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BVB gegen den FC Bayern: Das Gift ist weg

Wie ernst nimmt Bayern das Topspiel?

Beim FC Bayern hat man nichts dagegen, wenn das Spiel in Dortmund zum absoluten Spitzenspiel erklärt wird. Doch zwischen den Zeilen merkt man: Volles Risiko wollen die Münchner nicht gehen.
Der Bundesliga-Klassiker zwischen dem FC Bayern München und Borussia Dortmund steht an. Der Sieg ist das klare Ziel von Trainer Vincent Kompany.
Beim FC Bayern hat man nichts dagegen, wenn das Spiel in Dortmund zum absoluten Spitzenspiel erklärt wird. Doch zwischen den Zeilen merkt man: Volles Risiko wollen die Münchner nicht gehen.

Vincent Kompany begann die Pressekonferenz am Freitagvormittag mit einem Lächeln. Als der Bayern-Trainer von SPORT1 gefragt wurde, wie wichtig das anstehende Spiel bei Borussia Dortmund (Samstag, 18.30 Uhr im LIVETICKER) angesichts des komfortablen Vorsprungs in der Bundesliga überhaupt sei, sagte er: „Das ist ein Klassiker, das hat seine Wichtigkeit. Wenn der Erste gegen den Zweiten spielt, darf man das schon so groß machen, wie es ist. Es gibt in diesem Fall keinen Komfort.“

Vordergründig ist Kompany also bereit, sich am Topspiel-Hype zu beteiligen. Fakt ist aber auch: Zwischen den Zeilen ist zu spüren, dass das Duell mit dem BVB nicht mehr den Stellenwert wie noch vor zehn oder 15 Jahren hat – zumindest aktuell für den FC Bayern. Der Vorsprung beträgt acht Punkte, bei einem Sieg wären es elf – die Meisterschaft damit so gut wie entschieden.

Bayern spürt weniger Topspiel-Flair

Ein bisschen Vorsicht gönnt sich der Bayern-Trainer daher doch. „Es gibt immer einen Unterschied, ob es ein Endspiel oder ein Ligaspiel ist. Wir haben keine Angst vor Risiko, aber wir wollen (auch) nicht zu emotional sein“, sagte der Belgier mit Blick auf die zuletzt verletzten Konrad Laimer und Manuel Neuer sowie Jamal Musiala, der weiterhin in aller Ruhe zu seiner Topform finden soll.

Es ist ein Prestigeduell, doch am langen Ende eben „nur“ das. Das ganz große Knistern vorm Topspiel ist verflogen, was vor allem am Remis der Dortmunder in Leipzig liegen dürfte.

Gerade bei der Personalie Neuer ist das zu spüren. Obwohl der 39-Jährige akribisch an einem Blitz-Comeback gearbeitet hatte, scheint er das Spiel in Dortmund nicht wahrzunehmen, wie Bilder vom Freitagabend belegten.

Bayern gegen Dortmund: Das Gift bleibt fern

Dass die großen Sticheleien und Kampfansagen ausbleiben, liegt aber natürlich auch am Personal auf beiden Seiten. Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge, Hans-Joachim Watzke, Michael Zorc – all die Männer, die in vergangener Zeit gerne den ein oder anderen Giftpfeil Richtung Konkurrenz schickten, stehen nicht mehr in der ersten Reihe.

Jetzt regieren auf beiden Seiten Gentlemen wie Kompany oder BVB-Trainer Niko Kovac. Das Gift ist weg.

Immerhin ist man in Dortmund einigermaßen heiß auf den FC Bayern. „Wir freuen uns darauf und wollen natürlich ein ganz anderes Gesicht zeigen als in Bergamo“, sagte Kovac. Man müsse mutig sein und brauche gute Atmosphäre, so der Kroate in Richtung der Fans.

Sein Problem: Selbst ein Sieg gegen die Münchner dürfte die Wunden der vergangenen Tage nicht gänzlich heilen. Dafür sitzen die Stacheln aus den Partien in Leipzig und Bergamo zu tief.