Die gefährliche Seite des Klopp-Humors

"Da sage ich nichts dazu - nächste Frage!"
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"Da sage ich nichts dazu - nächste Frage!"

Jürgen Klopp hinterfragt öffentlich die taktischen Ideen von Bayern-Trainer Vincent Kompany. Was bei einem TV-Experten völlig normal wäre, ist für einen Bundestrainer problematisch. Der SPORT1-Kommentar.

Jürgen Klopp ist ein begnadeter Kommunikator. Seine offene Art, sein Humor und sein lockerer Plauderton machen ihn so beliebt. Doch genau darin liegt für den neuen Bundestrainer auch eine Gefahr.

Was Jürgen Klopp beim FC Bayern nicht versteht

Das zeigte sich am Mittwochabend in der Halbzeitpause des Champions-League-Spiels zwischen dem FC Bayern und dem FC Arsenal. „Ich habe bis heute nicht abschließend verstanden, was Bayern gegen den Ball macht“, erklärte Klopp bei DAZN und hinterfragte dabei insbesondere die ungewöhnlich tief stehende Rolle von Harry Kane.

Jürgen Klopp hat mit seinem Kommentar zum FC Bayern für Verstimmung gesorgt
Jürgen Klopp hat mit seinem Kommentar zum FC Bayern für Verstimmung gesorgtJürgen Klopp hat mit seinem Kommentar zum FC Bayern für Verstimmung gesorgt© SPORT1-Grafik / IMAGO / Kirchner-Media

Die Aussagen klangen locker und unverfänglich, waren es aber nicht. Denn es ist ein gewaltiger Unterschied, ob ehemalige Nationalspieler und TV-Experten die taktischen Ideen eines Trainers öffentlich kritisieren – oder ob das der amtierende Bundestrainer tut.

Die Vorgänger von Jürgen Klopp hielten sich zurück

Von TV-Experten wird genau das erwartet. Ein Nationalcoach dagegen ist auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit seinen Kollegen in den Vereinen angewiesen. Es steht ihm deshalb nicht gut zu Gesicht, deren taktische Arbeit vor einem Millionenpublikum infrage zu stellen – egal ob bissig oder charmant.

Nicht ohne Grund hielten sich Klopps Vorgänger Joachim Löw, Hansi Flick und Julian Nagelsmann bei solchen Gelegenheiten zurück und blieben lieber allgemein.

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Vincent Kompany will nicht auf Jürgen Klopp reagieren

Wie unangenehm eine solche Situation werden kann, zeigte sich kurz nach Mitternacht bei der Pressekonferenz des FC Bayern. Als Vincent Kompany auf Klopps Aussagen angesprochen wurde, reagierte der Belgier ausgesprochen wortkarg.

Eine taktische Nachhilfestunde für den Bundestrainer wollte er offensichtlich nicht geben. „Da sage ich nichts dazu. Nächte Frage“, erklärte Kompany mit einem süßsauer wirkenden Schmunzeln. Verständlich!

Daran muss sich Klopp noch gewöhnen

Natürlich darf Klopp anderer Meinung sein. Selbstverständlich darf er taktische Entscheidungen hinterfragen. Aber solche Dinge gehören in den persönlichen Austausch zwischen zwei Trainern – und nicht in den lockeren Plauderton einer Live-Übertragung.

Ganz sicher hat der Bundestrainer seine Aussagen nicht böse gemeint. Doch offenbar muss er sich erst noch daran gewöhnen, dass seine Worte in seiner neuen Rolle ein völlig anderes Gewicht besitzen.

Was früher als launige, magentafarbene Analyse durchgegangen wäre, kann heute schnell als öffentliche Kritik an einem wichtigen Kollegen verstanden werden. Zudem weiß er doch eigentlich spätestens seit der WM, dass allzu unbedachte Aussagen für Aufregung sorgen können. Stichwort: „Noch“…

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Umgang mit dem FC Bayern besonders wichtig

Zumal Klopp damit unnötig eine gute Zusammenarbeit gefährdet. Der FC Bayern stellt traditionell einen wesentlichen Teil der Nationalmannschaft. Der Bundestrainer ist also auf einen vertrauensvollen Austausch mit Kompany angewiesen.

Klopp muss deshalb weder seinen Humor noch seine Offenheit verlieren. Aber er sollte wissen, wann Zurückhaltung angebracht ist. Denn nicht alles, was Jürgen Klopp sagen kann, sollte der Bundestrainer Jürgen Klopp auch tatsächlich sagen.