Es war einer der berühmtesten Momente der Bundesliga-Geschichte – auch wenn der Hauptdarsteller gerne auf den Ruhm verzichtet hätte.
Heute vor 40 Jahren: Dieser kuriose Bundesliga-Moment ging um die Welt
Dieser Moment ging um die Welt
Heute vor 40 Jahren, am 1. Spieltag der Saison 1986/87, ereignete sich im Münchner Olympiastadion eines der legendärsten Missgeschicke der Ligageschichte. In den Hauptrollen der denkwürdigen Ereignisse am 9. August 1986: Die vor einem Jahr und vier Tagen verstorbene BVB-Legende Frank Mill und der, vom Schützen aus, rechte Torpfosten.
Frank Mill und der legendärste Pfostenschuss der Bundesliga
Es passierte beim Stand von 1:1 in der 41. Minute der Partie zwischen dem FC Bayern München und Borussia Dortmund. Nach einem Pass von Daniel Simmes drang Mill, im selben Sommer von Borussia Mönchengladbach ins Revier gewechselt, in den Strafraum ein und überspielte Bayern-Torwart Jean-Marie Pfaff.
Der deutsche Nationalspieler wollte, dass sein erstes Tor im Dortmunder Dress eine Besonderheit wird, ließ er noch Jahre später wissen: „Ich hätte genug Zeit gehabt, den Ball einfach ins Tor zu schieben, doch ich wollte es machen wie Pierre Littbarski. Mein Plan: Ausholen, den Ball zwischen die Füße klemmen und nach einem Übersteiger elegant einschieben.“
Mill schilderte das, was folgte, so: „Dann sah ich etwas im Augenwinkel – es war Pfaff, der mit letzter Kraft zurückwetzte. Panik stieg in mir auf: Ich schoss – und traf den Pfosten. Das war der schlimmste Moment überhaupt: zu begreifen, dass der Ball nicht im Tor lag. Die nächsten Wochen wurden richtig böse für mich. An jeder Ecke musste ich mich verarschen lassen, sogar von den Teamkollegen.“
Bayern-Trainer Udo Lattek bedankte sich noch auf der Pressekonferenz spöttisch bei Mill: „Ich überlege noch, welche Prämie ich ihm gebe – wenn er sie denn annimmt.“
Immerhin legte Mill noch den Ausgleichstreffer zum 2:2 von Michael Zorc auf. Die vergebene Großchance verfolgte ihn dennoch immer und überall.
In der Winterpause 1986/87 machte Mill Urlaub im fernen San Francisco und sah sich selbst auf dem TV-Bildschirm eines Hotelzimmers in Chinatown – als Teil eines Pannenshow-Formats. „Na toll, weltweit sorge ich für Lacher“, seufzte er.
Mill gewann WM-Titel und Olympia-Bronze
Als Mill nach der Karriere Kinder in seiner Fußball-Schule begrüßte, klärte er stets auf: „Jungs, ihr dürft mich alles fragen, aber nicht: Wie war das damals in München?“
Fernhalten konnte Mill das Thema trotzdem nicht: „Mindestens einmal pro Woche werde ich daran erinnert und darauf angesprochen. Die Szene werde ich nie abschütteln können“, stöhnte er 2013 in einem Buch zum 50. Geburtstag der Bundesliga.
Mills sportliches Vermächtnis war dabei um einiges umfangreicher: Er war Weltmeister – als Reservist im Kader von 1990 -, bestritt 17 Länderspiele, holte bei Olympia 1988 Bronze und erzielte insgesamt 123 Bundesliga-Treffer.
Es wurmte Mill, dass ihn trotzdem viele vor allem mit der einen Szene in Verbindung brachten: „Darauf reduziert zu werden, das ärgert mich schon manchmal. Ich hatte wirklich mehr zu bieten als nur einen Pfostenschuss aufs leere Tor.“
Es gab andere berühmte 100-Prozent-Chancen, die unglücklich vergeben worden – man denke etwa an die von Jakub „Kuba“ Blasczczykowski.
So legendär wie Mills Fehlschuss wurde trotzdem kein anderer. Vielleicht, weil er mehr Zeit hatte als die anderen und sich etwas Besonderes überlegte. Wurde es dann ja auch, nur anders als gedacht.