Fernando Carro kochte vor Wut – und das aus gleich zwei Gründen. Zum einen weil Bayer Leverkusen im Rennen um die Champions-League-Plätze erneut Punkte liegen ließ und sich gegen den 1. FSV Mainz 05 mit einem 1:1 begnügen musste. Zum anderen hatte eine umstrittene Entscheidung von Schiedsrichter Tobias Stieler direkt vor dem Mainzer Führungstreffer den Ärger des Vereinschefs zusätzlich angefacht. Nach dem Spiel war das deutlich hörbar.
Leverkusen-Boss schäumt vor Wut: "Wo ist der Stieler, der Blödmann?"
Leverkusen-Boss schäumt vor Wut
„Wo ist der Stieler, der Blödmann?“, rief Carro lautstark auf dem Weg vom Kabinentrakt durch die Mixed Zone Richtung Schiedsrichterraum – eine Erklärung wollte er sich persönlich einholen. Auslöser war, dass Dominik Kohr den Leverkusener Angreifer Patrik Schick im Strafraum mit beiden Armen festgehalten und zu Boden gerissen hatte. Ein Elfmeterpfiff blieb jedoch aus. Stattdessen lief der Gegenangriff, den die Rheinhessen eiskalt zur Führung nutzten.
Auch Hjulmand versteht Stieler-Entscheidung nicht
Für Carro war die Szene eindeutig. Zunächst sei Jarell Quansah nach einem Zweikampf mit Stefan Posch gefallen. „Dann versucht Schick, sich in den Raum zu bewegen, um an den Ball zu kommen, und der andere stoppt ihn und schmeißt ihn zu Boden. Für mich auf jeden Fall ein Elfer“, polterte Carro nach dem Gespräch mit dem Unparteiischen, den er im Gegensatz zum Videoassistenten sogar noch aus der Schusslinie nahm. Vom VAR müsse eine solche Szene aber zwingend überprüft und korrigiert werden, betonte Carro mit Nachdruck.
Warum es dennoch nicht zu einem Eingriff kam, wollte Carro nach SPORT1-Informationen von Stieler genau wissen. Dessen Begründung habe gelautet, es habe sich um ein „50:50-Duell“ gehandelt – ein gegenseitiges Gerangel, das keinen klaren Regelverstoß darstelle, so schilderte Carro die Erklärung des Referees.
Eine Einschätzung, die auch Trainer Kasper Hjulmand nicht teilte. „Ich sage nur dieses eine Mal etwas zum Schiedsrichter: Wenn das kein Elfmeter ist, dann soll mir bitte jemand erklären, warum“, antwortete der sonst eher besonnene Däne: „Es ist unfassbar.“
Carro knöpft sich auch seine Mannschaft vor
Doch nicht nur Stieler und besonders der Videoassistent bekamen Carros Frust zu spüren. Auch die eigene Mannschaft nahm er sich zur Brust.
Bereits auf dem Weg von der Tribüne in die Katakomben hatte der 61-Jährige kräftig geschimpft, dann richtete er an seine Spieler einige scharfe Worte. Kurioserweise auf Spanisch, wie er selbst verriet. Für die über weite Strecken ideenlose und wenig engagierte Vorstellung der Werkself fehlte ihm schlicht der passende deutsche Begriff.
„Vor allem in der ersten Halbzeit war das keine gute Vorstellung“, analysierte Carro schonungslos offen und übersetzte seine zuvor auf Spanisch vorgetragene Standpauke sinngemäß: „Wir müssen endlich aufwachen!“ Für den ehrgeizigen Boss war die Darbietung nur schwer zu ertragen. „Wenn ich jetzt noch in der Kabine wäre“, sagte Carro weiter, „würde ich ausflippen. Am Ende haben wir es ja versucht, aber du kannst nicht 50 oder 80 Minuten so spielen.“
Spielerisch gibt es große Defizite
Das Remis gegen Mainz bedeutete nicht nur einen weiteren Dämpfer im Kampf um die Königsklasse – spielerisch offenbarte die Mannschaft erneut große Defizite.
Schon beim 0:1 gegen Union Berlin am vergangenen Wochenende präsentierte sich Bayer völlig uninspiriert. Und auch das torlose Remis am Dienstag gegen Olympiakos Piräus riss niemanden von den Sitzen. Ex-Profi Christoph Kramer fand nach der Partie deutliche Worte und bezeichnete die Leistung unverblümt als „große Scheiße“.