Hallo Fußball-Freunde,
Bundesliga: Effenberg über FC Bayern, Playoffs - SPORT1-Kolumne
Effenberg: „Wenn man Bayern pikst...“
zunächst muss ich ehrlich sein: Getippt habe ich nicht auf einen Bochumer Sieg.
Man muss sagen, dass der 4:2-Sieg des VfL Bochum gegen den FC Bayern verdient war – auch in der Höhe. Die Bochumer haben alles richtig gemacht. Sie machen es derzeit ohnehin sehr gut und funktionieren im Kollektiv. Ich glaube, dass der Sieg gegen Bayern München die Mannschaft bis zum Saisonende tragen wird. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)
Diese Pleite darf einem Top-Team wie Bayern München aber trotzdem nicht passieren. Man kann mal ausrutschten, diese Deutlichkeit sollte aber zu denken geben. Ich habe jetzt auch Zweifel mit Blick auf Salzburg in der Königsklasse.
Die Spannung und die Anspannung haben gefehlt. Sie waren schon beim Abschlusstraining nicht da, wie Julian Nagelsmann sagte. Da musst du eigentlich schon im Tunnel sein. Mit 90 Prozent schlagen sie Bochum normalerweise, aber wenn du nur an 70 Prozent kommst, dann reicht das nicht.
Wenn man die Bayern pikst, dann werden sie antworten
Vier Tore gegen einen Aufsteiger sind schon heftig. Du kannst die Münchner schnell und einfach aushebeln. Das ist die Philosophie, die Nagelsmann an den Tag legt, sie ist extrem offensiv. Das ist mit Risiko verbunden. Und wenn du schon gegen Bochum ausgehebelt wirst, dann mache ich mir schon Sorgen um die Champions League.
Die Einstellung ist auch ein Thema. Die einzige Gelbe Karte bekamen die Bayern in der 90. Minute, dann stimmt die Einstellung nicht. Das gehört zur Aggressivität, du musst den Kampf in Bochum annehmen. So etwas darfst du dir einfach nicht erlauben, wenn du dieses Trikot trägst.
Allerdings: Der deutsche Rekordmeister ist bekannt für seine klaren Antworten auf Rückschläge. Wenn Bayern eines nicht mag, dann Hohn und Spott. Das werden sie kriegen und dann darauf reagieren. Wenn man die Bayern pikst, dann werden sie antworten. Da mache ich mir keine so großen Sorgen.
Es war ein Rückschlag für den FC Bayern, doch auf dem Weg zur zehnten Meisterschaft in Folge können sich die Bayern trotzdem nur selbst schlagen. Genau wegen dieser Dominanz wurde zuletzt von der Liga-Chefin Donata Hopfen eine Reform ins Spiel gebracht, welche Playoffs in der Bundesliga vorsehen könnte. (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)
2025 wird die Bundesliga wieder spannender
Reformen kannte ich auch schon als Spieler: 2001 wurde in der Champions League mal eine Reform mit zweiter Zwischenrunde gespielt. Wir fanden das natürlich nicht gut, mussten das als Spieler aber annehmen. Wir wurden dann Champions-League-Sieger, was aber nichts mit dem System zu tun hatte. Ein Jahr später wurde es wieder geändert.
Zu der Idee von Playoffs in der Bundesliga sage ich: Diskutieren sollte man das auf jeden Fall.
Ich glaube aber, dass die Bundesliga ohnehin wieder spannender wird, wenn Robert Lewandowski, Thomas Müller und Manuel Neuer nicht mehr das Trikot des FC Bayern tragen werden. Ab 2025 können wir uns also wohl darüber freuen, dass die Bundesliga wieder spannender wird. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)
Spannend ist auch, dass Oliver Kahn eine Redebereitschaft gegenüber den Playoffs signalisiert hat. Er müsste eigentlich total dagegen sein, Uli Hoeneß wollte über so etwas nie sprechen. Mit Bayern München kannst du also über die Playoffs reden. Du wirst mit den Münchnern aber nicht über die Verteilung der Fernsehgelder sprechen können. Sie sind der Primus und wollen das daher auch zurecht nicht.
Ich glaube auch gar nicht, dass eine andere Verteilung der Fernsehgelder dazu führt, dass die Bundesliga auf jeden Fall spannender wird. Hertha BSC ist ein gutes Beispiel. Sie haben viel Geld ausgegeben und spielen gegen den Abstieg. Mit den vielen Geldern hat man gedacht, dass es ein Selbstläufer ist. Der Fehler liegt in der Zusammenstellung des Kaders, sie präsentieren sich nicht als Team und spielen einfach einen schlechten Fußball. Sie haben sich ihre Situation selbst zuzuschreiben. Es wird sehr schwierig jetzt. Ich bezweifle, dass die Qualität nun reicht.
PSG ist ein anderes Beispiel, sie haben noch immer nicht die Champions League gewonnen. Es gibt keine Garantie. Beziehungsweise gibt es nur eine Garantie, wenn du über Jahre hinweg kontinuierlich arbeitest. Das hat Hertha nicht und Bayern schon.
Bis bald,
Euer Stefan Effenberg.
Stefan Effenberg hat 2001 mit dem FC Bayern die Champions League gewonnen. Mit den Bayern und Borussia Mönchengladbach wurde er zudem mehrmals Deutscher Meister und Pokalsieger. Seit Sommer 2018 gehört der 53-Jährige zum festen Experten-Team des STAHLWERK Doppelpass.