Hat die Eingewöhnungszeit nun endgültig ein Ende? Yan Couto scheint in Dortmund angekommen zu sein. Nach seiner überzeugenden Vorstellung gegen Hoffenheim, als er ein Tor vorbereitete und über 90 Minuten hinweg ein ständiger Aktivposten war, stand er auch gegen Bodö/Glimt wieder in der Startelf – und zahlte dieses Vertrauen eindrucksvoll zurück.
Champions League: BVB-Star entdeckt verloren gegangene Spielfreude wieder
Ist er das Geld doch wert?
Zwar reichte es für den BVB nur zu einem Unentschieden, doch der Brasilianer zeigte eine seiner stärksten Leistungen im schwarz-gelben Trikot. Endlich ist Couto wichtig.
Yan Couto mit großen Anlaufschwierigkeiten beim BVB
Im Sommer 2024 war Couto von Manchester City zum BVB gewechselt. Bereits nach wenigen Einsätzen griff die Kaufpflicht, und die Dortmunder überwiesen rund 20 Millionen Euro nach England. Ein absoluter Fehleinkauf – so lautete die weitverbreitete Meinung.
Warum die Verantwortlichen so viel Geld für einen Spieler ausgaben, der der Mannschaft kaum weiterhalf, war für viele kaum nachzuvollziehen. Dabei gehörte er als City-Leihspieler beim FC Girona noch zu den Leistungsträgern und hatte maßgeblichen Anteil daran, dass die Spanier hinter Real Madrid und dem FC Barcelona sensationell Dritter wurden. Was war mit Couto passiert?
Obwohl er in seiner ersten Saison beim BVB regelmäßig Einsatzzeiten erhielt, blieb der 23-Jährige deutlich hinter den Erwartungen zurück. In 30 Partien gelang ihm lediglich eine einzige Vorlage – und die in der ersten Pokalrunde gegen Regionalligist Phönix Lübeck.
Dabei wurde der quirlige, technisch starke Außenspieler doch genau für Kreativität und Offensivdrang geholt. „Ich denke, im Jahr, als er ankam, hatte er Anlaufschwierigkeiten. Das ist ganz normal, wenn man in ein fremdes Land kommt. Andere Kultur, alles ist unterschiedlich“, sagte BVB-Trainer Niko Kovac.
Couto im Duell mit Ryerson
Couto agierte meist als rechter Außenverteidiger in einer Viererkette. Rasch zeigte sich: Seine Stärken liegen klar in der Offensive, defensiv war er dagegen zu anfällig.
Kein Wunder also, dass Julian Ryerson fast immer den Vorzug erhielt – der Leistungsunterschied war schlicht zu groß. Lange Zeit galt: Couto spielt nur, wenn Ryerson geschont werden muss. Doch dieses Bild hat sich inzwischen gewandelt.
„Ich habe auf dieser Position zwei Spieler, die sich jeden Tag challengen, Woche für Woche. Es ist gut, weil so treiben sie sich nach oben. Yan hat, bevor er die zwei Spiele gespielt hat, ein bisschen weniger gespielt. Da hat Julian die erste Position gehabt. Jetzt macht der Yan wieder Druck. Man sieht, wie wichtig er ist“, erklärte Kovac jetzt zum Konkurrenzkampf.
Welchen Vorteil Couto bei Kovac hat
Coutos großes Glück ist Kovac. Nach einigen Startschwierigkeiten stellte der BVB-Trainer die Grundformation um und setzte fortan auf eine Dreier- bzw. Fünferkette mit drei Innenverteidigern und zwei offensiven Schienenspielern.
Genau auf dieser Position wusste Couto bereits in Girona zu überzeugen – und daran knüpft er nun an. Seine Stärken sind hier optimal eingebunden: mutig nach vorne schieben, Dribblings suchen, Kreativität einbringen – und das alles mit der Absicherung durch drei erfahrene Innenverteidiger.
Diese Rolle beherrscht er besser als die defensiver orientierten Ryerson und Daniel Svensson. Erstmals scheint Couto im Duell mit Ryerson die Nase vorn zu haben.
BVB-Star entdeckt Spielfreude wieder
In dieser Saison kommt Couto bereits auf vier Torbeteiligungen in 13 Einsätzen (zwei Tore, zwei Vorlagen). Gegen Bodö/Glimt steuerte er zwar keinen direkten Assist bei, leitete jedoch mit einer scharfen Flanke das zwischenzeitliche 2:1 durch Julian Brandt ein. Auch darüber hinaus wirbelte er – neben Fábio Silva – mehr als jeder andere Dortmunder.
Selbst harte Grätschen der Gegenspieler hielten ihn nicht auf. Mitte der zweiten Halbzeit setzte er sich im Strafraum sogar gegen zwei Norweger durch und tanzte sie mehrfach aus. Vielleicht wäre der direkte Weg zum Tor oder ein schnelleres Abspiel hier die bessere Entscheidung gewesen, doch es offenbarte vor allem eines: Couto hat etwas zurückgewonnen, das ihm eineinhalb Jahre lang fehlte: Spielfreude. Auch wenn noch nicht alles gelang, zeigt seine Formkurve so steil nach oben wie nie zuvor.
„Nach und nach wieder Vertrauen bekommen.“ Mit diesen Worten kommentierte Yan Couto nach dem Spiel gegen Hoffenheim einen eigenen Instagram-Post. Genau dieses Vertrauen erfährt er derzeit von Trainer Kovac und seinen Mitspielern – und nach seinen jüngsten Auftritten dürfte sich daran so schnell nichts ändern.