So wildert Bayern bei RB
So wildert Bayern bei RB
Mit Konrad Laimer wechselt der vierte Akteur von Leipzig innerhalb der vergangenen zwei Jahre zu Bayern - und Max Eberl könnte folgen. Ist RB Leipzig der neue BVB?
426 Kilometer lang ist die Route vom Leipziger Trainingszentrum an die Säbener Straße.
Auffällig, dass ebenjene Strecke in den vergangenen Jahren häufiger befahren wurde: Dayot Upamecano, Marcel Sabitzer, Julian Nagelsmann, nun Konrad Laimer – und vielleicht auch bald Max Eberl?
Einst war der FC Bayern in Verruf geraten, beim direkten Ligakonkurrenten BVB zu wildern, nun scheint es ihnen der Red-Bull-Klub angetan zu haben. Eine Chronik der vergangenen zwei Jahre im doppelt rot-weißen Verhältnis.
FC Bayern wildert: Nagelsmann als Startschuss
Der Beginn ist der 1. Juli 2021. Zumindest offiziell. Das Engagement des Julian Nagelsmann bei den Roten Bullen in Leipzig fand tags zuvor ein Ende, sein Amtsantritt beim deutschen Rekordmeister sollte folgen. Und mit ihm in dieser Periode gar noch zwei weitere Leistungsträger aus Leipzig.
Mit dem französischen Nationalverteidiger Dayot Upamecano – wichtiger Anker in der Leipziger Abwehr – und dem österreichischen Mittelfeldmotor Marcel Sabitzer – damals gar Kapitän bei den Sachsen – wechselten zwei Säulen des Teams ihren Arbeitgeber. Doch dabei sollte es nicht bleiben.
Bereits zwei Jahre bevor der Transfer mit Konrad Laimer nun offiziell über die Bühne ging, erfolgte ein erstes Vorfühlen seitens der Bayern.
Oliver Mintzlaff, Ex-Geschäftsführer von RB Leipzig und heutiger Red-Bull-Chef, machte im September 2021 das Werben des Konkurrenten öffentlich. „Im Fall Konrad Laimer gab es eine Kontaktaufnahme zwischen dem FC Bayern und dem Spieler, nicht aber zwischen den Bayern und uns“, verriet er in der Sport Bild.
Früher BVB, jetzt RB Leipzig – ein altes Muster
Nun ist es nicht unüblich, dass mit einem neuen Trainer auch neue Philosophien respektive Spieler den Arbeitsplatz wechseln.
Und doch: Dass der FC Bayern dermaßen sein Interesse am Projekt RB Leipzig forcierte, weckte Erinnerungen an ein altes Muster.
Zwischen 2013 und 2017 verpflichtete der Rekordmeister mit Mario Götze, Robert Lewandowski und Mats Hummels drei enorm wichtige Spieler des BVB und wurde für mangelnde Transferfantasie kritisiert. Auch sie waren zentrale Bausteine der Dortmunder Mannschaft. Das gleiche Spiel, diesmal nur mit Leipzig?
„Ich hoffe, dass die Bayern auf andere Ideen kommen und nicht immer unsere Spieler verpflichten“, sagte Ex-Geschäftsführer Mintzlaff am Rande der 0:5-Pleite der Leipziger gegen den FC Liverpool in der Sommervorbereitung 2022 bei Servus TV.
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Steckte bei Bayern dahinter tatsächlich das Konzept „Gegner schwächen“ hinter den Transfers, oder waren passten lediglich die Spielerprofile ins Bild? „Es ist ein Lob für Leipzig. Es zeigt, dass sie viele gute Spieler haben“, meinte FCB-Präsident Herbert Hainer seinerzeit im STAHLWERK Doppelpass auf SPORT1 dazu.
Laimer schon 2022 vor Bayern-Wechsel
Laimer ist nun der nächste gute Spieler, der den Weg nach München antritt.
Nach SPORT1-Informationen reizte ihn schon 2022 das Abenteuer Bayern und eine Zusammenarbeit mit Ex-Trainer Nagelsmann. Er habe in diesem Sommer „viele Gespräche geführt, hier bei RB intern und auch viel mit meiner Familie und meiner Freundin“, sagte Laimer der Bild. „Schlussendlich hat es am Ende nicht funktioniert. Es bringt jetzt auch nichts, da rumzumeckern“, so Laimer.
Auch Bayern-Präsident Hainer machte bereits damals kein Hehl daraus, dass sich Laimer eine Zukunft in München vorstellen könne, noch ohne einen Namen zu nennen. Der Bild sagte er damals: „Es ist halt so, dass viele Spieler zu Bayern München wollen. Und wenn jemand will, dann gucken wir uns das gerne an …“
Und das Transfer-Wirrwarr zog sich. Im Dezember sagte SPORT1-Chefreporter Kerry Hau im Podcast „Die Bayern-Woche“: „Es sieht sehr gut aus, dass er in der nächsten Saison beim FC Bayern spielen wird.“
Laimer, der übrigens analog zu Upamecano und Sabitzer eine Salzburger Vergangenheit hat, unterschrieb den Bayern-Vertrag diversen Medienberichten zufolge bereits im Winter 2023. Auch der Wirbel um das Foto der Vertragsunterschrift ließ darauf schließen, dass es bereits eine Einigung vor Monaten gab.
RB-Geschäftsführer Max Eberl allerdings gab sich noch im März im STAHLWERK Doppelpass auf SPORT1 hoffnungsvoll: „Wenn er (Laimer; Anm. d. Red.) sich entschieden hätte, und er würde das sagen wollen, dann könnte er das tun, aber das ist ja nicht passiert.“
Im Juni nun doch die offizielle Bestätigung, und somit der vierte Transfer Leipzig-München innerhalb der vergangenen zwei Jahre.
Eberl als künftiger Bayern-Sportvorstand?
Folgt in diesem Sommer gar noch ein weiterer? Immerhin halten sich die Gerüchte um eine mögliche Salihamidzic-Nachfolge von Max Eberl als künftiger Sportvorstand hartnäckig.
Zwar erklärte der 49-Jährige vor dem DFB-Pokal-Finale gegen Eintracht Frankfurt (2:0), dass es „keinen Kontakt“, tags zuvor am Rande der Veranstaltung Bild 100, bei der auch SPORT1 vor Ort war, schürte er allerdings noch die Gerüchte.
„Fakt ist, dass ich in München groß geworden bin und Bayern München mein Jugendverein ist. Dass meine Eltern noch in München wohnen, ist die große Beziehung, die ich zu München habe“, erklärte Eberl dort: „Aber es gibt auch den Fakt, dass ich in Leipzig Vertrag habe. Dass ich gerade meine Transferperiode plane.“
Hört sich jedoch so ein klares Dementi an?
Immerhin bestätigte Eberl das Aufrechterhalten des üblichen, „jahrzehntelangen“ Kontakts mit Uli Hoeneß, der nach der Trennung von Kahn und Salihamidzic bei den Bayern wieder eine zentralere Rolle übernimmt. Lockt er Eberl letztlich doch noch zu den Bayern?
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Man wird wohl die 426 Kilometer lange Strecke zwischen den beiden Trainingszentren auch künftig im Blick behalten müssen. Auch wenn der Ex-Trainer der beiden Vereine, Julian Nagelsmann, einst sagte, er werde sich „jetzt nicht einen T6 mieten, um nach München zu fahren und im Schlepptau noch den ein oder anderen guten Spieler von Leipzig dabei zu haben.“