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PSG verabschiedet sich hässlich

PSG verabschiedet sich hässlich

Paris Saint-Germain fliegt nach der zweiten Halbfinal-Pleite aus der Champions League. Wieder ist eine Rote Karte im Spiel. Dietmar Hamann kritisiert die Härte.
Nach dem Erreichen des Champions-League-Finales lobt ManCity-Coach Pep Guardiola die Arbeit von Inhaber Mansour und die Strategie der Klub-Bosse.
Christopher Mallmann
Christopher Mallmann
von Christopher Mallmann

Es lief die 69. Minute, als es vonseiten der Pariser wieder hässlich wurde. Der Hauptprotagonist diesmal: Angel Di María.

Nachdem Fernandinho dem Argentinier an der Außenbahn harmlos nachgesetzt hatte, brannten diesem die Sicherungen durch. Mit voller Absicht stieg er dem Sechser von Manchester City auf den Knöchel und führte den entstandenen Einwurf weiter aus, als sei nichts passiert.

Di Marías Pech: alle Welt hatte es gesehen, ebenso Schiedsrichter Björn Kuipers, der dem 33-Jährigen sofort die Rote Karte zeigte.

Mahrez: "Nerven verloren"

PSG musste die letzten 20 Minuten zu zehnt spielen, ohne jede Chance, das Spiel bei 0:2-Rückstand noch zu drehen, und so blieb es besagtem Ergebnis, das für das Team von Trainer Mauricio Pochettino das eindeutige Aus bedeutete.

"Sie haben ihre Nerven verloren und angefangen, uns zu treten", sagte Doppeltorschütze Riyad Mahrez bei BT Sports. "Nach der Roten Karte war die Situation komfortabler."

PSG und die Rote Karte - eine einmalige Geschichte? Mitnichten. Wer nur eine Woche zurückblickt, sieht die Verbindung. Im Halbfinal-Hinspiel war es Idrissa Gueye gewesen, der die Nerven verlor und sich nach einem Horror-Foul an Ilkay Gündogan die Rote Karte abholte.

PSG an Negativ-Spitze

Neben den beiden erwähnten Roten Karten sammelte Paris ebenso zwei Gelb-Rote-Karten in dieser Champions-League-Saison; ein Wert, mit dem der Hauptstadt-Klub zusammengerechnet an der absoluten Negativ-Spitze aller Mannschaften steht. Hinzu kommen 27 Gelbe Karten, ebenfalls Negativ-Spitzenwert. (Ergebnisse und Spielplan der Champions League)

Und: PSG ist nach Deportivo La Coruña (2004) und Olympique Lyon (2010) erst das dritte Team der Königsklassen-Geschichte, das in beiden Halbfinals eine Gelb-Rote oder Rote Karte sieht. Auch in der Ligue setzte es in dieser Saison bereits sechs Platzverweise und 69 gelbe Karten.

"Wenn du deine Emotionen nicht im Griff hast, kannst du den Gegner nicht im Griff haben", sagte Dietmar Hamann nach dem Rückspiel bei Sky und erklärte damit, was für die meisten Zuschauer offensichtlich sein musste: PSG hat sich nicht im Griff.

Ein weiterer Beweis war die 87. Minute, als Presnel Kimpembe mit lang gestrecktem Bein in Gabriel Jesus hereinrauschte, aber nur die Gelbe Karte sah. Gnädig seitens des Schiedsrichters, der gut und gerne auch Rot hätte zücken können.

PSG-Spieler beschweren sich

Nach dem Spiel waren es dann tatsächlich die Spieler von PSG, die sich über Kuipers beschwerten. So sagte Marco Verratti bei RMC, der Unparteiische habe "Fuck you!" ("Fick dich!") zu ihm gesagt - und fügte hinzu: "Wenn ich 'fuck you' sage, bekomme ich zehn Spiele Sperre."

Und auch Ander Herrera beklagte sich: "Der Schiedsrichter hat zu Paredes 'Fuck off!' ('Verpiss dich!') gesagt. Wir reden über Respekt, aber wenn wir das sagen, sind es drei oder vier Spiele Sperre."

Was wirklich zwischen den Pariser Spielern und Kuipers geschah, lässt sich im Nachhinein kaum noch in Gänze klären. Klar ist nur: PSG sucht schon jetzt nach Gründen - oder Ausreden - für die eigene Ruppigkeit und Impulsivität.

Brachte Neymar Schärfe rein?

Und was machte Neymar, der seine Mannschaft vor der Partie so intensiv eingeschworen hatte, aber in dieser Saison schon durch zwei große Ausraster aufgefallen war?

"Er hat angefangen mit dieser Schärfe, die ins Spiel kam", sagte Hamann über Neymars Aktionen aus dem Hinspiel in Paris. "Er hat angefangen, den Fuß stehen zu lassen, den Ellbogen auszufahren. Heute war es ein halbes Nachtreten gegen Gündogan kurz vor Schluss. Das sind alles Sachen, die kannst du dir nicht erlauben".

Um es anders auszudrücken oder zu präzisieren: Das sind alles Sachen, die du dir nicht erlauben kannst, wenn du die Champions League gewinnen willst.

Und so geht Paris Saint-Germain einmal mehr mit nichts nach Hause.