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Eine seltene Freundschaft

Eine seltene Freundschaft

Serhou Guirassy beendet seine Durststrecke ohne eigenen Treffer. Selbst sein direkter Konkurrent freut sich mit. Diese Freundschaft ist alles andere als selbstverständlich.
Borussia Dortmunds Trainer Niko Kovac spricht auf der Pressekonferenz vor dem Bundesliga-Spiel gegen Werder Bremen über Serhou Guirassy.
Serhou Guirassy beendet seine Durststrecke ohne eigenen Treffer. Selbst sein direkter Konkurrent freut sich mit. Diese Freundschaft ist alles andere als selbstverständlich.

Die Erleichterung war groß, der Knoten endlich geplatzt. Nach sieben Liga-Spielen ohne eigenen Treffer (zuletzt am 31.10. gegen Augsburg) meldete sich Serhou Guirassy beim 3:0 gegen Werder Bremen zurück.

16 Minuten nach seiner Einwechslung nutzte er einen katastrophalen Fehler in der Werder-Defensive und schob den Ball an Keeper Mio Backhaus vorbei. Beim anschließenden Jubellauf stürmte nahezu die komplette BVB-Mannschaft auf den Stürmer zu. Ein Bild blieb dabei besonders hängen.

Guirassy-Konkurrent Silva freut sich mit

Ganz vorne dabei: Fabio Silva. Der Portugiese war der erste Gratulant. Auch als sich die Jubeltraube längst aufgelöst hatte, lag Silvas Arm noch immer über Guirassys Schulter, er herzte ihn weiter. Eine Szene mit Symbolkraft – denn diese Freundschaft ist keineswegs selbstverständlich. Silva ist schließlich genau jener Spieler, der in dieser Saison erstmals den Vorzug vor Guirassy erhielt und ihn aus der Startelf verdrängte.

„Unsere Stürmer verstehen sich alle sehr gut. Es ist ganz klar. Wir sind eine Mannschaft. Jeder kämpft für sich. Aber als Team wollen wir erfolgreich sein“, erklärte Trainer Niko Kovac bereits vor einer Woche nach dem Trainingslager in Marbella. Auffällig: Schon in Spanien lachten die beiden Konkurrenten viel miteinander, verstehen sich auch abseits des Platzes hervorragend – trotz des offenen Konkurrenzkampfs um einen Platz in der Startelf.

BVB-Neuzugang Fabio Silva kämpft um Spielminuten

Für Silva war die Situation nicht einfach. Nach seinem Wechsel im Sommer ließen die Einsatzminuten auf sich warten. Trotz nahezu immer überzeugender Leistungen setzte Kovac lange auf den im Formloch steckenden Guirassy - eine verzwickte Konstellation.

Denn Silva möchte sich im Hinblick auf die WM mit Einsatzminuten unbedingt für die portugiesische Nationalmannschaft empfehlen. Entsprechend machten im Winter auch Transfergerüchte um den 23-Jährigen die Runde. Sportdirektor Sebastian Kehl schob einem Blitz-Abgang jedoch früh einen Riegel vor: „Fabio wird bleiben. Ich habe gar keine Lust, ihn abzugeben.“

Kovac hat weiterhin die Qual der Wahl

Gegen Bremen durfte Silva erstmals in der Bundesliga als alleinige Spitze von Beginn an ran. Zuvor durfte er lediglich einmal an der Seite von Guirassy starten (1:1 gegen Freiburg). Auch gegen Werder überzeugte er mit einem sehr engagierten Auftritt, kreierte zahlreiche gefährliche Situationen und ließ immer wieder seinen Zug zum Tor aufblitzen.

Mit dieser Leistung ist Silva auch am Samstag gegen St. Pauli (LIVETICKER) wieder ein heißer Kandidat für die Startelf. Doch auch Guirassy dürfte nach seinem Treffer wieder Ansprüche anmelden. Kovac hat die Qual der Wahl. Eines ist dabei sicher: Die Freundschaft wird dieser Kampf um die Pole Position im BVB-Sturm nicht belasten.