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Nachruf auf Georg Koch: Ein Kämpfer bis zum bitteren Ende

Ein Kämpfer bis zum bitteren Ende

Georg Koch war ein Kämpfer, der seiner schweren Krankheit die Stirn bot. SPORT1-Reporter Reinhard Franke erinnert in seinem Nachruf an besondere Begegnungen mit dem früheren Torhüter.
Georg Koch lief bis 2009 für unter anderem Fortuna Düsseldorf, den 1. FC Kaiserslautern und den MSV Duisburg auf. Gegenüber SPORT1 spricht er offen über seine schwere Krebserkrankung.
Georg Koch war ein Kämpfer, der seiner schweren Krankheit die Stirn bot. SPORT1-Reporter Reinhard Franke erinnert in seinem Nachruf an besondere Begegnungen mit dem früheren Torhüter.

Die Nachricht vom Tod von Georg Koch hat mich tief bewegt. Und auch wenn man wusste, dass dieser Tag kommen würde – macht es einen doch betroffen.

Nach langer, schwerer Krankheit ist der frühere Bundesliga-Torhüter an Bauchspeicheldrüsenkrebs gestorben. 2023 bekam er die Diagnose. Die Ärzte gaben ihm vielleicht noch sechs Monate. Daraus wurden fast drei Jahre. Drei Jahre Kampf.

Im Mai 2024 machte er seine Krankheit öffentlich – in einem Interview mit der Bild am Sonntag. Es war der Moment, in dem aus dem einst so lauten, kantigen Keeper ein Mann wurde, der wusste, dass sein größter Gegner nicht mehr auf dem Platz stand.

Georg Koch sagte einen Satz, der hängen blieb

Im September 2024 durfte ich ihn für SPORT1 besuchen. Es wurde kein normales Interview. Es wurde ein Gespräch über das Leben. Über Angst. Über Hoffnung. Und über Trotz.

Er sagte damals einen Satz, der hängen blieb: „Man wird plötzlich aus dem Leben gerissen. Mit nur drei Sätzen. Ich wusste, dass ich kämpfen muss. Für mich stand fest: Aufgeben gibt es für mich nicht.“

So war er.

Wer Georg Koch kannte, wusste: Aufgeben war nie sein Stil. Nicht in seinen 213 Bundesliga-Spielen. Nicht in all den Jahren bei Fortuna Düsseldorf, Arminia Bielefeld, beim 1. FC Kaiserslautern oder dem MSV Duisburg.

Als ich ihn traf, trug er ein T-Shirt von den Toten Hosen. Darauf stand: „Bis zum bitteren Ende“.

Es war kein Zufall.

Georg Koch wollte leben - und nicht jammern

Auch die Zigarette und das Bier ließ er sich nicht verbieten. „Warum auch?“, fragte er mich und lachte laut. Er wollte leben. Und nicht jammern.

Er sprach offen über Schmerzen, über schwache Tage. Und doch blitzte immer wieder dieser alte Georg durch – direkt, ehrlich, manchmal brummig. Am Telefon raunzte er auch mal. Eine kurze, raue WhatsApp-Nachricht. Nach unserem Gespräch dachte ich noch: „Was hat er denn jetzt?“

Aber selbst darin steckte Leben. Nie Bitterkeit. Immer Kampf. Er war sicher kein einfacher Typ – aber wer ist das schon?

Für andere da sein war ihm wichtig

Vier Wochen nach unserem Gespräch organisierte er in seinem Heimatort ein Benefizspiel. Für andere da sein – das war ihm wichtig.

Man spürte an diesem Tag, wie viel Respekt und Zuneigung er sich über Jahrzehnte erarbeitet hatte.

In den Wochen zuvor war er aufgeregt wie ein kleiner Junge – und als er mir bei dem Interview erzählte, dass sein Lieblingslied von den Toten Hosen „Auswärtsspiel“ sei, leuchteten seine Augen dabei wie die eines Kindes.

Ich hatte zuvor wochenlang versucht, ihn zu treffen. Als es endlich soweit war, schmunzelte er darüber: „Irgendwann merkte ich, dass es passt mit dir.“ Es war ein Moment, der zeigte, wie sehr er Vertrauen und Beharrlichkeit schätzte.

Viele Weggefährten waren zu dem Benefizspiel gekommen, darunter Markus Anfang, Patenonkel von Kochs Tochter Emma.

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Georg Koch ließ nicht zu, dass seine Krankheit über seine Würde bestimmt

Als Koch mit seiner Lebensgefährtin, seinen Kindern und seiner Ex-Frau Hand in Hand auf den Platz kam, lief aus den Boxen sein Lieblingssong „Tommi“ von AnnenMayKantereit. Ich musste weinen.

Was bleibt, sind nicht nur die Paraden. Nicht nur die 48 Spiele ohne Gegentor. Was bleibt, ist Haltung.

Die Haltung eines Mannes, der wusste, dass seine Zeit begrenzt ist – und der trotzdem nicht zuließ, dass die Krankheit über seine Würde bestimmt.

Er hat gekämpft. Bis zum bitteren Ende.

Mach’s gut, Schorsch.