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31 Millionen für nichts?

Erst werden die Transfers des Hamburger SV gefeiert, dann folgt die totale Ernüchterung. Droht nun eine Saison voller Abstiegskampf?
Nach zwei Spieltagen steht der Hamburger SV noch ohne Punkt und Tor da. Dazu kommt der provokante von Ex-HSV-Spieler Ransford Königsdorffer bei der 0:5-Klatsche gegen Mainz. Merlin Polzin muss jetzt Ruhe reinbekommen.
Erst werden die Transfers des Hamburger SV gefeiert, dann folgt die totale Ernüchterung. Droht nun eine Saison voller Abstiegskampf?

Unter der Woche herrschte im Umfeld des Hamburger SV noch Euphorie. Sportdirektor Claus Costa hatte kurz vor Transferschluss vielversprechende Transfers getätigt. Dazu zählt unter anderem die heißersehnte Verpflichtung von Fábio Vieira, der in der vergangenen Saison als Leihspieler oft den Unterschied ausmachte. Rund 31,1 Millionen Euro wurden insgesamt in Neuzugänge investiert – so viel wie seit Sommer 2016 nicht mehr.

Umso größer der Kontrast, der sich am Sonntag beim ersten Heimspiel im Volksparkstadion darstellte. Das 0:5 gegen den 1. FSV Mainz 05 war die höchste Heimniederlage seit September 2018. Besonders bitter: Die Niederlage war auch in dieser Höhe verdient. Der HSV bekam über die kompletten 90 Minuten keine nennenswerte Torchance zustande. In der ersten Hälfte gelang nicht einmal ein Torschuss. Die Fans reagierten zur Pause mit ersten Pfiffen – und einem echten Pfeifkonzert zum Abpfiff.

Kapitän Nicolai Remberg leitete die Niederlage mit seinem Fehlpass vor dem 0:1 ein. Und konnte anschließend selber kaum glauben, dass die komplette Mannschaft nicht funktionierte.

Sechs HSV-Neuzugänge in der Startelf

„Ich bin auf jeden Fall überrascht, wie wir aufgetreten sind. Das kann ich nicht leugnen“, sagte er auf SPORT1-Frage. In der Trainingswoche hätte sich dies nicht angedeutet: „Wir waren so gut in dieser Woche. Wir haben so gut trainiert, die Abläufe waren so gut drin. Und dann spielst du hier ein Spiel, in dem nichts davon klappt. Wirklich gar nichts.“

Ein möglicher Erklärungsansatz: Der HSV ist nicht eingespielt. Trainer Merlin Polzin beorderte gleich sechs Sommer-Neuzugänge in die Startelf. Mit Stürmer Terem Moffi, Linksverteidiger David Möller Wolfe, Rechtsverteidiger Zakaria El Ouahdi und Innenverteidiger Sebastiaan Bornauw waren vier Spieler darunter, die innerhalb der vergangenen zweieinhalb Wochen verpflichtet wurden. Das mangelnde Zusammenspiel war somit wenig überraschend.

„Hinterher ist es immer leicht zu sagen, woran es gelegen hat“, entgegnete Polzin und gab zu: „Natürlich brauchen wir Zeit, um die Verbindung zu stärken und in die Abläufe zu kommen. Das ist völlig normal, wenn man viele Veränderungen in der Startelf hat. Das wissen wir. Aber trotzdem könnte man andere Dinge auf den Platz bringen, damit so ein Ergebnis nicht zustande kommt.“ Sein Fazit: „Es war ein maximal beschissener Nachmittag für uns.“

HSV ist Tabellen-Schlusslicht

Der HSV steht mit null Punkten und einem Torverhältnis von 0:7 auf dem letzten Tabellenplatz. Das mag nach zwei Spieltagen keine allzu große Aussagekraft haben. Doch die Aufgaben werden nicht einfacher: Sonntag tritt der HSV bei RB Leipzig an, ehe eine Woche später der 1. FC Köln in Hamburg zu Gast ist.

Droht der totale Fehlstart? „An so etwas denke ich gar nicht“, stellte Remberg klar. „Was war letzte Saison los? Da haben wir am Anfang auch Spiele verloren und es wurde gesagt, wir steigen sofort ab. Am Ende sind wir souverän dringeblieben. Natürlich ist es nicht schön, wie es jetzt läuft. Aber ich kenne die Mannschaft. Die bricht nicht ein, das bricht uns nicht das Genick.“

Enttäuschter Vieira schlich in die Kabine

Klar ist aber: Die Neuzugänge müssen schnell funktionieren, will der HSV nicht die komplette Saison im Abstiegskampf verbringen. Doch gerade Spätverpflichtungen wie Vieira befinden sich noch nicht im Rhythmus. Der Portugiese selbst wollte nach dem Spiel nicht sprechen. Mit gesenktem Kopf schlich er in Richtung Kabine. Er dürfte wissen, dass es noch ein langer Weg ist, um die starke Form der Vorsaison (sieben Tore, fünf Vorlagen) zu erreichen.

„Fest steht, dass die Jungs bei ihren vorherigen Vereinen teilweise nur einen gewissen Teil der Vorbereitung absolvieren konnten oder in den vergangenen Wochen gar keine Testspiele hatten, um auf 100 Prozent zu kommen“, erklärte Polzin. Er wollte dies zwar nicht als Ausrede gelten lassen, fügte aber hinzu: „Fest steht natürlich auch, dass diese Jungs noch ein paar Wochen brauchen.“

Polzin weiß, dass er schnell Lösungen finden muss. Denn klar sei: „So bereitest du keinem Gegner in der Bundesliga Probleme.“

Die Transfer-Euphorie ist jedenfalls komplett verflogen.