen zieht.

SPORT1: Sie hatten sich vor den Olympischen Spielen mit dem Virus infiziert und litten lange Zeit an den Folgen. Was mussten Sie damals durchmachen, ehe es aufwärts ging?

Stäbler: Im Herbst 2020, neun Monate vor den Olympischen Spielen, habe ich mich infiziert und nachweislich einen Leistungseinbruch von über 20 Prozent gehabt. Ich war nicht mehr belastbar und bin komplett neue Wege gegangen, weg von meinem normalen Training. Ich habe einen Atemtrainer, Yasin Seiwasser, inzwischen ein sehr guter Freund von mir, für mein Team gewinnen können Ich habe zusätzlich zu meinem normalen Training jeden Tag eineinhalb Stunden Atemtraining absolviert. Mit extremer Disziplin und viel Geduld habe ich es dann geschafft, kurz vor den Olympischen Spielen alles in den Griff zu bekommen.

SPORT1: Wie haben sich die Corona-Folgen auf ihr Training ausgewirkt?

Stäbler: Gerade meine Lungen- und Bronchienkapazität war stark beeinträchtigt. Ich war nicht mehr belastbar, mir hat es sofort den Brustkorb zugeschnürt. Ich hatte nur einen leichten Corona-Verlauf, wie eine leichte Grippe mit Halsschmerzen und etwas Fieber. Ich lag einige Tage flach, aber fühlte mich danach ziemlich gut, wie Joshua Kimmich glaube ich auch. Aber bei der kleinsten Belastung kam der Mann mit dem Hammer von hinten und hat mir eine übergezogen. So hat sich das angefühlt. Da ging dann gar nichts mehr. Ich musste mich über viele Wochen herantasten. Irgendwann dachte ich ‚Ich fühle mich super‘ und bin wieder harte Belastungen gefahren. Ein bis zwei Tage danach war ich wieder voll im Eimer und lag drei Tage mehr oder weniger flach.

„Wirklich verrückt, dachte ich mir“

SPORT1: Wie kann man sich das Training mit einem Atemtrainer vorstellen?

Stäbler: Zu Anfang habe ich erstmal gelernt, wie man wieder richtig atmet. Ich glaube, 90 Prozent der Leute haben verlernt, richtig zu atmen. Wichtig waren langsame, volle Atemzüge. Die ganze Kapazität aus dem Bauch und dem Zwerchfell heraus zu nutzen. Das habe ich als dreifacher Weltmeister nicht annähernd beherrscht und erstmal ein paar Wochen gebraucht. Dann haben wir Belastungsatmung trainiert, viel Power-Atmung, zum Beispiel pro Minute 180 Atemzüge nacheinander. Wir haben sehr viel mit Sauerstoff-Fasten gearbeitet. Das bedeutet, ich habe die Luft angehalten und den Prozess, der in meinem Körper ausgelöst wurde, beobachtet. Dabei wird Stickstoff projiziert, das hat große Auswirkungen auf die roten Blutkörperchen. So wird der ganze Prozess angeregt.

Wirklich verrückt, dachte ich mir. Ich stand dem anfangs skeptisch gegenüber, aber nach drei Wochen habe ich gute Resultate erzielt. Da haben sich all meine Sportwissenschaftler, Ernährungswissenschaftler und Coaches gewundert, wie das möglich ist ohne Medikamente oder Asthma-Spray, das ich damals nicht wollte. Ich bin der lebende Beweis, dass es auch so geht, ohne Medikamente.

Joshua Kimmich ist nach seiner Corona-Infektion zurück im Mannschaftstraining
Joshua Kimmich ist nach seiner Corona-Infektion zurück im Mannschaftstraining

SPORT1: Hatten Sie zwischendurch Angst, die Olympischen Spiele zu verpassen?

Stäbler: Ja, selbstverständlich. Mir wurde es von allen so prophezeit, dass ich mich von diesem Traum verabschieden kann. Dieser Gedanke war ein täglicher Begleiter. Das war dann auch schwer für den Kopf, aber an jedem Tag, an dem es besser wurde, habe ich die Hoffnung zurückbekommen.

SPORT1: Spüren Sie jetzt, ein Jahr später, noch Folgen der Infektion?

