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Bundesliga: Eintracht Frankfurt - das gallische Dorf der Bundesliga

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Bundesliga: Eintracht Frankfurt - das gallische Dorf der Bundesliga

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Das gallische Dorf der Bundesliga

Das gallische Dorf der Bundesliga

Eintracht Frankfurt hat sich im Schatten der Topklubs Schritt für Schritt zu einem Spitzenverein entwickelt. Ein Erfolgsgeheimnis: Der Zusammenhalt, der Erinnerungen an einen Klassiker weckt.
Was für ein Spektakel in Frankfurt! Die Eintracht feiert gegen Hoffenheim den nächsten Sieg. Die Offensive um Randal Kolo Muani wirbelt wieder kräftig.
Christopher Michel
Christopher Michel

Als Oliver Glasner nach dem Sieg in Augsburg auf den bemerkenswerten Fitnesszustand seiner Spieler angesprochen wurde, sagte der Trainer von Eintracht Frankfurt augenzwinkernd: „Bei uns ist Miraculix in der Kabine.“ (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

Miraculix ist in der beliebten Comic-Reihe „Asterix und Obelix“ der Druide des von verschiedenen Feinden umgegebenen gallischen Dorfes. Sein Zaubertrank macht die Gallier unbesiegbar und lässt sie auch gegen die schier unendlichen Legionen der Römer triumphieren. (WM ohne Eintracht-Star? SGE-Chefs reagieren)

Eintracht ist das gallische Dorf der Liga

Die Hessen sind – obwohl die Einwohnerzahl der Mainmetropole knapp 750.000 beträgt - über 2.000 Jahre später das gallische Dorf – sowohl national als auch international. Daran änderte zunächst auch der Pokalsieg 2018 nichts. Ein Ausrufezeichen? Ja, zumal gegen den FC Bayern München! Aber wenn vor der Saison um Platzierungen gewettet wird? (Glasner vor Mainz: „Richtige Herausforderung“)

Die Eintracht zählt, trotz der vierten Europapokalteilnahme in den vergangenen fünf Jahren, nicht bei allen Experten automatisch zu den Top sechs der Bundesliga. Sie gilt eher als Underdog in diesem Rennen gegen Dortmund, Leipzig, Leverkusen oder Wolfsburg. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

In der Europa League wurden die Frankfurter ebenfalls lange Zeit unterschätzt. Als der FC Barcelona die Eintracht zum Rückspiel im Viertelfinale empfing, wurde den Katalanen erst kurz vor Anpfiff bewusst, welche Fan-Wucht auf sie zurollen würde. Wenn die großen Ereignisse anstehen, dann hält der Klub zusammen und tritt die Reise in gewaltiger Menge an. Die Bilder aus dem Camp Nou sind welche für die Ewigkeit, sie befinden sich im „kollektiven Gedächtnis“ des Klubs, wie Eintracht-Vorstandssprecher Axel Hellmann zu sagen pflegt.

Verein rückt in einer schwierigen Zeit zusammen

Dabei gab es vor einigen Jahren durchaus eine Zerreißprobe! In einem der schwierigsten Momente der jüngeren Vereinsgeschichte entstand bei den Frankfurtern etwas ganz Spezielles. Im Frühjahr 2016 zog der damalige Vorstandschef Heribert Bruchhagen die Reißleine und ersetzte in fast aussichtsloser Situation Armin Veh durch Newcomer Niko Kovac. Die Stimmung war am Tiefpunkt, die Atmosphäre im Stadion feindselig.

Bereits seit 2019 spielt Daichi Kamada für Eintracht Frankfurt, doch erst seit dieser Saison entwickelt sich der Japaner immer mehr zum Leader der SGE.
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Eintracht Frankfurt: Daichi Kamada ist der überraschender Leader der SGE

Doch Kovac gelang der Turnaround. „Auf jetzt“ lautete das Motto, mit dem sich die Eintracht in der Relegation gegen den 1. FC Nürnberg rettete. Statt auseinanderzufallen und abzusteigen, rückte die gesamte Region zusammen und kam so noch zum Klassenerhalt.

Der Weg seitdem? Trotz wechselnder Charaktere an der Kommandobrücke beispiellos. Die Krönungen? Pokalerfolg, der Triumph in der Europa League und anschließend der historische Einzug ins Achtelfinale der Champions League.

Auf SPORT1-Nachfrage nannte Glasner einen wichtigen Schlüssel: Die Atmosphäre in der Kabine gallischen Dorfes. „Wenn die Jungs nicht so tolle Charaktere wären, dann könntest du diese Stimmung nicht aufbauen. Du kannst diese gute Stimmung nur haben, wenn sich keiner wichtiger nimmt oder niemandem alles am A.... vorbeigeht“, so der Coach.

Glasner hebt Teamspirit hervor

Bei der Suche nach Neuzugängen wird bei der Eintracht neben der sportlichen Klasse auch auf die Aspekte Charakter und Mentalität geschaut. „Das sind Spieler, die Teamspirit haben und den Mannschaftserfolg ganz oben sehen“, erklärte Glasner. Nicht umsonst blickt ein Teil der Akteure, die Frankfurt verlassen haben, wehmütig zurück. Ob Ex-Trainer Adi Hütter oder der damalige Büffel Luka Jovic: Sie bereuten ihren Abgang aus dem gallischen Dorf im Nachhinein.

Das Kollektiv überzeugt in Frankfurt. Der mit offenen Armen empfangene Neuzugang Randal Kolo Muani schwärmte: „Wir haben keine Grüppchen.“ Dafür sorgen die Stützpfeiler. Mit Kevin Trapp, Kapitän Sebastian Rode, Makoto Hasebe und Timothy Chandler habe man, so Glasner, erfahrene Kräfte, die aus verschiedenen Ländern und Kulturen kommen: „Wir haben Spieler aus vielen Nationen. Sie akzeptieren und respektieren sich. Wir haben einen guten Kern, der die Dinge immer in die Hand nimmt.“

Natürlich wackeln intern in bestimmten Situationen die Wände. Als sich Jesper Lindström und Rafael Borré in einer Trainingseinheit im Sommer etwas härter angingen und ein hitziges Wortgefecht, griff Trapp kurz und knapp mit scharfen Worten ein. Die Streitereien zwischen Schmied Automatix und Fischhändler Verleihnix lassen grüßen.

Dann geht es auch einmal etwas wilder im gesamten Dorf zu, es knallt auch lautstark. Doch sobald Asterix – in diesem Fall Trapp - ein Machtwort spricht, ist schnell wieder Ruhe im Karton. Die Kabine regelt die Angelegenheiten – und wenn dann die heiklen Herausforderungen anstehen, ist im Notfall Miraculix mit seinem Zaubertrank da. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

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8. Juni 1991: Eintracht Frankfurt spielt unentschieden gegen St. Pauli. Das Besondere: Es ist die 602. und damit letzte Partie für Rekordspieler Karl-Heinz "Charly" Körbel.
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