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Bundesliga, Eintracht Frankfurt: Wie viel Fredi Bobic steckt noch im Klub?

Wieviel Bobic steckt noch in Frankfurt?

Fredi Bobic hat die Geschicke bei Eintracht Frankfurt fünf Jahre lang geprägt. Im Sommer wechselte der Sportvorstand zu Hertha BSC. Doch Spuren seines Tuns sind weiterhin vorhanden.
Fredi Bobic (hier mit Filip Kostic) verließ die Eintracht im vergangenen Sommer
Fredi Bobic (hier mit Filip Kostic) verließ die Eintracht im vergangenen Sommer
© Imago
Fredi Bobic hat die Geschicke bei Eintracht Frankfurt fünf Jahre lang geprägt. Im Sommer wechselte der Sportvorstand zu Hertha BSC. Doch Spuren seines Tuns sind weiterhin vorhanden.

Als Fredi Bobic 2016 als Sportvorstand bei Eintracht Frankfurt angeheuert hat, war die Skepsis im Umfeld noch groß. Der Europameister konnte in seinen fünf Jahren bei den Hessen zwar nicht alle Fan-Herzen erobern.

Doch seine Arbeit hat den Klub auf ein neues Level gehoben. DFB-Pokal-Finale 2017, Pokalsieg 2018, Europa-League-Halbfinale 2019, dreimal kämpfte der Traditionsklub um den Einzug in die Champions League. Zur Erinnerung: Bobic hatte den Klub in einer Situation übernommen, als dieser erst in der Relegation gegen Nürnberg die Klasse gehalten hat. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Nach fünf äußerst erfolgreichen Jahren folgte der Schritt zu Hertha BSC. Markus Krösche kam dafür von RB Leipzig an den Main. Der neue Mann am Ruder hat schon einige Sachen verändern können. SPORT1 schaut genauer hin, wie viel Bobic überhaupt noch im Klub steckt.

Kein radikaler Umbruch im Eintracht-Kader

Krösche kündigte bereits bei seiner Ankunft im vergangenen Sommer an: „Ein großer Umbruch ist nicht geplant. Den wollen wir nicht haben.“ Und tatsächlich hat der Kader noch viele Spieler, die unter Bobic kamen. Die Stammspieler Kevin Trapp, Evan N‘Dicka, Tuta, Martin Hinteregger, Sebastian Rode, Djibril Sow, Daichi Kamada und Filip Kostic wurden allesamt von ihm geholt. Sie bilden auch in dieser Saison das Gerüst der Hessen. (Droht wegen Kapitänsbinde Ärger bei der Eintracht?)

Die größten Veränderungen nahm Krösche in der Offensive vor. Jesper Lindström und Rafael Borré überzeugten bislang, Kristijan Jakic ließ vor allem in der Hinrunde seine Qualitäten aufblitzen. Jens-Petter Hauge sucht wie Winterzugang Ansgar Knauff noch seine Rolle, Sam Lammers floppte. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Die Abgänge von 28-Tore-Mann André Silva und Kreativspieler Amin Younes konnten so nicht vollumfänglich kompensiert werden. Krösche wird dem Kader mit Blick auf die Saison 2022/23 ein neues Gesicht verpassen, sechs Transfers gelten bereits als fix (Randal Kolo Muani, Marcel Wenig, Aurelio Buta, Jerome Onguene, Harvoje Smolcic, Faride Alidou). Aktuell jedenfalls stehen noch viele Bobic-Transfers auf dem Feld.

Ein anderer Trainer steht am Seitenrand

Mit Bobic verließ auch Trainer Adi Hütter die Eintracht. Der Österreicher wechselte zu Borussia Mönchengladbach, die Frankfurter verspielten nach Bekanntgabe die beinahe schon sichere Champions-League-Qualifikation.

Trotz drei insgesamt sehr guter Jahre bei den Hessen waren die Fans nach diversen Aussagen am Ende sauer (“Schönes, tolles Stadion in Gladbach, gleich schön wie das Frankfurter Stadion. Die Farben verändern sich, der Verein verändert sich“).

