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FC Bayern: Wie Uli Hoeneß Sepp Maier das Leben rettete

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FC Bayern: Wie Uli Hoeneß Sepp Maier das Leben rettete

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Als Hoeneß Maier das Leben rettete

Im Sommer 1979 verunglückt Bayerns Torwart-Legende Sepp Maier schwer mit dem Auto. Mit einer beherzten Entscheidung rettet Uli Hoeneß dem damals 35-Jährigen das Leben.
Sepp Maier war einst in einen schweren Autounfall verwickelt. Uli Hoeneß kümmerte sich vorbildlich um seinen Teamkollegen - und verhinderte womöglich deutlich Schlimmeres.
Dominik Schätzle
Dominik Schätzle
Reinhard Franke
Reinhard Franke

9. Juni 1979: Es ist der letzte Spieltag der Saison 1978/79, an dem der FC Bayern auswärts beim Hamburger SV mit 2:1 gewinnt. Der HSV feiert dennoch die Meisterschaft - die Bayern landen auf Platz vier.

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Zugleich ist es das letzte Pflichtspiel von Torwart-Legende Sepp Maier. Das weiß der damals 35-Jährige zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht. Denn nur ungefähr einen Monat später beendet ein Autounfall seine Karriere. Unter dramatischen Umständen überlebt Maier das Unglück nur knapp.

Später wird die „Katze von Anzing“, wie Maier in Anlehnung an seinen damaligen Wohnort im Osten Münchens genannt wurde, immer wieder sagen: „Uli Hoeneß hat mir das Leben gerettet.“ Auch bei SPORT1 wählt er im exklusiven Interview zu seinem 80. Geburtstag am 28. Februar diese Worte und ergänzt: „Wenn er nicht blitzschnell reagiert hätte, würden wir dieses Interview nicht führen. Uli war mein Schutzengel.“

1979 gerät Sepp Maier mit seinem Auto in den Gegenverkehr

Doch was war damals passiert?

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Am 14. Juli 1979 war Sepp Maier auf der Rückfahrt eines Testspiels seiner Bayern gegen den SSV Ulm. An einer Münchner Raststätte stiegen die Spieler in ihre Privatautos um, Maier hatte es etwas eilig, da er noch einen Termin wahrnehmen wollte. „Wolkenbruchartig hat‘s da geregnet - und der Scheibenwischer hat das Wasser gar nicht weggebracht, so hat‘s geschüttet“, erinnerte sich Maier 2019 in der NDR-Dokumentation „Sepp Maier. Ein Leben lang Klartext“.

In seinem Mercedes 450 SEL sei er „ein bisschen zu schnell gefahren“, gab er zu. In einer Kurve verlor er wegen Aquaplanings die Kontrolle über den Wagen, rutschte in den Gegenverkehr, wo er erst mit einem anderen Auto zusammenstieß und schließlich gegen einen Baum geschleudert wurde.

Von Maiers Wagen blieb nur ein Wrack übrig. Das Bild von dem Unfallauto ließ Schlimmes über den Gesundheitszustand des Bayern-Keepers erahnen. Maier wurde in die Klinik in Ebersberg eingeliefert. Dort stellten die Ärzte zahlreiche Brüche an Armen und Rippen fest. Doch das Problem an diesem Tag: „Das war am Wochenende. Im Krankenhaus war halt nicht alles besetzt mit Pflegepersonal, der Chefarzt war nicht da“, schilderte Sepp Maier die Situation vor ein paar Jahren im Interview mit SPORT1.

