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Holger Badstuber: Ein Traum, den sein Vater nicht mehr erlebte

Badstubers bewegte Karriere

Holger Badstuber gehörte ab 2009 zu den vielversprechendsten Talenten des FC Bayern. Seine Karriere begann jedoch mit einem schweren Schicksalsschlag. In SPORT1 Deep Dive spricht er über eine bewegte Karriere.
Holger Badstuber spricht in der neuen Deep-Dive-Folge über seine Verbindung zu Hermann Gerland.
Holger Badstuber gehörte ab 2009 zu den vielversprechendsten Talenten des FC Bayern. Seine Karriere begann jedoch mit einem schweren Schicksalsschlag. In SPORT1 Deep Dive spricht er über eine bewegte Karriere.

Fünfmal Deutscher Meister, dreimal Pokalsieger und einmal Champions-League-Sieger: Die Karriere von Holger Badstuber beim FC Bayern war gespickt mit glanzvollen Trophäen. Selbst Star-Trainer Pep Guardiola kam während seiner Zeit beim deutschen Rekordmeister nicht mehr aus dem Staunen heraus.

„Hermann, Hermann (Gerland; Anm. d. Red.). Wir haben immer zwei überragende Spieler, Innenverteidiger, in der Saison gehabt. Aber Badstuber ist besser. Er ist der beste Spieler, den ich je hatte“, war auf einer Aufzeichnung bei FCB.tv zu hören, als Badstuber im Juli 2014 nach langer Verletzung erstmals unter dem Spanier trainierte.

Ein unglaubliches Lob, wenn man bedenkt, dass der heutige Trainer von Manchester City damals bereits Weltstars wie Jérome Boateng, Gerard Piqué oder Carles Puyol trainiert hatte. Doch die Karriere von Badstuber begann mit einem schweren Schicksalsschlag und war auch in den folgenden Jahren von langen Leidenszeiten durchzogen.

Badstubers Sprung zum FC Bayern

Im neuen Podcast SPORT1 Deep Dive blickt Badstuber nun auf die Themen rund um seine erfolgreiche, aber auch vom Pech verfolgte Karriere zurück.

Begonnen hatte für den heute 36-jährigen Badstuber alles im ländlichen Ort Rot an der Rot im Landkreis Biberach, wo er erstmals seine Fußballschuhe schnürte. Von dort aus gelang ihm zunächst der Sprung in die Jugend des VfB Stuttgart und 2002 schließlich ins Nachwuchszentrum des FC Bayern.

Dort arbeitete sich Badstuber an der Seite von Ikonen wie Thomas Müller oder Toni Kroos Stück für Stück nach oben und unterschrieb nach zwei Spielzeiten bei den Amateuren am 1. Februar 2009 seinen ersten Profivertrag.

Der Tod von Badstubers Vater als schwerer Schicksalsschlag

Es war ein Weg, auf dem ihn Vater Hermann stets eng begleitete, doch den Durchbruch seines Sohnes sollte er nicht mehr miterleben. Schon im März 2009 starb Hermann Badstuber an den Folgen eines Krebsleidens.

„Natürlich hat es eine Zeit gedauert, aber der Fußball hat mir auch Halt gegeben“, offenbart Badstuber im Gespräch mit SPORT1: „Fußball war prägend bei uns. Ich wusste, dass es für meinen Vater ein Traum war, dass ich es schaffe. Zu der Zeit war es noch nicht der Fall, zuvor hatte er noch meinen ersten Profivertrag mitverhandelt, aber ob ich es schaffe, hat er nicht mehr miterlebt.“

Statt aufzugeben, dachte sich der 20-Jährige damals: „Jetzt erst recht, jetzt den Traum von meinem Vater und meinen natürlich auch zu verwirklichen, das war Ansporn hoch zehn.“

Der Fußball habe Badstuber Struktur gegeben und gelehrt, mit der Situation umzugehen. „Ich habe da im Umkehrschluss eine gewisse Stärke draus gezogen und wollte es jedem beweisen“, schildert der ehemalige Bayern-Star.

Badstubers furiose Debütsaison führt zur WM 2010

Ein Vorhaben, das Badstuber schon in seiner ersten Profisaison gelingen sollte. Im Sommer 2009 gehörte der Verteidiger unter Trainer Louis van Gaal zu den großen Gewinnern und wurde im Alter von 20 Jahren medial bereits als „John Terry des FC Bayern“ bezeichnet.