Oliver Glasner wurde mit offenen Armen vom Umfeld empfangen. Er hatte den VfL Wolfsburg in die Königsklasse geführt und seinen Wechsel erst nach dem Ende der Spielzeit verkündet.

Glasner überzeugt als Fußball-Fachmann. Noch ist sein Spielstil zwar nicht vollumfänglich durchgedrungen. Doch Bundesliga-Tabellenmittelfeld und Erreichen des Europa-League-Achtelfinales gegen Real Betis Sevilla sind zufriedenstellend.

Das Team hinter dem Team hat sich (fast vollständig) verändert

Vertraute kommen – und Vertraute gehen. Bobic hat Sebastian Zelichowski (Technischer Direktor), Thomas Westphal (Team-Manager), Matthias Borst (Spielkonzeption) und Gabor Ruhr (Spielanalyst) allesamt nach Berlin mitgenommen.

Zudem hat Sportdirektor Bruno Hübner seinen Vertrag nach insgesamt zehn Jahren bei der Eintracht nicht mehr verlängert.

Krösche setzt ebenfalls auf Mitarbeiter, die er kannte. Timmo Hardung kam mit ihm aus Leipzig und ist Leiter der Lizenzspielerabteilung. Ole Siegel wurde persönlicher Referent von Krösche, sie waren zusammen beim SC Paderborn tätig. Mit Niklas Lanwehr wechselte ein Videoanalyst von Arminia Bielefeld zu den Hessen. Da war zu diesem Zeitpunkt schon Ben Manga.

Als das Aus von Hütter, Hübner und Bobic bekannt wurde und den Klub in eine Krise stürzte, verlängerte der damalige Chefscout – umjubelt vom gesamten Umfeld - seinen Vertrag bis 2026 und wurde zum Direktor Profifußball befördert.

Der Scouting-Guru war mit seinem gesamten Team ein Garant für fünf erfolgreiche Eintracht-Jahre. Die Verantwortlichen taten daher in einem schwierigen Frühjahr alles dafür, Manga - unabhängig von der Besetzung des Sportvorstandes - von einem Verbleib zu überzeugen und langfristig zu binden.

Neue Ausrichtung unter Krösche

Bobic hatte bei der Eintracht ein neues Denken implementiert. Der damalige Frankfurter Sportvorstand hatte eine klare Marschrichtung, betonte etwa im STAHLWERK Doppelpass bei SPORT1 im März 2019: „Wir sind ein gehobener Ausbildungsverein.“ In einem kicker-Interview legte er nach: „Wir werden immer eine Fabrik für die großen Vereine sein.“

Die Büffelherde hatte zu diesem Zeitpunkt ihren Höhepunkt. Wenige Monate später waren Sébastien Haller, Luka Jovic und Ante Rebic weg, brachten über 100 Millionen Euro ein. Dafür kam mit André Silva ein neuer Superstürmer, der wiederum rund 25 Millionen Euro in die Kasse spülte. Die Methode Bobic war ein Erfolgsmodell.

Markus Krösche betonte zuletzt im kicker: „Vorweg ist mir eines wichtig: Eintracht Frankfurt ist kein Ausbildungsverein! Unsere Idee ist es aber, Spieler mit Potenzial zu verpflichten, die wir dann in den unterschiedlichen Bereichen weiterentwickeln, um unsere Ziele als Verein zu erreichen.“

Doch auch der Bobic-Nachfolger weiß um die Grenzen: „Wenn dann die Entwicklung eines Spielers schneller voranschreitet als die von Eintracht Frankfurt, ist es normal, dass es zu einer Veränderung kommen kann.“

Aber die Kommunikation nach außen ist eine differenzierte. Krösche Selbstverständnis geht in eine andere Richtung, er positioniert den Verein offensiver. Wenn Manchester City, Real Madrid oder Juventus Turin anklopfen? In Ordnung! Doch die Spieler werden nicht explizit dafür von der Eintracht ausgebildet.