In diesem Mercedes 450 SEL überlebte Torwart-Legende Sepp Maier 1979 einen Autounfall
In diesem Mercedes 450 SEL überlebte Torwart-Legende Sepp Maier 1979 einen Autounfall

Schon nach einigen Stunden bekam Maier an seinem Krankenbett Besuch seines Freundes Uli Hoeneß, der im Frühjahr seine Karriere verletzungsbedingt hatte beenden müssen und seit gerade einmal drei Monaten als jüngster Bundesliga-Manager aller Zeiten die Geschicke beim FC Bayern übernommen hatte. Er erkannte die Situation. „Dann ist der Uli gekommen und hat gesagt: ‚Den Sepp, den nehm‘ ich hier raus und der kommt in eine andere Klinik‘“, so Maier. Dieser habe dann auch dafür unterschrieben, dass der Torwart auf eigene Verantwortung die Klinik verlassen konnte.

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Sepp Maier: „Es war innen drin bei mir so ziemlich alles kaputt“

Im Münchner Klinikum Großhadern checkten die Ärzte ihn erneut durch - und stellten eine viel schwerwiegendere Diagnose: Maier hatte sich auch innere Verletzungen zugezogen, darunter einen Zwerchfellriss. „Es war innen drin bei mir so ziemlich alles kaputt“, kommentierte das Bayern-Idol auf seiner eigenen Webseite. Es hatte sich bereits viel Blut in seinem Bauch gesammelt.

Hätte Uli Hoeneß ihn nicht verlegen lassen und wäre er ein paar Stunden später erst gekommen - er wäre innerlich verblutet. Eine stundenlange Notoperation rettete dem gebürtigen Niederbayer das Leben. „Dafür bin ich Uli ein Leben lang dankbar“, sagt Maier an seinem 80. Geburtstag bei SPORT1.

Auch in den Wochen nach dem Unfall kümmerte sich Uli Hoeneß um das Wohlergehen seines ehemaligen Mitspielers. „Der Uli hat mich jeden Tag besucht und hat mich jeden Tag gefragt, wie es mir geht und sich auch bei den Ärzten erkundigt.“ Anders als etwa der damalige Trainer Pál Csernai, der sich nicht einmal blicken ließ.

Nach bereits fünf Monaten fing Maier wieder mit dem Training an. Angesichts der schwere der Verletzungen und des fortgeschrittenen Fußballer-Alters war es jedoch schwer, wieder den Anschluss zu bekommen. Trainer Csernai setzte zudem nicht unbedingt auf den verdienten Keeper.

Auf Rat von Hoeneß beendete Maier seine Karriere

Außerdem warnte sein Arzt ihn davor, dass bei einem Zusammenprall die Verletzung wieder aufbrechen könnte. Hoeneß machte ihn zudem darauf aufmerksam, dass er eine Spielunfähigkeitsversicherung abgeschlossen hatte – über eine Millionen Mark. „‚Das verdienst du netto nie mehr beim FC Bayern‘“, habe Hoeneß gesagt, erinnert sich Maier in der NDR-Doku. Und so habe der Manager ihm geraten: „‚Du bist jetzt 35. Tu dir das doch nicht an. Quäl dich doch nicht. Wieso?‘“

Sepp Maier (2. v. li.) bekommt 2019 zu seinem 75. Geburtstag Blumen von seinem Weggefährten Uli Hoeneß überreicht
Sepp Maier (2. v. li.) bekommt 2019 zu seinem 75. Geburtstag Blumen von seinem Weggefährten Uli Hoeneß überreicht

So beendete Maier seine unerreichte Laufbahn, in der er nicht nur 473 Bundesliga- und 95 Nationalmannschaftseinsätze sammelte, sondern auch 422 (!) Bundesliga-Partien in Folge bestritt - bis heute Rekord.

Er gewann alle nationalen und internationalen Titel - als Höhepunkte die Europameisterschaft 1972 und die Weltmeisterschaft 1974 im Nationalteam sowie mit den Bayern den Europapokal der Landesmeister von 1974 bis 1976. Dass er seine Karriere nach dem Unfall beendete, bereut er heute nicht. Auf seiner Webseite findet er die versöhnlichen Worte: „Es ist gut, wie es gekommen ist.“