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Transfer-Ansage: "Wenn ich eine Granate habe, werde ich sie zum VfB bringen!"

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Transfer-Ansage: "Wenn ich eine Granate habe, werde ich sie zum VfB bringen!"

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Transfer-Ansage: „Granate“ für den VfB

Fernando Meira führte den VfB Stuttgart einst als Kapitän zur deutschen Meisterschaft. Im exklusiven SPORT1-Interview spricht der Portugiese über sein Ex-Team sowie den Aufstieg von Serhou Guirassy und vergleicht ihn mit Harry Kane.
Der VfB Stuttgart ist mit drei Siegen aus vier Spielen in die neue Saison gestartet und begeistert mit spektakulären Auftritten.
Reinhard Franke
Reinhard Franke

Der VfB Stuttgart war der erste und einzige Klub in Deutschland für Fernando Meira. Der damalige Trainer Armin Veh machte ihn sofort zum Kapitän. Am Ende der Saison 2006/2007 stand für die Schwaben der Gewinn der Deutschen Meisterschaft.

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Sieben Jahre spielte Meira für die Stuttgarter. Im exklusiven SPORT1-Interview spricht der Portugiese über den aktuellen Lauf seines früheren Klubs, Topstürmer Serhou Guirassy und VfB-Trainer Sebastian Hoeneß.

Zudem vergleicht der 45-Jährige Guirassy mit Harry Kane vom FC Bayern.

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SPORT1: Herr Meira, wir treffen uns in Stuttgart für das Interview. Warum sind Sie hier?

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Fernando Meira: Es ist immer wieder schön in Stuttgart. Ich war beim 3:1-Sieg gegen Darmstadt am vergangenen Freitag im Stadion, es war so ein toller Abend. Ich wurde vom Verein eingeladen. Alle Legenden haben sich getroffen. Cacau rief mich an, er ist seit einem Jahr das Aushängeschild der Legendenaktivitäten des Vereins. Leider waren bei dem Treffen unter anderem Timo (Hildebrand, d. Red.) und Marcelo (Bordon, d. Red.) nicht dabei. Ich habe aber andere große Persönlichkeiten des VfB getroffen wie Guido Buchwald oder Frank Verlaat. Es freut mich sehr, dass der VfB auch frühere Spieler interagiert und seine Rolle als Traditionsklub stärkt. Ich werde sicherlich im Laufe der Saison nochmal nach Stuttgart fahren.

SPORT1: Was machen Sie gerade? Sie sind ein begeisterter Padel-Fan…

Meira: Ich arbeite als TV-Experte in Portugal und mache da die Champions League. Zudem arbeite ich seit neun Jahren als FIFA-Berater. Und ja, ich bin ein verrückter Padel-Spieler. Das ist in Portugal, Brasilien, Argentinien und Spanien ganz groß. Ibrahimovic hat jetzt in Schweden auch damit angefangen. Und ich war schon Meister in Portugal. Meine Frau und meine Kinder spielen auch Padel. Ich liebe diese Sportart. Und in Portugal sind alle verrückt danach.

Vom 27. September bis zum 1. Oktober ist Düsseldorf das Zentrum des Padelsports. Die Weltelite trifft sich in der Mehrzweckhalle Castello zu den German Padel Open.
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SPORT1: Lassen Sie uns über den aktuellen VfB sprechen. Der Klub ist Dritter, und so etwas wie die Mannschaft der Stunde. Was sagen Sie dazu?

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Meira: Ich bin überwältig und total froh darüber. Ich bin einfach nur stolz, dass wir aktuell in dieser Verfassung sind. Und ich sage bewusst wir, weil ich den VfB in meinem Herzen trage. Das ist ein großartiger Moment. Am Freitag war der VfB sogar Tabellenführer. Aber man sollte auch vorsichtig sein.

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SPORT1: Warum?

Meira: Es fehlt noch etwas, um oben mitzuspielen. Wir haben keine so starke Bank, der zweite Anzug passt nicht, so sagt man doch. Es fehlen noch Führungsspieler wie Endo oder Mavropanos. Der VfB hat eine sehr junge Mannschaft, aber diese Jungs brauchen noch Zeit, um sich zu entwickeln. Wenn du dauerhaft oben mitspielen willst, brauchst du Erfahrung im Kader. Es gibt für mich zwei verschiedene Gesichter des VfB.

SPORT1: Nämlich welche?

Meira: Den starken VfB mit Serhou Guirassy, aber ohne ihn fehlt uns ein Spieler von seinem Niveau. Das Team ist gerade gut drauf, es ist wirklich eine starke Phase. Doch die Saison ist noch lang und wenn da mal nicht so positive Ergebnisse kommen sollten, dann brauchen wir Führungsspieler wie Endo (Wataru Endo wechselte vor der Saison zum FC Liverpool, d. Red.) oder Mavropanos (Konstantinos Mavropanos wechselte im Sommer zu West Ham United, d. Red.), die leider nicht mehr da sind. Diese Persönlichkeiten fehlen dem VfB, doch jungen Spielern mit Potential wird eine Chance gegeben. Es wird auch mal eine Krise kommen, und da sehe ich keinen erfahrenen Spieler für solche Momente.

