Markus Babbel ist mit dem FC Bayern hart ins Gericht gegangen. Der TV-Experte und langjährige FCB-Profi sieht diverse Baustellen beim deutschen Rekordmeister. Besonders deutlich wurde der Ex-Profi bei den Themen Joshua Kimmich, Talentförderung und Lennart Karl.
"Schlechter als Sané kann er es nicht machen"
Babbel watscht Bayern ab
Kimmich machte Babbel im Interview mit Sport.de unter anderem für eine gewisse defensive Instabilität im Münchner Spiel mitverantwortlich.
„Ich glaube, dass es für den FC Bayern besser wäre, wenn Joshua Kimmich Rechtsverteidiger spielen würde“, sagte der 52-Jährige und erklärte: „Es wäre insgesamt besser, wenn er aus der Mitte nach rechts rücken würde, denn die zentralen Abwehrspieler werden von Kimmich doch sehr, sehr oft allein gelassen, weil Kimmich überall rumturnt, nur nicht da, wo er spielen sollte.“
„Kimmich hat gemeint, er muss wieder alles machen“
Als Kimmich in der Rückrunde der Saison 23/24 wieder rechts hinten spielte, habe Bayern weniger Gegentore bekommen: „Und jetzt hatte er mal wieder eine Phase, wo er gemeint hat, er muss wieder alles machen und dementsprechend kamen die Innenverteidiger in die Bredouille und sahen schlecht aus.“
Unter Trainer Vincent Kompany ist Kimmich im Zentrum gesetzt. Doch die Rolle, die der Routinier in der Nationalmannschaft ausfülle, passe laut Babbel besser: „Auch von da kann er das Spiel machen. Er kann Tore vorbereiten, er kann Angriffe einleiten, er kann sich viel mehr einschalten, als es vielleicht als Sechser gewünscht wäre.“
Eigentlich aber, so erklärte Babbel weiter, müsse es „für die Rechtsverteidiger-Position ohnehin ganz anders laufen.“ Der FC Bayern müsse sich einen passenden Spieler „selbst heranziehen, dafür gibt man doch Millionen in der Jugendakademie aus. Es kann mir keiner erzählen, dass es nicht möglich ist, sich einen rechten Verteidiger selbst zu backen.“
Es sei für ihn ein „Rätsel und nicht nachvollziehbar, dass im ganzen Campus des FC Bayern kein junger Spieler in der Lage sein soll, als rechter oder linker Verteidiger an den Start zu gehen. Ein totales Rätsel.“
„Schlechter als Sané kann er es nicht machen“
Die fehlende Durchlässigkeit von Toptalenten in die erste Mannschaft ist schon länger ein Thema in München. Ausnahmen wie Josip Stanisic reichen Babbel nicht. Dieser sei zumindest auf Dauer „fußballerisch zu schlecht für rechts“.
Der Ex-Profi, der auch für SPORT1 als Experte arbeitet, sieht insbesondere Coach Kompany gefordert: „Die jungen Spieler bekommen aus meiner Sicht zu wenig Chancen beim FC Bayern. Im Moment ist es ja gefühlt so, dass man die Nachwuchsabteilung zusperren kann.“
Gerade Toptalente wie Lennart Karl müssten Möglichkeiten geboten werden: „Man muss ihn halt auch reinschmeißen. Und man muss ihm Vertrauen schenken. Ich hoffe, das ist auch wirklich da. Und ich hoffe, dass Max Eberl und Christoph Freund auch auf den Trainer einreden, dass er den Mut hat, die Talente reinzuschmeißen.“
Gerade in der Offensive könnten sich nach den bevorstehenden Abgängen von Leroy Sané und Thomas Müller personelle Lücken auftun.
Karl sei mit 17 Jahren zwar noch sehr jung, betonte Babbel: „Aber Karl ist ein Spieler, den man jetzt immer wieder reinschmeißt. Und ich sage es mal ganz ehrlich: Schlechter als Leroy Sané kann er es nicht machen.“