Hallo Fußball-Freunde,
"Titan Kahn ist Vergangenheit" - Stefan Effenberg in SPORT1-Kolumne über FC Bayern, Oliver Kahn, Playoff-Modus
Effenberg: Titan Kahn ist Vergangenheit
der FC Bayern ist Deutscher Meister, herzlichen Glückwunsch.
Klar, ein bisschen verfrüht ist das noch, die Dortmunder kriegen es aber auf Strecke nicht hin, einen guten Fußball zu spielen. Offensiv sind sie gut aufgestellt, in der Defensive haben sie aber Probleme.
Sie können nicht immer hoffen, dass Erling Haaland zwei Tore schießt. Defensiv sind sie einfach nicht stabil. Das ist auch eine Kopfsache und nicht nur eine Qualitätsfrage. Wobei auch eine Kopfsache eine Qualitätsfrage ist. Da sieht man, dass sie nicht gut genug sind. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)
Bayern-Vorsprung spricht klare Sprache
Neun Punkte Vorsprung nach der Hinrunde sprechen für den deutschen Rekordmeister einer klare Sprache. (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)
Die zehnte Meisterschaft in Folge macht die Dominanz deutlich: Wenn sich Thomas Müller, Robert Lewandowski und Manuel Neuer gleichzeitig verabschieden, dann wäre die Möglichkeit da, Bayern München zu schlagen. Vorher wird es schwer.
Der Hauptgrund dafür: Sie haben die beste Achse. Sie haben Neuer im Tor und konnten mit Leon Goretzka und Joshua Kimmich auf der Sechs verlängern. Du hast Müller und Lewandowski, eine bessere Achse gibt es nicht. Und die hat Dortmund nicht. Der BVB hofft immer auf die starke Offensive, die er hat. Die Meisterschaft gewinnst du aber auch mit einer guten Defensive.
HSV müsste eigentlich größter Bayern-Konkurrent sein
Der FC Bayern hat die Möglichkeit, die wichtigen Spieler zu halten. Die anderen Vereine, die im Schatten laufen, haben die Möglichkeit nicht. Christopher Nkunku wird Leipzig verlassen, Haaland Dortmund.
Der einzige große Konkurrent müsste eigentlich der HSV sein. Mit dem Stadion, dem Umfeld und den Möglichkeiten. Aber der spielt nicht nur sprichwörtlich in einer anderen Liga.
Wegen der Dominanz ist ein anderer Modus eine Überlegung wert: Der Playoff-Modus hätte einen Pokal-Charakter. Bayern ist in diesem und im letzten Jahr im Pokal ausgeschieden.
Man könnte die Liga auf 20 Teams aufstocken, und dann kommen die beispielsweise die besten sechs in die K.o.-Runde rein und spielen die Deutsche Meisterschaft aus. Davor kannst du Bayern nicht von der Spitze vertreiben.
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Der Titan ist Vergangenheit
Nach der Hinrunde ist auch Zeit für ein erstes Zwischenzeugnis für Julian Nagelsmann als Bayern-Coach.
Er ist im Pokal ausgeschieden, die Meisterschaft haben sie. Entscheidend wird das Abschneiden in der Champions League. Scheiden die Bayern im Achtelfinale oder Viertelfinale aus, dann ist es keine erfolgreiche Saison. Die entscheidende Phase kommt also erst. Er hat alles sehr gut moderiert, als Trainer wirst du aber sportlich beurteilt.
Meine Einschätzung: Bayern kommt ins Finale. Und wenn sie das tun, dann gewinnen sie das auch. Diskutiert wird in diesen Wochen auch über die Rolle von Oliver Kahn als Vorstandsvorsitzenden des FC Bayern. Ist er zu leise? (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)
Ich hoffe, dass es sich noch ein Stück weit verändert. Eines ist aber klar: Der Titan Kahn ist Vergangenheit.
Oliver ist neu in seiner Rolle und man muss ihm Zeit geben. Man kann nicht das verlangen, wie er früher nach einer Niederlage war. Da sind wir früher alle in Deckung gegangen - außer mir.
Bis bald
Euer Stefan Effenberg
Stefan Effenberg hat 2001 mit dem FC Bayern die Champions League gewonnen. Mit den Bayern und Borussia Mönchengladbach wurde er zudem mehrmals Deutscher Meister und Pokalsieger. Seit Sommer 2018 gehört der 53-Jährige zum festen Experten-Team des STAHLWERK Doppelpass.