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FC Bayern: Eine Wutrede, die alle anderen in den Schatten stellte!

Eine Wutrede für die Geschichtsbücher

Die Wutrede von Franz Beckenbauer nach der Niederlage in Lyon ging in die Geschichte ein. Vor 25 Jahren leitete der Kaiser so Bayerns Weg in Richtung Champions-League-Triumph ein.
Am 6. März 2001 verloren die Bayern mit 0:3 in der Champions League gegen Lyon. Beim Bankett gab es eine Standpauke des Präsidenten, die die Mannschaft zu drei Titeln motivierte.
Die Wutrede von Franz Beckenbauer nach der Niederlage in Lyon ging in die Geschichte ein. Vor 25 Jahren leitete der Kaiser so Bayerns Weg in Richtung Champions-League-Triumph ein.

In die Geschichte von Bayern München gingen drei besonders berühmte Wutreden ein. Die von Giovanni Trapattoni, dem an seinen Stars verzweifelten Trainer (1998). Die vom damaligen Vorstandsvize Uli Hoeneß auf der Mitgliederversammlung 2007 gegen allzu kritische Fans. Und die, die in ihrer Bedeutung alle in den Schatten stellte – gehalten von Franz Beckenbauer heute vor 25 Jahren in Lyon.

Mitternacht war schon vorüber, als das Kaisergrollen einsetzte. Nach dem desolaten 0:3 bei Olympique Lyon in der Zwischenrunde der Champions League griff Franz Beckenbauer am 7. März 2001 auf dem Bankett zum Mikrofon und hielt eine legendäre Rede.

Sie währte viereinhalb Minuten und wurde in fast allen Zeitungen landauf landab abgedruckt. Der deutsche Fußballkaiser und Präsident des FC Bayern München las seinen Untertanen die Leviten.

Wutrede: Beckenbauer zerlegt Bayern-Stars

Sie begann noch recht moderat: „Über das Spiel wird man sicherlich das eine oder andere verlieren müssen. Ich sage immer: Man kann jedes Spiel verlieren. Die Frage ist immer nur, wie man ein Spiel verliert.“

Wie er das „Wie“ empfand, machte er nach einer Kunstpause nur zu deutlich: „Das hat nichts mit Fußball zu tun. Das ist eine andere Sportart, die wir spielen.“

Dann wurde es polemisch, in Bezug auf das Abwehrverhalten sagte er: „Das war Uwe-Seeler-Traditionsmannschaft, Altherren-Fußball. (...) So hat man vor 30 Jahren gespielt. Ihr müsst wieder das Einmaleins des Fußballs beherzigen, Ihr müsst die Zweikämpfe gewinnen. (…) Wir können uns alle einen anderen Beruf suchen, wenn das so weitergeht.“

Hochdekorierte Fußballstars, Nationalspieler wie Oliver Kahn, den die Vorwürfe noch am geringsten trafen, Jens Jeremies, Stefan Effenberg oder Giovane Elber mussten sich anhören, dass sie eigentlich den Beruf verfehlt hätten!

FC Bayern: Nachhilfeangebot für Stars

Er forderte „das Einmaleins des Fußballs“ ein, Zweikämpfe zu führen und am besten zu gewinnen. Also erklärte er gönnerhaft: „Wenn jemand Nachhilfeunterricht braucht, dann werde ich ihm noch was ganz anderes sagen. Also, ich stehe auch heute noch und die nächsten Tage zur Verfügung, denn ich habe sicherlich mehr gesehen, als ich gesagt habe.“

Dass er das Gespräch versöhnlich mit einem Glückwunsch an Geburtstagskind Jens Jeremies und einem Lob an die französische Polizei („Hat uns super begleitet“) sowie den Mannschaftskoch Alfons Schuhbeck zu beenden suchte, änderte nichts mehr an der Wirkung, die es auf die Spieler hatte. Der Schlusssatz war ein typischer Beckenbauer: „Bis auf das Spiel war es ja eigentlich ein schöner Ausflug.“

Überall betretene Gesichter, auch bei Vize-Präsident Karl-Heinz Rummenigge und Manager Uli Hoeneß, die sich sofort nach der Rede unangenehm berührt erhoben und gingen. Eigentlich getroffen aber waren die Spieler.

In der Medienstadt München waren die Bayern-Profis einiges gewohnt, auch von ihren Vorgesetzten, aber das ging dann doch zu weit. Die Rede hatte Folgen.

Effenberg und Kahn schossen zurück

Die Spieler verzogen sich auf ihre Zimmer. In dem von Kapitän Effenberg organisierte sich der Widerstand. Tenor: Das können wir uns nicht gefallen lassen. Zurück in München kam es zum Schwur.

Effenberg erinnert sich: „Nach der Rückkehr aus Lyon haben wir uns in der Kabine an der Säbener Straße zusammengesetzt, ohne Trainer und Betreuer, und haben darüber gesprochen. Wir waren alle der Meinung, dass wir das nicht verdient hatten. Also haben wir uns geschworen, darauf die passende Antwort zu geben. Jetzt zeigen wir’s dem Franz!“

Die Anführer wagten in den Tagen danach Widerworte in der Öffentlichkeit. So sagte Effenberg: „Wenn man jetzt so auf uns draufhaut, ist das nicht zu rechtfertigen. Ich kann dann auch persönlich unangenehm werden.“

Oliver Kahn nutzte die neuen technischen Wege jener Tage und schoss auf seiner Homepage zurück: „In völlig überzogener Art und Weise wurde unsere Mannschaft öffentlich lächerlich gemacht.“

FC Bayern gewinnt nach Wutrede die Champions League

Beckenbauer nutzte sein eher traditionelles Medium und schrieb in der Bild-Kolumne, die Spieler müssten ja gar nicht umschulen, aber sich eben voll und ganz auf Fußball konzentrieren, folglich seien „Werbeverpflichtungen und Ausflüge“ untersagt.

Und was sagte eigentlich der Gentleman-Trainer Ottmar Hitzfeld? Der kündigte an, alle Spieler genau zu beobachten und dann am Saisonende einen Schnitt zu machen.

Am Samstag nach Lyon sprachen sich Effenberg und der Kaiser aus, nun sagte „Effe“: „Es gibt keinen Streit, keinen Krach und keinen Ärger“, um dann doch zu verdeutlichen, dass es ihn zumindest gab: „Kritik ist in Ordnung, aber nicht unter der Gürtellinie. Dass wir uns nach einer Niederlage gleich einen anderen Beruf suchen sollen, das kann ich nicht nachvollziehen. Andererseits hat der Präsident das Recht, auf gewisse Dinge hinzuweisen.“

Vor allem, wenn sie eine solche Wirkung haben. Bis zum Saisonende verloren die Bayern nur noch zwei Spiele, gewannen in der Champions League alle Spiele gegen Arsenal, Manchester United und Real Madrid. Im Mai 2001 wurden sie binnen vier Tagen erneut Deutscher Meister und erstmals nach 25 Jahren holten sie den Henkelpott wieder nach München.

Im Finale der Champions League schlugen sie, wenn auch erst im Elfmeterschießen, den FC Valencia - und nun hatten sie gut lachen. „120 Minuten marschieren und noch die Nerven behalten im Elfmeterschießen – nicht schlecht für eine Altherrentruppe, oder?“, frotzelte Effenberg den Kaiser. Der lachte nur und bot ihm das Du an. Wahrlich eine Rede mit Folgen.