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Was sagt die vieldiskutierte Szene über den FC Bayern aus?

Kimmich will keinen „Kreisliga-Moment“

Im Spiel gegen Eintracht Frankfurt kassieren die Bayern ein kurioses Tor – schuld waren sie selbst. Die Bewertung danach fällt interessant aus.
Der Klassiker zwischen dem FC Bayern München und Borussia Dortmund ist nur noch eine Woche entfernt. Bei den Münchnern ist die Vorfreude spürbar.
Im Spiel gegen Eintracht Frankfurt kassieren die Bayern ein kurioses Tor – schuld waren sie selbst. Die Bewertung danach fällt interessant aus.

Es lief die 86. Minute gegen Eintracht Frankfurt, als Joshua Kimmich vor einer wichtigen Entscheidung stand. Er selbst hatte an der eigenen seitlichen Strafraumgrenze den Ball und wurde bedrängt. Seine Optionen: Der Pass auf Torwart Jonas Urbig, ein riskantes Zuspiel quer durch die gefährliche Zone auf Minjae Kim oder der Befreiungsschlag.

Der DFB-Kapitän entschied sich für das Risiko, die Folgen sind bekannt. Weil Kim zu lange zögerte, hatte Frankfurts Arnaud Kalimuendo Gelegenheit, dazwischen zu gehen und traf zum 3:2-Anschlusstreffer – plötzlich war der Bayern-Sieg in großer Gefahr.

Eberl: „Einfach mal löschen!“

Bei der anschließenden Ursachenforschung war Sportvorstand Max Eberl erstaunlich deutlich. Er hätte sich von Kimmich einen Befreiungsschlag gewünscht. „Ich weiß, das ist dann eher mein Spiel [als Aktiver], aber dann heißt es aber auch irgendwann mal, wenn die Gefahr zu groß wird: Einfach mal löschen!“, erklärte der 52-Jährige. Ein nachvollziehbarer Wunsch, der jedoch nicht dem Spiel des FC Bayern entsprechen würde. In München will man grundsätzlich alles spielerisch lösen.

Kein Wunder also, dass Kimmich seine Entscheidung verteidigte. „Das hat in dem Fall nicht ganz so gut geklappt“, sagte er nach dem Spiel. Als er von SPORT1 gefragt wurde, ob es auch beim FCB manchmal eine Art „Kreisliga-Moment“ brauche, widersprach der 30-Jährige jedoch: „Es ist unsere Spielweise, dass wir spielen wollen – auch wenn wir Druck haben. Wenn die Gegner pressen und sie merken, dass wir die Bälle nur lang spielen, ist es einfacher gegen uns zu spielen.“

Man solle diese DNA des FC Bayern beibehalten, so Kimmich. Kreisliga-Fußball bleibt also grundsätzlich verboten.

Effenberg nimmt Kim in die Pflicht

In der Tat: Die Gegner blicken voller Bewunderung auf diese Spielweise und kennen die bayerische Stärke darin. „Das ist die DNA von Bayern München. Sie haben schon so oft dadurch die Pressing-Linie des Gegners überspielt, Chancen erspielt und Tore ohne Ende erzielt“, sagte HSV-Sportdirektor Claus Costa im SPORT1 Doppelpass.

Derweil nahm Stefan Effenberg Kimmich fast komplett aus der Verantwortung. Sein Fokus lag eher auf Kim. „Es gehört zur Wahrheit, dass man normalerweise dem Ball entgegengeht, er geht aber eher weg“, stellte der SPORT1-Experte fest.

Kompany mit versteckter Kritik

Fakt ist: Die Szene wird nichts Grundlegendes an der Spielweise der Bayern ändern – dafür unterlaufen dem Team in solchen Situationen einfach zu selten Fehler. Auch wenn Kimmich zugab, dass man es möglicherweise lernen müsse, den Ball in manchen Situationen einfach wegzuschlagen.

Fakt ist aber auch: Dem Trainer gefiel das Vorgehen nicht. Vincent Kompany deutete nach dem Spiel auf der Pressekonferenz an, dass seine Spieler genau wüssten, bei wem er den Fehler sehe – mehr wollte er nicht verraten. Gut möglich, dass der Belgier die Szene nochmal aufarbeiten lässt.

Dabei dürfte sich einer keine Kritik anhören müssen: Jonas Urbig. Der 22-Jährige stand parat und hätte den weiten Ball wagen können – wenn Kimmich ihm den Ball zugespielt hätte. Dass in dieser Situation ein Mangel an Vertrauen geherrscht habe, wollte Eberl übrigens nicht gelten lassen.

„Lassen wir jetzt die Diskussion, oder?“, sagte er, als er von einem Reporter gefragt wurde, ob Kimmich den Ball zum Keeper gespielt hätte, wenn es sich um Stammtorwart Manuel Neuer gehandelt hätte.