Jugendarbeit nimmt an Fahrt auf

Unter Bobic wurde in der Jugendarbeit viel probiert, doch kaum etwas hat gegriffen. Mit Marco Pezzaiuoli hatte Bobic einen Technischen Direktor, der die dafür nötigen Qualifikationen in der Theorie hatte.

Doch in der Praxis ließ sich kaum etwas umsetzen, weil die internen Vorbehalte Pezzaiuoli gegenüber SPORT1-Informationen zufolge im Jugend-Leistungszentrum zu groß waren. Der inzwischen nach Indien abgewanderte Pezzaiuoli wurde durch Andreas Möller ersetzt.

Der Ex-Profi sah sich massiven Anfeindungen der Anhängerschaft ausgesetzt. Bobic konterte: „Wer gegen Möller ist, ist auch gegen mich.“ Die Zweifel an Möller klangen nie ab, seine Mission endet im Juni.

In diesem Bereich konnte Krösche sein Ausrufezeichen setzen! Ihm gelang die Wiedereinführung einer zweiten Mannschaft, die 2022/23 in der Hessenliga startet. Mit Alexander Richter wurde ein Talente-Förderer, der unter anderem Leon Goretzka oder Ilkay Gündogan unter seinen Fittichen hatte, aus Bochum an den Main gelockt.

Er soll die Jugendarbeit ankurbeln. Der letzte Nachwuchskicker, der den Sprung zu den Eintracht-Profis geschafft hat, war 2016 Aymen Barkok – und der verlässt den Klub im Sommer ablösefrei nach Mainz. Ein Armutszeugnis für die Frankfurter.

Transferpolitik: Proaktiv handeln statt Last-Minute-Transfers

Bobic hat lange Pokerrunden genossen – und sich dabei nicht aus der Ruhe bringen lassen. Am letzten Tag der jeweiligen Transferperiode gab es oftmals spektakuläre Deals. Rebic kam am 31. August 2017, er war später der Schlüssel zum Pokalsieg.

Besonders hektisch ging es am 31. Januar 2019 zu. Der Brasilianer Tuta, Almamy Touré und Martin Hinteregger wurden allesamt nur wenige Stunden vor Toresschluss vorgestellt.

Herausfordernd verlief der 2. September 2019: Ante Rebic und André Silva tauschten die Klubs Eintracht Frankfurt und AC Mailand. Es wurde bis zum späten Abend mit heißer Nadel gestrickt.

Krösche erklärte zuletzt: „Generell ist es unser Ziel, unseren Kader frühzeitig zu komplettieren.“ Der Ex-Leipziger tätigt Transfers im Vorgriff, er will die Hausaufgaben rechtzeitig erledigen. Das Risiko: Hauge war schon da, obwohl Daichi Kamada und Filip Kostic noch nicht transferiert wurden – und blieben. In Coronazeiten stockt der Transfermarkt, Verkäufe sind noch schwieriger zu tätigen.

Diese Strategie setzt unter Druck, vor allem weil die Konkurrenz um die finanziellen Zwänge der Hessen weiß. Aufsichtsratschef Philip Holzer hatte den Verlust in der Corona-Pandemie mit rund 70 Millionen Euro beziffert, das Festgeldkonto der Eintracht ist geschmolzen. Abgänge sind unumgänglich. Daran wird sich Krösche messen lassen müssen.

Fazit

Der Kader? In diesem Bereich ist die Handschrift von Bobic noch deutlich sichtbar. Bei der 0:1-Niederlage in Köln standen acht Profis auf dem Platz, die schon vor dem Sommer 2021 in Frankfurt unter Vertrag standen.

Doch inzwischen wird Krösches Arbeit mehr und mehr sichtbar. Trainer, Mitarbeiter, Jugendarbeit, Transferaktivitäten: Die Idee ist eine andere, der Stil ein neuer. Krösche ist zudem offener und kommunikativer im Umgang mit Journalisten.

Bobic agierte mit Vorliebe hinter geschlossenen Türen, Gespräche in der Öffentlichkeit hatten Seltenheitswert. Doch die Ära war eine große. Krösche will nun seine eigene Erfolgs-Geschichte in Frankfurt zu schreiben.

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