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FC Bayern: Wieso der Abgang von Alaba bis heute schmerzt

Welcher Abgang Bayern noch schmerzt

David Alaba spielt seit mittlerweile fast zwei Jahren nicht mehr in München, dennoch trauern ihm viele dort noch nach. Nicht nur aus sportlichen Gründen.
Ralf Rangnick ist voll des Lobes über seinen Kapitän David Alaba. Besonders beeindruckt den Nationaltrainer Österreichs die professionelle Einstellung und Haltung des Real Madrid Verteidigers.
David Alaba spielt seit mittlerweile fast zwei Jahren nicht mehr in München, dennoch trauern ihm viele dort noch nach. Nicht nur aus sportlichen Gründen.

13 Jahre im Verein, zweimaliger Triple-Sieger, über 400 Spiele für den FC Bayern, dazu zehn Meistertitel.

Wenn man später auf die Karriere von David Alaba und insbesondere auf dessen Zeit beim deutschen Rekordmeister zurückblicken wird, dürfte der Begriff „Legende“ das eine oder andere Mal fallen. Denn Alaba war nicht nur Teil der erfolgreichsten Zeit in der Geschichte der Bayern – er war ein Gesicht dieser.

Der Wiener kam 2008 als Teenager aus der Jugend der Austria und legte – mit einem kleinen Umweg über eine Leihe zur TSG Hoffenheim – eine Laufbahn bei den Münchnern hin wie kaum einer vor ihm.

FC Bayern: Upamecano noch zu schwankend

Zunächst als Linksverteidiger, später unverzichtbar im Abwehrzentrum – der Kapitän der ÖFB-Elf bestach neben seiner Leistung auch durch Flexibilität. Die endgültige Krönung folgte 2020 mit dem Gewinn des Sextuples unter Hansi Flick.

Doch ein Jahr später folgte der Bruch: Alaba konnte sich mit den Münchnern nicht auf einen neuen Vertrag einigen, was mit einigen Giftpfeilen seitens der Bayern-Bosse einherging.

Unvergessen, wie Uli Hoeneß den Alaba-Berater Pini Zahavi im Doppelpass auf SPORT1 als „geldgierigen Piranha“ beschimpfte. Alaba, der in seiner Abschiedssaison ungewohnte Unsicherheiten zeigte, wechselte schließlich im Sommer 2021 ablösefrei zu Real Madrid und gewann dort ein Jahr später seinen dritten Titel in der Königsklasse.

Sportlich gesehen wirkte die Bayern-Defensive in der vergangenen Spielzeit unter Julian Nagelsmann nicht immer sattelfest. Der als Alaba-Nachfolger verpflichtete Dayot Upamecano zeigte starke Formschwankungen, auch der inzwischen zum BVB gewechselte Niklas Süle konnte nicht an seine Form aus den Jahren vor seinem Kreuzbandriss (Ende 2019) anknüpfen.

Kabinen-Papa Alaba

Mit der Verpflichtung von Matthijs de Ligt im Sommer 2022 konnte Hasan Salihamidzic diese Lücke schließen. Der für 70 Millionen Euro Ablöse (plus Boni) von Juventus Turin geholte Niederländer schlug voll ein und entwickelte sich schnell zum Abwehrchef.

Dennoch fehlt Alaba den Münchnern aktuell mehr denn je, vor allem auf auf menschlicher Ebene. Die aktuelle Krise beim Team von Thomas Tuchel zeigt: In dieser Bayern-Mannschaft stimmt vieles nicht, es gibt zudem kaum noch echte Leader.

Aus dem Umfeld des Rekordmeisters heißt es immer wieder, dass Alaba mit seinem Abgang menschlich eine riesige Lücke hinterlassen habe. Er war eine Art Kabinen-Papa, nahm jeden Spieler mit und hatte für jeden ein offenes Ohr – Stammspieler, Reservist, Physio oder Platzwart.

Ein Beispiel ist Chris Richards, der inzwischen für Crystal Palace in London spielt. Der US-Amerikaner kam 2018 als 18-Jähriger vom FC Dallas an den Bayern-Campus und war wie Alaba Mitglied der Münchner Freikirche Hillsong Church. Richards bezeichnete Alaba später sogar als seinen Mentor. „Ihm war klar, dass ich aus einer komplett anderen Welt komme. Ich musste sozusagen lernen, wie es hier läuft“, sagt der in Alabama geborene Richards in einem Talk auf fcbayern.com.

Alaba stand seinem jungen Kollegen zu Beginn mit Erfahrung und Hilfsbereitschaft zur Seite. Er habe dem Abwehr-Talent seine Nummer gegeben, „damit ich ihn kontaktieren konnte, falls ich mit irgendetwas Hilfe brauchte, selbst für Dinge, die nichts mit Fußball zu tun haben“.

Rangnick schwärmt: „Solche Spieler brauchst du“

Auch der Stimmung in der Bayern-Kabine tat Spaßvogel Alaba gut, bei den Fans war der Österreicher, der bald sein 100. Länderspiel für den ÖFB feiern dürfte, ebenfalls äußerst beliebt.

ÖFB-Coach Ralf Rangnick kann ebenfalls nur Positives von seinem Spielführer berichten. Seiner Meinung nach hätte Alaba jedes Recht, sich wie ein Star zu verhalten. Bei einer Medienrunde, an der auch SPORT1 teilnahm, erzählte der 64-Jährige eine Anekdote von einem Länderspiel in Dänemark vergangenen Sommer. „David war verletzt, es war klar, dass er nicht spielen kann. Er hatte eine Saison mit 70 Pflichtspielen hinter sich, zudem Frau und Familie. Für mich war klar, dass David jetzt nicht noch mit nach Kopenhagen fliegt“, sagte Rangnick.

Am Abend vor dem Abflug nach Kopenhagen hätten Alaba und Rangnick miteinander gesprochen. „Dann sagte er zu mir: ‚Trainer, wollen Sie nicht, dass ich mit dabei bin?‘“ Rangnick habe ihm gesagt, dass in fünf Wochen die Vorbereitung bereits wieder anfange. Doch Alaba habe darauf bestanden, mitzufliegen und beim Spiel wie eine Art Co-Trainer mitgewirkt.

Auch vor dem letzten Lehrgang war der Ex-Bayern-Star verletzt. „Wir haben ausgemacht, dass er gegen Aserbaidschan nicht im Kader ist und wir versuchen, ihn im Notfall für Estland spielbereit zu machen“, schilderte Rangnick. Alaba habe dennoch voll mitgewirkt, zudem mit dem einen oder anderen jungen Spieler Gespräche geführt. „Solche Spieler brauchst du“, schwärmte Rangnick.

Alaba selbst machte nach seinem Bayern-Abschied bei Real direkt dort weiter, wo er bei Bayern aufgehört hatte. Er sammelte in seiner Debüt-Saison die viertmeisten Minuten aller Real-Spieler. Auch abseits des Platzes machte er seinem Ruf alle Ehre, nach dem Viertelfinal-Sieg in der CL gegen PSG wurde sein Klappstuhl-Jubel zum Kult und ließ die Fans ausrasten.

Mit Alaba, der aktuell mit einer Muskelverletzung ausfällt, verloren die Münchner nicht nur einen erstklassigen Abwehrspieler – der Verlust des Menschen Alaba ist mindestens genauso groß.