Nach den Abgängen von Mats Hummels und Lúcio stand Badstuber plötzlich auf einer Stufe mit gestandenen Größen wie Martín Demichelis und Daniel van Buyten. Gleich am ersten Spieltag der Saison war er in der Startelf zu finden und gab diese Position nicht mehr her.

Der Verteidiger lief 49-mal von Beginn an auf, mal links oder im Zentrum - bis zum Finale der Champions League, wo die Bayern Inter Mailand unterlagen (0:2).

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Aufgrund dieser Leistungen spielte sich der Youngster auch direkt in den deutschen WM-Kader 2010 und kam in Südafrika auf zwei weitere Einsätze.

„Das war eine wahnsinnige erste Saison für mich, plus dann noch WM“, blickt Badstuber bei SPORT1 zurück: „Das war schwer zu fassen, weil du abliefern musstest. Du warst im Tunnel, du warst im Fokus. Erst nach der WM habe ich realisiert, was ich in dem Jahr alles geschafft habe, was ich geleistet habe und welchen Stellenwert ich auf einmal habe.“

Badstuver: „Damals war es die Hölle“

Bis Sommer 2017 stand Badstuber beim FC Bayern unter Vertrag, kam in diesen acht Jahren auf insgesamt 177 Pflichtspieleinsätze. Mehrere schwere Verletzungen verhinderten, dass der Abwehrmann eine Weltkarriere starten konnte.

Zwei Kreuzbandrisse, ein Sehnenriss, ein Oberschenkelmuskelriss sowie ein Sprunggelenksbruch bilden nur einen Ausschnitt der Verletzungen aus einer langen Krankenakte des gebürtigen Memmingers, mit denen er vorwiegend ab der Rückrunde 2012/13 zu kämpfen hatte.

„Es kommen immer Umstände hinzu und das sind die Herausforderungen im Leben. Ich sehe das heute mit 36 anders als damals“, erklärt Badstuber und ergänzt: „Damals war es die Hölle. Ich war auf einem sehr guten Weg, war eine feste Größe beim FC Bayern und in der Nationalmannschaft. Ich war auf dem Weg, den nächsten Schritt nach ganz oben zu machen, in meinen jungen Jahren mit 23, wo ich sage: Da will ich hin und da gehöre ich auch hin.“

Doch stattdessen brachten die Verletzungen den 31-maligen Nationalspieler vom Weg ab und stellten ihn vor neue Herausforderungen. „Dann kommst du von einem auf den anderen Tag von einem Mannschaftssport zu einem Einzelsport, du musst da selber durch“, erinnert sich Badstuber.

„Heute sehe ich das als Einschnitt in meinem Leben, der mir sehr viel gebracht hat. ‚Hätte, hätte, Fahrradkette‘, das fragen alle immer, aber ich such dann nach Lösungen und hänge nicht in der Vergangenheit rum“, sagt Badstuber.

Badstuber: „Ich habe bei Bayern in einer tollen Generation gespielt“

Nach seiner Zeit beim FC Bayern wagte Badstuber noch weitere Anläufe: erst beim FC Schalke 04, später beim VfB Stuttgart und beim FC Luzern. Im September 2022 beendete er seine aktive Karriere.

„Ich glaube, meine Karriere kann sich sehen lassen, die Titel sind in meiner Tasche. Ich habe in einer tollen Generation gespielt, bei Bayern München und in der Nationalmannschaft. Eine prägende Generation, wo der Erfolg damit verbunden wird“, sagt Badstuber - auch mit Blick auf den Traum seines verstorbenen Vaters.

„Ich glaube, es würde ihn heute stolz machen, jetzt zu sehen, was für eine Karriere ich eingeschlagen habe. Wie meine Karriere verlaufen ist, ist es natürlich auch ein Auf und Ab gewesen. Aber ich glaube, im Leben geht es darum, durch die tollen Zeiten, aber auch durch die schweren Zeiten zu gehen. Das stärkt die Persönlichkeit, das lässt dich wachsen“, stellt Badstuber klar.

Weiter ist er überzeugt: „Ich stehe jetzt mit 36 hier und bin ein gestandener Mann, der einiges erlebt hat, der viele Facetten im Leben und im Fußball kennengelernt hat, und das lasse ich mir dann auch nicht nehmen. Das Gefühl bleibt und das ist mittlerweile ein sehr schönes Gefühl.“

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