SPORT1: Guirassy ist unfassbar stark. In fünf Spielen hat er schon zehn Mal getroffen. Ein neuer Lewandowski in der Liga?

Meira: Halt, immer vorsichtig. Man sollte Guirassy nicht mit Lewandowski vergleichen. Er ist aber in einer unglaublichen Verfassung. Leider wird er nicht lange beim VfB bleiben. Wenn Guirassy bis zum nächsten Sommer in Stuttgart spielt, ist das schon gut. Guirassy hat alles, was eine Nummer 9 braucht. Er hat die Qualität für eine große Mannschaft. Mit seiner Klasse kann Guirassy in Europa für Furore sorgen. In der nächsten Transferperiode im Januar wird es sehr schwer ihn zu halten. Guirassy ist ein Geschenk für die Bundesliga.

SPORT1-Reporter Reinhard Franke traf Fernando Meira (r.) zum Interview
SPORT1-Reporter Reinhard Franke traf Fernando Meira (r.) zum Interview

VfB-Legende sieht Guirassy in der Champions League

SPORT1: Sie arbeiten als Spielerberater, haben hauptsächlich Spieler in Portugal, oder?

Meira: Ja, die meisten Jungs, die ich betreue, kommen aus Portugal und spielen dort. Ich habe einmal Felix Magath einige Spieler zu Shandong Luneng Taishan vermittelt, als er dort Trainer war. Wir haben mit der Agentur aber auch Spieler in Polen und Zypern, doch der Großteil spielt in Portugal. Ich warte in Deutschland auf den richtigen Moment. Wenn ich eine Granate habe, werde ich sie zum VfB bringen. Den Nachfolger von Guirassy. (lacht)

SPORT1: Lothar Matthäus hat unlängst gesagt, dass der FC Bayern besser Guirassy statt Kane hätte holen sollen. Sind Sie auch seiner Meinung?

Meira: Natürlich. Ich will nicht sagen, dass die Bayern-Bosse geschlafen haben, denn Kane ist ein Ausnahmestürmer. Der FC Bayern muss natürlich die besten Spieler nach München holen. Der Klub hat einfach diese Kraft, Topspieler auch zu bekommen. Aber einen Spieler wie Guirassy zu verpassen, ist nicht gut. Kane ist ein großer Spieler mit einem top Gehalt, aber Guirassy hat die Qualität für den FC Bayern. Er kann dort ohne Weiteres spielen. Der Junge wird in der Zukunft auf Champions-League-Niveau locker spielen können.

SPORT1: Ist Guirassy besser als Kane?

Meira: Wir müssen realistisch bleiben. Aber Guirassy ist nicht nur eine klassische Nummer 9, er kann auch zwischen dem Mittelfeld und dem Sturm spielen. Kane ist sehr clever, bewegt sich blitzschnell, kann einen super Pass spielen und hat eine erstklassige Schusstechnik. Guirassy hat andere Fähigkeiten, ist noch schneller und kräftiger. Vielleicht ist er nicht so kreativ wie Kane.

SPORT1: Kann Guirassy den Torrekord von Robert Lewandowski mit 41 Toren aus der Saison 2020/2021 knacken? Was glaubst Sie?

Meira: Für so eine Ausbeute muss vieles zusammenpassen. Wenn wir die aktuellen Tore mit Spielen hochrechnen, kommen wir auf 68 Tore. Ich würde mich sehr für Guirassy und den VfB freuen, sehe es aber als sehr unrealistisch. Aber er hat sicherlich die Qualität, dieses Jahr um die Krone mitzuspielen, wenn er bis zum Sommer beim VfB bleibt.

Hoeneß wie Veh? „Habe ein ähnliches Gefühl“

SPORT1: War die Zeit beim VfB die beste in Ihrer Karriere?

Meira: Keine Frage. Ja. Beim VfB hatte ich meine besten Jahre. Ich habe für diesen Klub immer alles gegeben. Es war eine unglaublich schöne Zeit. In meinem fünften Jahr wurden wir Deutscher Meister. Es gibt so viele schöne Erinnerungen. Ich habe viel gelernt - als Spieler und als Mensch. Auch meine Familie hat sich in den sieben Jahren in Stuttgart sehr wohl gefühlt. Immer, wenn ich wieder herkomme, fühle ich mich zuhause.

SPORT1: Armin Veh ist am Sonntag zu Gast im STAHLWERK Doppelpass. Ihm sind Sie sicher sehr dankbar, oder? Er hat Sie damals zum Kapitän ernannt.

