Tor-Debüt der „Reitz“-Figur, eine traumhafte Rückkehr von Christopher Nkunku: Auch dank seiner Neuzugänge hat Trainer Martin Demichelis eine perfekte Bundesliga-Premiere für RB Leipzig gefeiert. Zum Auftakt besiegten die Sachsen am Samstag Borussia Mönchengladbach mit 3:0 (1:0). Nach dem Neuanfang unter dem Nachfolger des entlassenen Ole Werner sowie nach dem 120 Millionen Euro schweren Abgang von Starspieler Yan Diomande zu Real Madrid liegt RB zu Saisonbeginn auf Kurs.
Reitz trifft, Nkunku glänzt: Demichelis jubelt bei Leipzig-Debüt
Reitz trifft beim Wiedersehen
Nationalspieler Ridle Baku (26.), Antonio Nusa (49.) und der Ex-Gladbacher Rocco Reitz (66.) trafen für die Leipziger, deren Ziel trotz aller Veränderungen und des Wechsels von Ex-Red-Bull-Fußballchef Jürgen Klopp ins Bundestrainer-Amt erneut die Qualifikation für die Champions League ist.
Besonderes Wiedersehen für Reitz
Dafür liehen die Leipziger unter anderem den früheren Bundesliga-Torschützenkönig Nkunku von der AC Mailand aus, um die Lücke zu füllen, die Diomande hinterlassen hatte. Drei Jahre nach seinem Abschied aus Leipzig gab er gegen Gladbach sofort sein Comeback und kam in der zweiten Hälfte von der Bank.
„Da habe ich mich versucht, so wenig wie es geht mit zu beschäftigen, weil das kann ich sowieso nicht beeinflussen. Ich habe mich natürlich extrem gefreut, alle alten Arbeitskollegen, sage ich mal, wiederzusehen. Ich habe da viele Freunde gefunden und es ist für mich ein sehr, sehr besonderes Spiel gewesen“, erklärte der ehemalige Gladbach-Kapitän nach dem Spiel bei Sky.
Gladbach zu Beginn auf Augenhöhe
Trotz, oder vielleicht auch wegen der vielen Vorgeschichten startete das Spiel zunächst holprig für die Leipziger. Gladbach spielte mutig mit, ließ keine Großchancen zu und wurde selbst gefährlich. Einen Schuss von Hugo Bolin (21.) lenkte RB-Torwart Maarten Vandevoordt an den Pfosten, ehe er den Abpraller vor dem heraneilenden Tim Kleindienst von der Linie kratzte.
Doch Leipzig hatte die passende Antwort. Mit dem ersten guten Spielzug der Partie hebelten Baku und Tidiam Gomis, zunächst Mittelstürmer statt Nkunku, die Gladbacher Abwehr per Doppelpass aus – und der deutsche Nationalspieler schob eiskalt ein. Zwar steckten die Gäste in der Folge nicht auf, aber RB erhöhte den Druck. Antonio Nusa (38.) zielte nach Flanke von Kapitän David Raum nur knapp daneben, Willi Orban (42.) traf per Kopf die Latte.
Leipzig nach der Pause dominant, Nkunku braucht nur Sekunden
Nach der Pause kamen die Leipziger viel zwingender aus der Kabine, als sie das Spiel begonnen hatten. Und sie fingen gar an zu zaubern. Mit der Hacke legte Gomis auf Nusa ab, der Norweger gönnte sich ein paar Übersteiger, bevor er den Ball wunderschön ins Netz schlenzte. Über Konter stellte RB Gladbach immer wieder vor Probleme, Fohlen-Keeper Moritz Nicolas bewahrte seine Mannschaft mit mehreren aberwitzigen Paraden innerhalb weniger Minuten vor der Vorentscheidung.
Nach 64 Minuten brandete schließlich Jubel auf: Nkunku kam für Gomis in die Partie und setzte sofort Reitz bei einem weiteren überlegt gefahrenen Umschaltangriff bestens in Szene. Der Ex-Gladbacher jubelte nach seinem Tor nur verhalten. Aus Respekt gegenüber seinem Jugendverein hob er entschuldigend die Hände. Beim 1:0 hatte er zunächst gefeiert, sich aber schnell eines Besseren besonnen und den Jubel eingestellt.
„In der ersten Sekunde gehen mit dir die Emotionen einfach durch, freue mich auch für Ridle, dass er ein Tor schießt, dass wir ein Tor schießen. Aber dann natürlich aus Respekt auch vor meiner ganzen Zeit bei dem Verein habe ich dann versucht, meine Emotionen da wieder im Griff zu kriegen.“ Bei DAZN gab er zu, er würde „gegen jeden Gegner lieber treffen“.
Sorgen um Hashioka
Komplettiert wurde der gebrauchte Gladbacher-Nachmittag in der Nachspielzeit. Hugo Bolin schob in der 95. Minute nach Vorarbeit von Frank Honorat zum vermeintlichen 1:3‑Anschlusstreffer ein. Der verhaltene Jubel wurde jedoch wenig später vom Linienrichter wegen einer Abseitsstellung beendet.
„Ich werde diesen Tag nie vergessen. Was ich heute hier erlebt habe, ist einfach ein Traum“, gab sich Demichelis bei DAZN emotional. Auf der Gegenseite sah die Gefühlslage naturgemäß anders aus. „Es ist jetzt nicht so, dass du die heute nicht hättest schlagen können, aber wenn du halt jedes Mal irgendwie solchen Kindergartenfußball raushängen lässt, dass wir da halt nicht griffig genug sind und dann die einfach so durchlaufen lassen…“, schimpfte Kapitän Tim Kleindienst.
Zudem verletzte sich Neuzugang Daiki Hashioka nach einem Zusammenprall mit Antonio Nusa (72.). Bei einem Klärungsversuch setzte der Verteidiger zum Flugkopfball an und bekam die Hüfte des Leipzigers in den Nacken. Sichtlich benommen taumelte Hashioka vom Platz und musste an der Seitenlinie minutenlang behandelt werden, ehe das medizinische Personal ihn auf der Trage abtransportieren konnte.