FC Bayern: Welpenschutz für Lennart Karl endgültig vorbei
Karl? "Das wirkt natürlich ein wenig provokant"
Lennart Karl zeigt beim Pokalsieg gegen Magdeburg eine Reaktion. Dennoch wächst der öffentliche Druck auf den 18-Jährigen. Nach Uli Hoeneß findet nun auch Max Eberl deutlichere Worte. Doch was steckt wirklich hinter der Kritik am Bayern-Talent?
Sportlich war es ein Schritt in die richtige Richtung. Beim 6:1 gegen den 1. FC Magdeburg zeigte Lennart Karl wieder einiges von dem, was ihn in der vergangenen Saison zum Shootingstar des FC Bayern gemacht hatte. Der 18-Jährige war an mehreren gefährlichen Aktionen beteiligt und bereitete unter anderem das 4:1 durch Alphonso Davies vor.
Doch die Diskussionen um den Youngster sind damit längst nicht beendet. Zuletzt hatte Uli Hoeneß ein „ernstes Gespräch“ mit Karl angekündigt und mehr Demut eingefordert. Nun hat auch Max Eberl eine bemerkenswerte Formulierung gewählt.
FC Bayern: Eberl baut öffentlichen Druck auf Karl auf
Während der Sportvorstand Karls Formschwäche zuletzt noch als normalen Entwicklungsprozess bezeichnet hatte, sprach er nach dem Pokalspiel mit Blick auf dessen Auftreten abseits des Platzes vom „einen oder anderen Fehltritt“. Zwar stellte Eberl klar, dass er diese nicht für besonders schlimm halte. Dennoch fiel die Wortwahl auf.
„Es ist schon auffällig, dass die Bayern jetzt in der Öffentlichkeit Druck aufbauen“, sagt SPORT1-Chefreporter Stefan Kumberger in der neuen Ausgabe des Podcasts „Die Bayern-Woche“.
Auch Ex-Bayern-Kapitän Thomas Helmer beschäftigt die Frage, weshalb die Botschaft an Karl gerade jetzt so deutlich ausfällt. In einer SPORT1-Sendung „45 – Die Fußball-Halbzeit“ sagte er: „Manchmal ist es taktisch geprägt, wenn man sich im Verein abspricht und sagt: ‚Trainer, du machst das nicht, wir machen das jetzt mal. Ich als Sportdirektor Max Eberl oder ich als Ehrenpräsident Uli Hoeneß.‘ Aber es ist schon ein Warnschuss für Lennart.“
Keine Schonzeit mehr für den 18-Jährigen
Für Kumberger ist der Welpenschutz des 18-Jährigen inzwischen vorbei. Karl werde zunehmend nach denselben Maßstäben beurteilt wie seine etablierten Kollegen.
Bemerkenswert sei allerdings auch der Zeitpunkt: Ausgerechnet während der krankheitsbedingten Abwesenheit von Vincent Kompany werde der Ton rauer. Der Trainer hatte immer wieder betont, seine jüngsten Spieler möglichst von Druck freihalten zu wollen.
Doch woher kommt die Kritik eigentlich? Karls auffällige Kleidung, seine Präsenz in den sozialen Medien und die öffentlichen Auftritte mit seiner Freundin werden beim Rekordmeister offenbar aufmerksam registriert. Im Podcast gehen die Meinungen darüber auseinander.
Moderatorin Madeleine Etti hält es für nachvollziehbar, dass die Bayern ihren jungen Spieler angesichts seiner sportlichen Schwierigkeiten etwas bremsen wollen. Kumberger stellt dagegen die Verhältnismäßigkeit der Vorwürfe infrage.
„Aber was hat Lennart Karl denn gemacht? Er hat einen pinken Anzug angezogen. Geschenkt!“, sagt der Chefreporter. Auch Karls zwischenzeitliche Schwärmerei für Real Madrid oder die Tatsache, dass seine Freundin Influencerin ist, seien aus seiner Sicht keine Gründe für grundsätzliche Vorwürfe. Zumal andere Bayern-Profis für ihre extravaganten Auftritte durchaus gefeiert würden.
Die Bayern wollen sich ihren Glanz bewahren
Kumberger sieht in der Debatte deshalb auch einen Hinweis auf die traditionellen Wertvorstellungen des Vereins. Beim FC Bayern werde ein bestimmtes Auftreten offenbar noch immer besonders geschätzt. „Der Glamour eines Harry Kane ist den Bayern schon lieber als der Glamour, den Lennart Karl so ansteuert“, erklärt Kumberger.
Allerdings erkennt auch er an, dass Karls sportliche Leistungen zuletzt nicht an das Niveau seiner starken Debütsaison heranreichten. Und dass öffentliche Kritik durchaus hilfreich sein könne. Sein Rat an den Youngster fällt deshalb differenziert aus: Karl solle sich durchaus ein wenig anpassen, müsse sich dafür aber keineswegs völlig verstellen.
Die ganze Diskussion sowie alles zu den anderen aktuellen Brennpunkt-Themen rund um den Rekordmeister hören Sie in der neuen Ausgabe des SPORT1-Podcasts „Die Bayern-Woche“ mit Moderatorin Madeleine Etti und Chefreporter Stefan Kumberger.
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