Als Michael Olise am Montagnachmittag den Trainingsplatz des FC Bayern an der Säbener Straße betrat, konnte man ihn vor allem daran erkennen, dass er sich mal wieder darum bemühte, nicht erkannt zu werden – wie ein Phantom sah er aus.
Er bleibt ein Rätsel
Das Phantom des FC Bayern
Mit Mütze auf dem Kopf und Halstuch bis über der Nase schützte sich der Franzose vor neugierigen Blicken und der Kälte. Olise strahlt Lockerheit aus und erweckt den Eindruck, ihm sei der Rummel um seine Person herzlich egal.
FC Bayern: Eberl schwärmt von Olise
Dabei hätte der Bayern-Star allen Grund, extrovertierter aufzutreten. Seit er im Sommer 2024 zum FC Bayern wechselte, liefert er regelmäßig Top-Leistungen ab. Schlechte Spiele lassen sich an einer Hand abzählen.
Sportvorstand Max Eberl bezeichnete ihn am Wochenende als „begnadeten Fußballer“ und einen der besten Transfers seiner Funktionärskarriere. Er schätze an Olise, dass dieser die Bereitschaft habe, immer weiter zu lernen.
Ribéry lobt – warnt aber vor Druck
Aus rein sportlicher Perspektive wird der Franzose bereits mit Arjen Robben und Franck Ribéry verglichen. Letzterer sagte jüngst zu SPORT1: „Michael spielt ohne Angst und hat viel Selbstvertrauen. Körperlich und im Kopf ist er gut.“
Doch man solle dem 24-Jährigen nicht zu viel Druck machen. Das dürfte auch deswegen nur wenig sinnvoll sein, weil Olise eben anders tickt als sein berühmter Landsmann.
Gnabry muss ihn erinnern: „Busabfahrt!“
Während Ribéry gleich nach seiner Ankunft in München für jeden Spaß zu haben war und das Bad in der Menge suchte, bleibt Olise zurückhaltend, ja fast unnahbar – und er sorgt regelmäßig für kuriose Momente.
Am Wochenende streunte er nach seiner Galavorstellung gegen RB durch den Kabinentrakt der Leipziger Arena und wirkte dabei recht ziellos. Schließlich musste ihn Serge Gnabry ermahnen: „Michael, in acht Minuten ist Busabfahrt!“ Olise stand zu diesem Zeitpunkt noch ungeduscht in der Mixed Zone. Die Szene ist kein Einzefall.
Was steckt hinter diesem besonderen Charakter? „Michael ist nicht zurückhaltend. Es gibt Momente, wo er klar andere Emotionen zeigt als andere, aber er ist nicht zurückhaltend, sondern sehr kommunikativ“, erklärte Trainer Vincent Kompany am Dienstagnachmittag auf Nachfrage von SPORT1.
Dass die Öffentlichkeit meist den ruhigen Olise erlebe, sei quasi Zufall. Denn, so der Coach: „Seine Persönlichkeit ist eigentlich so, wie er spielt.“ Soll heißen: spektakulär und mitreißend.
Das „Phantom“-Image: Coolness als Plan
Gut möglich aber, dass der Bayern-Star diese Seite seines Charakters bewusst versteckt. Stichwort: Phantom. Vereinsintern wird durchaus wahrgenommen, dass Olise großen Wert darauflegt, in der Öffentlichkeit stets ein Mindestmaß an Coolness an den Tag zu legen. Er gibt sich gerne geheimnisvoll und pflegt seit vielen Monaten dieses Image.
Als den Bayern am Ende der vergangenen Saison die Meisterschale überreicht wurde, hob er die Trophäe nur kurz in die Luft und verzog dabei keine Miene – sehr zum Spaß seiner Mitspieler. Konrad Laimer lachte sich regelrecht kaputt.
Ein weiteres Beispiel für Olises Image-Plan ist ein vor der Saison entstandenes Instagram-Video auf dem Kanal der Bundesliga. Der Franzose wird nach einem Film oder einer Serie gefragt, die er sich für den Rest seines Lebens anschauen könne. Die kühle Antwort: „Ich schaue keine Filme und keine Serien.“
Die Liste der Anekdoten ließe sich noch lange weiterführen. Sie alle zeichnen das Bild eines hochbegabten Fußballers, der sich gegenüber Fans und Medien auch neben dem Platz ein ganz bestimmtes Image aufbauen möchte. Bislang läuft es für Olise perfekt.