Gladbach im Krisen-Modus!
Bundesliga: Knall-Gefahr in Gladbach - Das sind die fünf größten Brandherde
Knall-Gefahr in Gladbach
Nur zwei Siege holte die Borussia in den vergangenen zwölf Spielen. Seit dem Wiederaufstieg 2008 stand die Borussia mit 36 Punkten nach 30 Spielen nur zweimal schlechter da.
Nach der 1:2-Pleite bei Abstiegskandidat Stuttgart kehrten einige Fans der Mannschaft den Rücken zu, vereinzelt gab es sogar Rufe gegen Trainer Daniel Farke.
Nach Platz vier, acht und zehn wollte man am Niederrhein eigentlich den Negativtrend stoppen und „eine stabile Saison spielen“. Gemessen an den eigenen Ansprüchen liegt man im Soll. Dennoch ist eine fatale Fehlentwicklung zu erkennen, die für Knall-Gefahr sorgt. Die SPORT1-Analyse!
Fans
Der Frust bei den Anhängern ist groß. Im 15. Auswärtsspiel der Saison kassierte Gladbach die achte Niederlage. Nach der 1:2-Pleite bei Abstiegskandidat Stuttgart kehrten die Anhänger der Mannschaft symbolisch den Rücken zu.
In der Jahrestabelle belegt die Borussia mit 14 Punkten dem drittletzten Platz. Dementsprechend angespannt war auch die Stimmung vor zwei Wochen auf der Mitgliederversammlung im Borussia-Park.
Enttäuscht, gereizt und frustriert waren die meisten Fans, die vor allem das Feuer und die Leidenschaft der Spieler vermissen. Zeigt die Formkurve in den letzten vier Ligaspielen nicht noch leicht nach oben, könnte es beim emotionalen Traditionsklub richtig ungemütlich werden.
Trainer Daniel Farke sorgte als Nachfolger von Adi Hütter zunächst für Euphorie. Die ist mittlerweile verflogen. Sein Punkteschnitt von 1,22 pro Pflichtspiel ist der schlechteste seit Michael Frontzeck vor zwölf Jahren (1,05).
Um die Bilanz seines Vorgängers Hütter, der nach einer enttäuschenden Vorsaison mit 45 Punkten und Platz 10 gehen musste, zu toppen, müsste Farke in den letzten vier Spielen noch mindestens neun Punkte holen – das scheint aktuell aussichtslos! Die Kritik am 46-Jährigen, der Norwich zweimal als Zweitliga-Meister in die Premier League führte, wächst.
Der Vorwurf vieler Fans und Experten: Farke entwickelt die Mannschaft nicht weiter. Seine Idee vom Ballbesitz-Fußball hat das Team nach knapp einem Jahr noch immer nicht verinnerlicht. „Es ist ein Hin-und-her-Geschiebe ohne wirkliche Lösungen“, kritisierte DAZN-Experte Sami Khedira. „Der Gladbacher am Ball ist die ärmste Sau.“
Zudem beschönigt Farke, der auf Pressekonferenzen und in Interviews lange und ausschweifend antwortet, manche Leistungen. Nach der Stuttgart-Pleite und den Unmutsbekundungen der Fans sagte er: „Es gibt aber gar keinen Anlass, sich von dieser Mannschaft abzuwenden, wenn man die Emotionen mal runterkocht. Unsere Einstellung, die Mentalität, der Wille, das Trikot mit der Raute zu verteidigen, da ist gar nichts zu kritisieren.“
Mit solchen Aussagen geht Farke auf Konfrontationskurs zu den Fans und verliert immer mehr Kredit! Ein weiterer Kritikpunkt vieler Anhänger: Farke setzte zuletzt kaum auf junge Talente, ließ Luca Netz anstelle von Ramy Bensebaini (wechselt wohl ablösefrei nach Dortmund) draußen. Was man Farke jedoch zugutehalten muss: Der gebürtige Ostwestfale, der innerhalb der Führungsetage noch Rückendeckung genießt, hat den Job in Gladbach unter schweren Bedingungen übernommen.
Er bleibt sich und seiner Linie - trotz des Gegenwindes - treu und stellte sich als einer der wenigen Trainer in den vergangenen Jahren auf einer Mitgliederversammlung der Kritik der Fans. Dass der Ex-Dortmunder eine Mannschaft, die er auch auf dem Transfermarkt mitgestaltet hat, erfolgreich entwickeln kann, hat er zudem in England gezeigt.
