Borussia Dortmund hat den befürchteten Spannungsabfall vermieden und die Abstiegssorgen des 1. FC Köln in der Bundesliga vergrößert – dabei aber nur mit großer Mühe eine zittrige Schlussphase unbeschadet überstanden. Nach den jüngst verspielten Titelchancen in Champions League und Meisterschaft siegte das Team von Trainer Niko Kovac in Überzahl 2:1 (1:0).
Köln wütet! Handspiel-Ärger bei BVB-Sieg
Handspiel-Ärger bei BVB-Sieg
Bei Kwasniok und den Kölnern herrschte neben Enttäuschung vor allem Wut. Der 44 Jahre alte Coach, der nach der vierten Niederlage in den vergangenen fünf Ligaspielen zunehmend um seinen Job bangen muss, echauffierte sich mit seinem Team über ein nicht geahndetes Handspiel von Dortmunds Yan Couto in der Nachspielzeit.
Couto-Handspiel: Köln fordert Elfmeter
Der BVB-Profi hatte eine Kölner Flanke tatsächlich an die leicht abgewinkelte Hand bekommen (90.+5). Trotz der erheblichen FC-Proteste blieb die Pfeife von Referee Daniel Siebert stumm, auch der VAR griff nicht ein.
„Für mich geht der Ball ganz klar an die Hand, ob Couto hinschaut oder nicht. Es ist jetzt schon das zweite Mal so eine Sache und hier geht’s um alles. Es ist nicht mehr zu verstehen, muss ich ganz ehrlich sagen“, wütete FC-Profi Tom Krauß nach dem Spiel in der Mixed Zone.
Köln-Boss Thomas Kessler wurde bei Sky deutlich: „Das ist eine klare Vereitelung einer Torchance, und dass man das nicht sieht, dafür habe ich absolut kein Verständnis.“ Für das Nichteingreifen des VAR wolle er „ehrlicherweise auch keine Erklärung dafür hören“.
Auch Marvin Schwäbe war sauer: „Ich kann die Diskussion nur mitgehen. Ich kann langsam nicht mehr nachvollziehen, wo die Messlatte liegt“, klagte der Keeper. „Vor ein paar Wochen wurde ein Tor wegen einem Millimeter Abseits zurückgenommen und bei einem Handspiel im Sechzehner, wo man eigentlich immer drüber gucken sollte, verstehe ich nicht, warum man den Schiedsrichter da nicht rausschickt.“
Matthäus hat Verständnis für Kwasnioks Wut
Coach Kwasniok musste sich die Szene mit Couto nach eigener Aussage nur einmal anschauen, um zu einem Urteil zu kommen: „Da gibt es für mich nicht so viele unterschiedliche Möglichkeiten, wie man diese Szene bewerten kann. Das passt irgendwie zu den vergangenen Tagen und Wochen. Deswegen macht es die Situation und das heutige Spiel bitter.“
Der 44-Jährige zog einen Vergleich zum Topspiel der vergangenen Woche: „Wenn wir uns beispielsweise die Szene von Schlotti (Nico Schlotterbecks Foul an Josip Stanisic; Anm. d. Red.) gegen Bayern München anschauen – und ich habe gerade noch mal mit ihm drinnen gesprochen –, wo er keine Rote Karte bekommt ... Und wir heute das Pech haben, dass jemand rausgerufen wird.“
Kwasniok betonte, sich zurückzuhalten: „Ich weiß gar nicht, wer dafür verantwortlich ist: DFB, DFL. Ich werde denen nicht den Gefallen tun und jetzt hier losledern, weil dann muss ich bezahlen. Und das macht keinen Sinn. Den Elfmeter kriegen wir jetzt nicht mehr gepfiffen.“
Zuspruch bekamen Kwasniok und der FC unter anderem von Sky-Experte Lothar Matthäus: „Der Ball geht gegen den Arm. Egal ob Absicht oder unabsichtlich. Es war eine Vergrößerung der Körpergröße. Ich verstehe voll und ganz, dass er (Kwasniok; Anm. d. Red.) da stocksauer ist. Da muss der VAR eingreifen. Der Schiedsrichter hat es vielleicht nicht gesehen, weil er verdeckt war. Aber der VAR hätte eingreifen müssen. Deswegen mal wieder eine Hellrote Karte in den Kölner Keller.“
Platzverweis hilft dem BVB
Nach zuletzt drei Pflichtspielen ohne Sieg schossen Serhou Guirassy (16.) und Nationalspieler Maximilian Beier (60.) Dortmund zum Auswärtserfolg. Dabei half auch ein Platzverweis für FC-Verteidiger Jahmai Simpson-Pusey (45.+2). Der Anschlusstreffer von Jakub Kaminski (88.) sorgte noch einmal für Spannung.
Köln wiederum blieb auch im fünften Spiel in Serie sieglos und gerät immer tiefer in den Abstiegsstrudel. In den nächsten beiden Ligaspielen trifft der Aufsteiger auf die direkten Konkurrenten Hamburger SV (14. März) und Borussia Mönchengladbach (21. März). Der Druck auf Trainer Lukas Kwasniok steigt.
Trotz der brisanten Situation im Tabellenkeller war der 44-Jährige vor Anpfiff optimistisch. Das Team sei „zu gut“, um das Ziel Klassenerhalt nicht zu erreichen, sagte er. Kovac warnte vor Köln und versuchte nach dem Königsklassen-Aus bei Atalanta Bergamo (1:4) und der bitteren Klassiker-Pleite gegen Bayern München (2:3) den Fokus zu schärfen.
In der defensiven Dreierkette begann Ramy Bensebaini für Emre Can, der einen Kreuzbandriss erlitten hatte. Vorne erhielt Guirassy den Vorzug vor Fabio Silva. „Einen Spannungsabfall darf es eh nie geben, aber schon gar nicht jetzt, wo noch gar nichts entschieden ist“, sagte Kovac bei Sky.
Köln beginnt mutig und fordert den BVB
Zu sehen war davon zunächst wenig. Stattdessen begann Köln mutig und erspielte sich erste Chancen. BVB-Keeper Gregor Kobel war früh gefordert (1./5.). Dem Favoriten half ein Standard: Nach einer Ecke stand Guirassy richtig und grätschte den Ball aus kurzer Distanz ins Tor.
Danach wurde Dortmund souveräner und hielt auch Shootingstar Said El Mala unter Kontrolle, der – wie jüngst von Bundestrainer Julian Nagelsmann gefordert – von Beginn an auflief. Es folgte ein zerfahrenes Spiel zwischen den Strafräumen.
Einen wuchtigen Abschluss von Guirassy parierte FC-Keeper Marvin Schwäbe (40.). Als Simpson-Pusey dem umtriebigen Beier von hinten auf die Achillessehne stieg, zückte Schiedsrichter Daniel Siebert nach VAR-Eingriff die Rote Karte.
BVB-Elfer wird zurückgenommen
Doch Köln gab sich nicht auf. Jakub Kaminski und Startelf-Debütant Youssoupha Niang verpassten den Ausgleich (56.). Nur wenig später machte es Beier auf der anderen Seite besser.
Einen Foulelfmeter gegen Köln nahm Siebert nach erneuter VAR-Intervention zurück. Cenk Özkacar hatte den eingewechselten BVB-Stürmer Silva am Fuß getroffen, zuvor aber auch den Ball gespielt (69.). Kaminskis Treffer leitete eine spannende Schlussphase ein.
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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)