Nicht erst mit seinem Traum-Solo im Champions-League-Rückspiel des AC Mailand in Neapel hat sich Rafael Leao auf die internationale Bühne des Weltfußballs katapultiert. Der Portugiese wurde in der vergangenen Saison zum „Spieler der Saison“ in der Serie A gewählt und trug maßgeblich zum Gewinn des Ligatitels bei.
BVB: Warum Milans Top-Star Rafael Leao einen BVB-Besuch inszenierte
Milan-Star und der „Urlaub in Dortmund“
Wie SPORT1-Chefreporter Patrick Berger und Reporter Oliver Müller im SPORT1-Podcast „Die Dortmund-Woche“ verrieten, wurde der Offensivstar vor rund fünf Jahren auch mit dem BVB in Verbindung gebracht. Wie Müller erklärte, habe die bekannte portugiesische Sportzeitung A Bola damals sogar bereits Vollzug vermeldet, dass Leao in Dortmund einen Fünfjahresvertrag unterzeichnet habe. Doch daran sollte nicht allzu viel dran sein.
„Im August 2018, da tauchte Rafael Leao in Dortmund auf. Er war nicht alleine, sondern hatte seinen Vater und seinen Berater dabei. Dabei erweckte er allerdings nicht den Eindruck, dass der Besuch eine geheime Sache ist. Normalerweise finden solche Vertragsgespräche am Flughafen oder im Hotel statt, Leao präsentierte sich allerdings auf dem Alten Markt in Dortmund – klischeehafter geht es nicht mehr. Er präsentierte sich so offensichtlich, dass jeder mitbekommen konnte: ‚Er ist in Dortmund‘“, erläuterte er.
Leaos „frecher Schachzug“
Wie Müller weiter ausführte, habe der damals 19-Jährige ein Bild in den Sozialen Medien gepostet, auf dem er in Dortmund zu sehen war. Zahlreiche Medien wären daraufhin hellhörig geworden und hätten beim BVB nachgefragt, ob etwas an einer Verpflichtung des damaligen großen Talents von Sporting Lissabon dran sei. „Ein Kollege hatte BVB-Sportdirektor Michael Zorc angerufen, der nur sagte: ‚Wir kennen den Spieler natürlich, mehr ist da aber nicht dran.‘“
Wie Berger und Müller auflösten, habe sich hinter dem Leao-Besuch im Ruhrpott nur eine PR-Maßnahme versteckt. Der Portugiese hatte seinen Vertrag bei Sporting fristlos und einseitig gekündigt, nachdem es beim Lissaboner Klub zu unschönen Szenen gekommen war. Hooligans hatten das Trainingsgelände gestürmt und den Ex-Bundesliga-Spieler Bas Dost gar am Kopf verletzt.
„Der Verein hat der Kündigung widersprochen, wollte für das Talent eine Ablöse haben, sollte er gehen. Leao und seine Berater wollten dann Bewegung in die Sache bringen und sind nach Dortmund gereist, um so zu tun, als würde ein Deal mit dem BVB kurz bevorstehen. Das ist ein ungewöhnlich frecher, aber lustiger Schachzug gewesen“, führte Müller fort.
Leao wollte in Dortmund nur „Urlaub“ machen
Auf Nachfrage der Ruhr Nachrichten bestätigte Leao-Berater Nelson Almeida zwar, dass es keine Verhandlungen mit dem BVB gegeben habe, der damals 19-Jährige hätte lediglich „Urlaub“ in Dortmund gemacht.
Wahrscheinlicher ist, so schilderte Berger, dass Leao durch den öffentlich gemachten Besuch Druck ausüben wollte, um seinen Abgang von Sporting zu forcieren.
Leao wechselte schließlich zum OSC Lille, ehe er nach einer Saison in Frankreich zu Milan weiterzog. Mit den Italienern steht er nun im Halbfinale der Champions League - und trifft auf Stadtrivale Inter.