Meira: Man muss nur auf meinen Arm schauen. Beim Namen Armin Veh bekomme ich Gänsehaut. Er hat Ahnung vom Fußball und war für alle Spieler beim VfB so wichtig. Ich hatte bei ihm immer ein gutes Gefühl. Das Verhältnis zur Mannschaft war unglaublich gut und voller Vertrauen. Armin war stets offen und direkt zu uns. Er war nicht nur der Trainer, sondern auch ein Freund für uns. Das ist alles, was du als Fußballer brauchst. Von Armin gab es Nähe, Offenheit und Strenge zugleich, aber in einem guten Verhältnis. Es würde mich freuen, Ihn mal wieder in Stuttgart zu treffen.

SPORT1: Wie sehen Sie es aktuell?

Meira: Ein ähnliches Gefühl habe ich jetzt bei Sebastian Hoeneß. Er hat wie Armin damals eine Idee vom Fußball. Wir waren zudem eine große Familie und das Gefühl füreinander war einfach toll. Nicht nur in der Kabine, sondern es herrschte im ganzen Klub ein harmonisches Miteinander. Jeder war in dem, was er getan hat, wichtig. Der VfB war in der Meistersaison unglaublich stabil, das ist extrem wichtig, um erfolgreich zu sein. Auch jetzt macht der VfB einen stabilen Eindruck.

VfB-Legende schwärmt vom RB-Fußball

SPORT1: Wie sehen Sie die Entwicklung des VfB in den vergangenen Jahren?

Meira: Ich habe keine Entwicklung beim VfB gesehen. Es waren wirklich frustrierende Jahre. Es gab viel Instabilität. Auf und neben dem Platz. Jetzt blüht der Verein wieder auf. Es gibt eine riesige Power in Stuttgart, vor allem dank der Akademie. Die Talente, die nachkommen, haben unglaublich viel Potenzial. Du brauchst natürlich ein Konzept, um solche Jungs im richtigen Moment an die erste Mannschaft heranzuführen und ihnen auch die Chance zu geben dort spielen zu können. Der VfB ist der Klub, bei dem mit die beste Qualität aus dem Unterbau kommt. Du brauchst natürlich diese Qualität bei den Profis, sonst haben die Talente keine Chance. In den zurückliegenden Jahren fehlte es vor allem an Stabilität im Verein. Man muss sich nur das Programm bei Red Bull anschauen.

SPORT1: Können Sie das erklären?

Meira: Na klar. Ich bin verliebt in diese Arbeit, die in Brasilien, in Salzburg und in Leipzig geleistet wird. Da steckt ein System dahinter. Da werden immer junge Spieler gesucht, die entwickelt und dann für gutes Geld verkauft werden. Die Scouts in den Klubs sind top. Da gibt es über Jahre schon eine Idee für die jeweiligen Vereine. Beim VfB gab es in der jüngeren Vergangenheit immer viele Präsidenten, das war nicht gut. Da konnte auch im Vorstand keine Idee reifen. In Stuttgart gibt es eine DNA, die die jungen Spieler inzwischen verinnerlichen. Es gibt viele Spieler, die beim VfB zu gestandenen Profis geworden sind.

Fernando Meira wurde mit dem VfB Stuttgart 2007 Deutscher Meister
Fernando Meira wurde mit dem VfB Stuttgart 2007 Deutscher Meister

SPORT1: Vor der Saison hatte man im Umfeld des VfB Angst vor einem möglichen Ausverkauf, jetzt freuen sich alle.

Meira: Das stimmt. Nach den Abgängen von Endo und Mavropanos sah es nicht danach aus, dass es eine gute Saison werden könnte. Doch wir müssen Geduld haben. Der VfB braucht noch etwas Zeit. Die Saison dauert noch lange. Interessant wird sein, wie man sich in einer Schwäche-Phase zeigt. Bitte nicht gleich träumen. Das ist mein großer Wunsch. Noch fehlt es für die oberen Plätze, wenn die aktuelle Tabelle auch etwas anderes ausdrückt. Der Klassenerhalt muss das Ziel sein. Wenn es mit den jungen Spielern aber gut läuft, dann ist mehr drin. Um oben mitzuspielen, brauchen wir auch etwas Glück. Guirassy darf nur nicht ausfallen. Er ist die Lebensversicherung des VfB. Und: Ich bin verliebt in unseren Trainer. Er ist wirklich gut und passt gerade jetzt zum VfB. Aber wenn du kein Glück hast im Fußball, kannst du auch schnell abstürzen.

Meira glaubt an Europa

SPORT1: Sie haben Sebastian Hoeneß schon angesprochen. Wie wichtig ist er?

Meira: Enorm wichtig. Ich kenne ihn leider nicht persönlich, aber ich sehe einen jungen Trainer, der Klasse und eine gute Ansprache hat. Er trifft offenbar mit seinem Ton die Spieler. Die Stimmung zwischen ihm und dem Team ist top. Hoeneß muss ein super Trainer sein, da bin ich mir sicher.

SPORT1: Wo landet der VfB in dieser Saison?

Meira: Wenn Guirassy im Winter gehalten werden kann und fit bleibt, dann ist Europa für den VfB nicht unrealistisch. Von Guirassy hängt so viel ab.