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Eine nicht für möglich gehaltene Entwicklung

Guardiola-Schüler überzeugt

Der ehemalige Guardiola-Schüler Jahmai Simpson-Pusey macht mit seinem Auftritt gegen den FC Bayern Lust auf mehr.
Köln-Trainer Lukas Kwasniok äußert sich zum Fan-Banner gegen ihn und zur Stimmung im Verein.
Der ehemalige Guardiola-Schüler Jahmai Simpson-Pusey macht mit seinem Auftritt gegen den FC Bayern Lust auf mehr.

Alle, die es mit dem 1. FC Köln hielten, mussten die Luft anhalten. In der 36. Spielminute spielte Neuzugang Jahmai Simpson-Pusey einen strammen Rückpass auf Torhüter Marvin Schwäbe.

Der Ball hoppelte, rutschte dem FC-Kapitän über den Spann und ging knapp am Pfosten vorbei – eine Szene, die es wohl in jeden Saisonrückblick schaffen wird. „Mir ging das Herz kurz woanders hin“, gestand Schwäbe nach der 1:3-Niederlage gegen den FC Bayern bei Sky.

Dabei sind es genau diese Herzklopf-Szenen, die im Spiel von Simpson-Pusey eigentlich selten vorkommen. Der 20-Jährige beeindruckte in seinen ersten Partien vor allem mit seiner unglaublichen Ruhe am Ball.

1. FC Köln: Simpson-Pusey hilft gegen Bayern als Abwehrchef aus

Schon am Wochenende gegen Heidenheim (2:2) zeigte Simpson-Pusey, dass er der Mannschaft sofort helfen kann. An der Seite von Eric Martel wirkte er stabil und abgeklärt. „Er hat es ganz schnell sehr, sehr gut gemacht. Auf den Jungen können wir uns freuen“, lobte Kapitän Schwäbe nach dem Debüt.

Lukas Kwasniok war sich sicher, dass das „Überraschungs-Ei“ Simpson-Pusey die „richtige Entscheidung“ gewesen sei. Gegen den FC Bayern wurde Simpson-Pusey dann erneut ins eiskalte Wasser geworfen: Aufgrund der Gelbsperre von Martel gab er sogar den Abwehrchef im Zentrum der Dreier-/Fünferkette – ausgerechnet gegen die Rekord-Münchner. Und das, obwohl er erst ein paar Einheiten mit den neuen Kollegen auf dem Platz verbrachte.

Trotz des enormen Drucks beeindruckte er erneut – mit guter Positionierung, konsequentem Zweikampfverhalten und mutigen Aktionen am Ball. Selbst Stars wie Harry Kane oder Michael Olise machten ihn nicht nervös.

„Ich versuche einfach immer ruhig zu spielen. Vor allem im Zentrum ist das wichtig. Wenn ich ruhig am Ball bin, sind es die vor mir auch. Das ist mein Spiel“, erklärte der Neuzugang nach der Partie in der Mixed Zone seinen Spielstil.

1. FC Köln: Verpflichtung von Simpson-Pusey aus der Not geboren

Dass die Verantwortlichen ihn überhaupt verpflichteten, hängt direkt mit den massiven Personalproblemen in der Kölner Abwehr zusammen. Timo Hübers fällt mit einer schweren Knieverletzung noch lange aus, Joel Schmied laboriert an muskulären Problemen, auch Luca Kilian und Dominique Heintz sind verletzt.

Zudem war Rav van den Berg wegen einer roten Karte, die er sich vor Weihnachten einhandelte, gesperrt. Eric Martel fehlte aufgrund seiner fünften Gelben. Insgesamt sechs (!) Innenverteidiger standen somit auf der absurden Ausfallliste des FC.

Viel Zeit zur Eingewöhnung hatte Simpson-Pusey nicht. Vor gerade einmal zehn Tagen gaben die Verantwortlichen die Verpflichtung des jungen Engländers bekannt. Direkt an dem Tag stand er erstmals mit seinen Teamkollegen im Trainingslager im spanischen La Nucia auf dem Platz.

Viele Abläufe und Automatismen musste er sich somit im Spielbetrieb aneignen – und genau das tat er. „Fußballerisch bringt er einiges mit. Auch heute konnte man wieder sehen, dass auf ihn Verlass und er für sein Alter schon extrem weit ist“, lobte Schwäbe nach dem Bayern-Spiel auf SPORT1-Nachfrage.

Guardiola schwärmte schon von ihm

Doch wer ist dieser junge Ruhepol in der Kölner Abwehr? Der 20-Jährige kam auf Leihbasis von Manchester City nach Köln, zunächst bis zum Saisonende. Die FC-Verantwortlichen sicherten sich dabei eine Kaufoption in Höhe von rund acht Millionen Euro, City besitzt aber auch eine Rückkaufoption.

Seit seinem achten Lebensjahr durchlief Simpson-Pusey alle Nachwuchsteams bei Manchester City. Er wurde zweimal U18-Premier-League-Meister, führte seine Jugendteams als Kapitän zu Erfolgen wie dem FA Youth Cup und gewann als erster Verteidiger überhaupt die Player-of-the-Season-Auszeichnung in der Premier League 2.

Außerdem sammelte er in der Saison 2024/25 erste Profierfahrung unter Pep Guardiola – sechs Einsätze in Premier League, FA Cup und Champions League. „Wir haben einen Innenverteidiger, der uns in Zukunft weiterhelfen wird“, so der City-Coach einst über das Juwel.

Das klingt zwar zunächst sehr beeindruckend, doch zur Wahrheit gehört auch, dass City stark von Personalsorgen betroffen war. Eine anschließende Leihe zu Celtic Glasgow brachte nur einen Einsatz – ein Rückschlag, der den Wechsel zum FC überhaupt erst möglich machte. „Der Wechsel nach Köln ist ein Neustart für mich, auf den ich mich sehr freue“, so Simpson-Pusey bei seiner Vorstellung.

Fakt ist: Die Notsituation in der Defensive machte den Wechsel des Youngsters überhaupt notwendig. Die Frage war, ob der gerade einmal erst 20-Jährige dem FC in dieser angespannten Situation weiterhelfen kann. Das Fazit nach den ersten beiden Auftritten im eiskalten Wasser lautet: Klares Ja – ganz nach dem Motto: In der Ruhe liegt die Kraft.