Stäbler: Nein, ich würde behaupten, ich bin komplett drüber hinweg. Ich war dann auch in der Lage, in Tokio das ‚Wunder‘ zu vollbringen und mit Höchstleistung zu performen. Deswegen habe ich jetzt keine Einschränkungen mehr.

SPORT1: Ohne den genauen Verlauf von Kimmich zu kennen - würden Sie ihm raten, seine Reha ähnlich zu gestalten? Also mit Bedacht, nicht zu früh loslegen und mit Atemübungen?

Stäbler: Absolut. Ich würde mich sogar bereit erklären, ihm dabei zu helfen, Tipps mit meinen Erfahrungen zu geben, weil ich das lebende Beispiel bin. Ich habe es in der Praxis mit wissenschaftlicher Begleitung geschafft, mit dieser schlechten Ausgangssituation innerhalb kürzester Zeit wieder absolute Weltklasseleistung zu bringen. Das habe ich nur erreicht, weil ich diesen Weg konsequent gegangen bin, mich mit dem Thema Atmung und Lunge extrem befasst habe. Um nach dieser, noch in vielen Bereichen rätselhaften Krankheit an die Weltspitze zurückzukehren, muss er dafür etwas tun, was er noch nie getan hat. Wenn Joshua Unterstützung benötigt, würde ich mit meinem Atemtrainer vorbeikommen und ihm die ein oder andere Atemübung zeigen. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

„Ich hatte zu Beginn die gleichen Bedenken“

SPORT1: Konnten Sie damals Kimmichs Standpunkt bezüglich fehlender Langzeitstudien nachvollziehen?

Stäbler: Ich hatte zu Beginn die gleichen Bedenken. Man muss aber abwägen: Ist die Impfung das größere Risiko oder die Erkrankung? Das ist eindeutig, dass die Infektion viel schlimmere Folgen hat. Wie gesagt, die komplette deutsche Olympiamannschaft hat sich dem auch unterziehen müssen, vor dem Höhepunkt ihrer Karriere.

Joshua Kimmich ist nach seiner Corona-Infektion zurück aus der Quarantäne. Auf dem Platz kann er aber dennoch nicht so schnell wieder stehen.
00:42
Kimmich mit Lungenproblemen

SPORT1: Sind Sie also für eine Impfpflicht für Profisportler?

Stäbler: Ja, ich bin insgesamt für eine Impfpflicht, nicht nur für Sportler. Ich glaube, nur so kriegen wir unsere Normalität zurück und schützen unsere Liebsten. Was noch hinzukommt: Mit einer Impfpflicht erhalten viele Leute, die sich bislang nicht impfen ließen, ihren Standpunkt seit Monaten bei Freunden und der Familie verteidigen mussten, insgeheim aber dazu bereit wären, sie dann aber ihr Gesicht verlieren würden, nun ein passendes Argument: Ich muss mich ja jetzt impfen lassen.

SPORT1: Hat Sie Kimmichs Reaktion, die der FC Bayern verbreitet hat, verwundert? Da hieß es, dass es ihm sehr gut geht, er dieses Jahr aber nicht mehr spielen kann.

Stäbler: Das finde ich etwas fragwürdig. Wenn es einem gut geht und man fast nichts hat, stehe ich nach einigen Tagen wieder auf dem Platz. Wenn ein Sportler so lange pausieren muss, wird es wohl schlimmer sein als gedacht.

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SPORT1: Könnte Kimmich nach seiner Infektion als Vorbild fungieren? Als jemand, der sich nicht hat impfen lassen, nun an den Folgen des Infekts leidet - und es in aller Öffentlichkeit bereut?

Stäbler: Zu 100 Prozent. Ich bin damals den gleichen Weg gegangen. Nachdem ich die Erfahrung selbst gemacht und die Auswirkungen zu spüren bekommen habe, habe ich mich erstmal entschuldigt, da ich die Krankheit falsch eingeschätzt habe. Deswegen wollte ich später als Vorbild voran gehen und habe dafür appelliert, sich impfen zu lassen und sich selbst und seine Familie und Freunde zu schützen. Das ist der einzig logische Weg auch in Joshua Kimmichs Situation.

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