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Wer ist eigentlich Abert Riera? So tickt Frankfurts neuer Coach

So tickt Frankfurts neuer Coach

Albert Riera wird neuer Cheftrainer bei Eintracht Frankfurt. Der Spanier nimmt kein Blatt vor den Mund und lässt Fußball spielen wie sein Freund Pep Guardiola. Geht das gut?
Albert Riera wird neuer Trainer von Eintracht Frankfurt. Das haben die Hessen am Freitagabend bestätigt. Der Spanier wird allerdings erst in der kommenden Woche erwartet.
Albert Riera wird neuer Cheftrainer bei Eintracht Frankfurt. Der Spanier nimmt kein Blatt vor den Mund und lässt Fußball spielen wie sein Freund Pep Guardiola. Geht das gut?

Die Trainersuche bei Eintracht Frankfurt hat ein Ende gefunden. Aber wer ist eigentlich Albert Riera und wie tickt der neue Coach des strauchelnden Bundesligisten?

Der Kicker berichtete im Vorfeld, dass sich die Eintracht mit einem gewissen „Mister X“ beschäftige, und tatsächlich waren viele überrascht, als sich der Riera-Deal anbahnte. Rund zwei Millionen Euro (inklusive Bonuszahlungen) wird der neue Trainer kosten.

Eintracht Frankfurt: Riera übernimmt am Montag

Wer am Dienstag auf der Plattform Wikipedia nach Riera gesucht hat, bekam drei schmale Sätze zu lesen. Dort wurde Riera noch als Übungsleiter von NK Olimpija Ljubljana geführt, wo er ein Jahr blieb und den Klub auf Anhieb zur Meisterschaft und zum Pokaltriumph führte. Den Verein hatte er aber bereits im Sommer 2023 verlassen.

Danach hatte er beim slowenischen Erstligisten NK Celje angeheuert, wo er zunächst nicht lange blieb. Riera folgte nach wenigen Monaten dem Ruf seines Ex-Vereins Girondins Bordeaux. Nach dem Abstieg in die 4. Liga verließ er den gefallenen Traditionsverein wieder und kehrte zu Celje zurück.

Dort war der Spanier bis zuletzt sehr erfolgreich, holte in 91 Spielen 1,84 Punkte im Schnitt. Sein Team führt die Tabelle überlegen an. Die ersten beiden Verfolger, FC Koper und NK Maribor, haben bereits zwölf Punkte Rückstand.

Dem 43-Jährigen war es wichtig, am Sonntag im Topspiel gegen Maribor an der Seitenlinie zu stehen. „Auf eigenen Wunsch“ wird er Sloweniens Tabellenführer in einem vorerst letzten Match betreuen. Am Montag beginnt dann sein neues Kapitel in der Mainmetropole.

Mikel Arteta und Pep Guardiola zählen zu seinen Freunden

Riera verfügt über ein hitziges Temperament, gilt als Offensivliebhaber, ein Mann klarer Prinzipien. Im Netz kursieren Aufnahmen von Kabinenansprachen des Übungsleiters. Der Mann weiß, wie man seine Spieler emotional anzündet. Der slowenische Datenpfleger Zlatan Skaljo beschreibt ihn als „ausgezeichneten Motivator“ und vergleicht ihn mit Schalke-Coach Miron Muslic.

Am liebsten lässt Riera ein 4-3-3 spielen, Spieler müssen mehrere Positionen bekleiden können und diese während der Partien miteinander tauschen. „Die Art und Weise, wie wir spielen, ist wichtiger als das Ergebnis. Wir reden immer nur über Resultate und vergessen dabei, dass Fußball auch Show ist“, sagte Riera einst: „Die Leute gehen ins Theater, um etwas Neues und Aufregendes zu sehen. Fußball ist der König des Sports, weil das Spiel so schön ist.“

Der gebürtige Mallorquiner ist eng mit Arsenal-Coach Mikel Arteta befreundet und befindet sich auch mit seinem Landsmann, dem ManCity-Coach Pep Guardiola, stets im Austausch. „Wir spielen Golf, dann relaxen wir bei einem Glas Wein und reden über Fußball“, berichtet Riera von den gemeinsamen Treffen.