Kader
Die Mannschaft ist unausgewogen zusammengestellt und in der Tiefe fehlt es an Qualität. Ex-Manager Max Eberl (jetzt Leipzig), der über Jahre hinweg einen Top-Job gemacht hat, schmiss vor anderthalb Jahren hin und hinterließ einen Scherbenhaufen. „Wir sind mit elf auslaufenden Verträgen in die Saison gestartet“, sagt Finanz-Boss Stephan Schippers zu SPORT1.
„Wenn die Rücklaufebene dafür Platz 10 ist, würden sich wohl einige Vereine freuen.“ Neben Matthias Ginter (ging nach Freiburg) werden auch Bensebaini und Marcus Thuram ablösefrei gehen. Wie bei Alassane Plea hatte man die Stars trotz einiger Top-Angebote nicht abgegeben und es versäumt, die Verträge zu verlängern. An diesem Missmanagement haben nun Eberl-Nachfolger Roland Virkus und Farke zu knabbern.
Hinzu kommt: Der Mannschaft fehlt, nachdem Breel Embolo nach Monaco verkauft wurde (12 Mio. Euro), ein echter Mittelstürmer - auch wenn Thuram seine Sache in der Spitze gut macht(e).
Führung
In Yann Sommer (Bayern) und Ginter (Freiburg) sind wichtige Sprachrohre gegangen, zudem wird Lars Stindl den Verein im Sommer in Richtung Karlsruhe verlassen. Der Abgang des langjährigen Kapitäns wird nur schwer aufzufangen sein, schließlich hielt der französisch-sprachige Routinier die Truppe auch in schweren Zeiten zusammen. Zur neuen Saison könnte ein Führungsproblem auf die Borussia zukommen.
Sommer-Nachfolger Jonas Omlin und Julian Weigl, der von Benfica Lissabon fest verpflichtet werden soll, sollen in diese Rolle schlüpfen. „Wir wollen eine Achse um Florian Neuhaus, Jonas Omlin, Jonas Hofmann, Christoph Kramer und eventuell Julian Weigl bauen“, so Virkus. Ob das klappt, wird sich erst noch zeigen.
Bosse
Das Präsidium um Rolf Königs (81), Rainer Bonhof (71) und Hans Meyer (80) befindet sich in einem fortgeschrittenen Alter, was von einem mutigen Fan auch auf der Mitgliederversammlung angesprochen wurde. Nach dem Abgang von Max Eberl wird zudem immer mehr klar, dass der Ex-Manager über Jahre hinweg der alleinige Macher war.
Ur-Borusse Roland Virkus, der seit 1990 für Gladbach arbeitet und den Eberl-Job übernahm, fremdelt noch mit seiner neuen Rolle. Der 56 Jahre alte Ex-Nachwuchschef war nicht die erste Wahl, nachdem man es zunächst bei Rouven Schröder und Christoph Spycher versucht hatte. Mittlerweile hat Virkus zwei durchwachsene Transferperioden hinter sich.
Immerhin: Im Sommer-Poker mit den Bayern bewies er Verhandlungsgeschick. Hinzu kommt: Virkus, Kaderplaner Steffen Korell und Trainer Farke sprechen in Transfer-Fragen nicht eine Sprache. Will Virkus verstärkt auf den Nachwuchs setzen, will Farke, der kurzfristigen Erfolg braucht, lieber qualitativ hochwertige Soforthilfen haben.
Finanzen
Gladbach muss den Gürtel künftig enger schnallen. Zum dritten Mal in Folge hat der Klub vom Niederrhein rote Zahlen präsentiert. Der Mega-Verlust für das Jahr 2022 betrug 24,6 Millionen Euro. Im Vorjahr lag der Fehlbetrag noch bei 14,6 Millionen Euro.
„Das muss und wird besser werden“, verspricht Finanz-Boss Stephan Schippers, der auch künftig das Credo verfolgen wird: „Nur das ausgeben, was wir einnehmen.“ Neben der Nicht-Teilnahme am europäischen Geschäft, auf die es auch in der Saison 2023/24 hinauslaufen wird, hat die Entlassung von Ex-Coach Adi Hütter reingehauen.
Die Trennung verursachte Extra-Kosten von rund 5,7 Millionen Euro. Schippers auf SPORT1-Nachfrage deutlich: „Es ist für die Zukunft immer gut, wenn man Trainer nicht kauft.“