Ähnlich wie Guardiola setzt Riera auf Tiki-Taka-Fußball und gilt als Perfektionist. Der 16-malige Nationalspieler Spaniens steht für das, was sein Land auszeichnet: Offensiven und dominanten Fußball gepaart mit hohem Pressing. Riera lebt Fußball mit jeder Faser.

Das sagt Krösche über den neuen Coach

Doch auch was die Defensive angeht wird Riera in Frankfurt alle Hände voll zu tun haben. Die Eintracht stellt gemeinsam mit Tabellenschlusslicht FC Heidenheim die schlechteste Abwehr der Liga. 42 Gegentore in 19 Spielen - ein erschreckender Wert für eine Mannschaft mit Europapokal-Ambitionen.

Sportvorstand Markus Krösche beschreibt Riera als einen Trainer, „der für modernen, intensiven und offensiven Fußball steht. Er verfügt über internationale Erfahrung, eine klare Spielidee und einen ebenso klaren Ansatz in der täglichen Arbeit mit dem Team.“

„Klarer Ansatz“ drückt es noch milde aus. Riera schreckt vor nichts zurück und greift durch, wenn es sein muss. Gegenseitiger Respekt hat für ihn oberste Priorität, dabei wirkt er aber auch nahbar. „An meinem ersten Tag bei einem neuen Verein rede ich nicht über Taktik. Da geht es um die einzelnen Personen, einen respektvollen Umgang miteinander und Disziplin. Danach überlegen wir uns dann, wie wir Tore schießen und Spiele gewinnen“, so Riera.

Wie sein offensives und spektakuläres Konzept in Frankfurt funktioniert, wird mit Spannung erwartet. Auch die Sprachbarriere gilt es zu überwinden. Riera spricht kein Deutsch, will es aber erlernen. Probleme mit Fremdsprachen hat er nicht.

Dass er während seiner Spielerkarriere auch in Frankreich, der Türkei (u.a. Galatasaray Istanbul), England (u.a. FC Liverpool und Manchester City), Griechenland, Italien und Slowenien aktiv war, passt ins Bild des facettenreichen Trainers.

Riera? „Er ist ein sehr arroganter Trainer“

Doch nicht alle haben eine hohe Meinung von Riera. „Jeder weiß, dass er ein Trainer ist, dem es an Bescheidenheit mangelt und der besonders viele meiner Kollegen auf dem Platz respektlos behandelt hat“, sagte beispielsweise der langjährige Ligue-1-Coach Patrice Garande. „Er hat mich unangenehm überrascht.“

Der Journalist Hanif Berkane beklagte bei Fußballtransfers.com: „Er ist ein sehr arroganter Trainer, der während seiner Zeit in Bordeaux bei Pressekonferenzen eine Reihe arroganter Äußerungen gemacht hat. Er hat immer die gegnerischen Trainer herabgewürdigt und seine eigenen Qualitäten hervorgehoben.“

Schon zu seiner Zeit als Spieler soll Riera nicht immer ein einfacher Charakter gewesen sein. Der Mirror berichtete 2014, dass Riera vom italienischen Verein Udinese Calcio rausgeworfen wurde, nachdem er unerlaubt abwesend gewesen war, um Poker zu spielen.

Riera und Frankfurt: Geht das gut?

Die Karriere des Spaniers erlitt einen herben Rückschlag, nachdem er in einem Tweet behauptet hatte, Udinese sei „der schlechteste Verein, für den ich je gespielt habe“.

Nach etwas mehr als drei Monaten Vereinslosigkeit unterschrieb Riera schließlich bei RCD Mallorca. Seine aktive Karriere beendete er im Sommer 2016 beim FC Koper in Slowenien.

Eines ist in jedem Fall klar: Mit Riera hat Krösche einen Namen aus dem Hut gezaubert, mit dem kaum jemand gerechnet hatte. Ob ausgerechnet der spanische Vulkan die enormen Probleme der Eintracht beheben und dem Europa-League-Sieger von 2022 zurück zu alter Stärke verhelfen kann, wird sich schon bald zeigen.