Glimt-Legende Berg vor BVB-Duell: „Fühlt sich fast normal an“

Die besondere Familiendynastie des BVB-Gegners
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Die besondere Familiendynastie des BVB-Gegners

Bodö/Glimt steht wie kaum ein anderer Klub für eine ganze Stadt und ihre Fußballbegeisterung. Im SPORT1-Interview spricht Örjan Berg über dessen Erfolg, Mentalität - und verrät, was für den Klub vor zehn Jahren noch undenkbar gewesen wäre.

Sie sind die wohl bekannteste Familie in Bodö, vielleicht sogar eine der bekanntesten Fußballfamilien Norwegens: die Familie Berg. Seit Generationen ist ihr Name eng mit Bodö/Glimt und der Stadt im hohen Norden verbunden. Harald „Dutte“ Berg spielte für den Klub, später seine Söhne – darunter Örjan Berg.

Heute führt dessen Sohn Patrick Berg die Familientradition fort. Er ist Kapitän und das Gesicht jener Mannschaft, die Bodö inzwischen auf die große europäische Fußballbühne gebracht hat.

Örjan Berg (l.) und Bruder Runar Berg (r.) spielten beide für Bodö/Glimt
Örjan Berg (l.) und Bruder Runar Berg (r.) spielten beide für Bodö/GlimtÖrjan Berg (l.) und Bruder Runar Berg (r.) spielten beide für Bodö/Glimt© IMAGO/NTB

Vor dem Champions-League-Duell mit Borussia Dortmund (ab 21 Uhr im LIVETICKER) hat SPORT1 mit Örjan Berg über eine fußballverrückte Stadt, die besondere Mentalität im Norden Norwegens, Kunstrasen und Kabeljau gesprochen – und darüber, warum das Erfolgsrezept von Bodö/Glimt eigentlich ganz einfach klingt.

SPORT1 traf Örjan Berg vor dem Aspmyra-Stadion – und eigentlich erzählt schon der Ort des Gesprächs die Geschichte dieser außergewöhnlichen Fußballfamilie. Direkt vor dem Eingang steht sein Vater Harald „Dutte“ Berg als Statue am Ball. Unmittelbar dahinter: Örjan selbst.

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Und heute führt mit Patrick Berg bereits die dritte Generation die Geschichte auf dem Rasen fort. Drei Generationen Berg – Vater, Sohn, Enkel. Kaum irgendwo wird deutlicher, was diese Familie für Bodö und seinen Fußball bedeutet.

Das ist Bodö/Glimts Erfolgsrezept

SPORT1: Herr Berg, Ihr Vater Harald spielte für Glimt, Sie und Ihre Brüder ebenfalls, heute ist Ihr Sohn Patrick Kapitän. Was bedeutet dieser Klub für Ihre Familie? Ist Bodö/Glimt irgendwann mehr Familie als Fußballverein?

Örjan Berg: Wir sind hier wirklich wie eine Familie. Wir haben eine besondere Mentalität. Wir konzentrieren uns nicht auf Ergebnisse. Wir fokussieren uns auf Entwicklung und Leistung. Das hält uns zusammen.

Mehmet Scholl (unten, Bayern) trennt Örjan Berg (Rosenborg Trondheim) in der Saison 2000/2001 unsanft vom Ball
Mehmet Scholl (unten, Bayern) trennt Örjan Berg (Rosenborg Trondheim) in der Saison 2000/2001 unsanft vom BallMehmet Scholl (unten, Bayern) trennt Örjan Berg (Rosenborg Trondheim) in der Saison 2000/2001 unsanft vom Ball© IMAGO/ExSpo

SPORT1: Was an Bodö besonders auffällt: Es ist keine große Stadt – und trotzdem kommen erstaunlich viele sehr gute Fußballer von hier und aus der Region. Mehr als die Hälfte der Mannschaft ist sogar hier geboren. Sie ebenfalls. Was gibt es hier, das man vielleicht von außen nicht versteht?

Berg: Fußball ist hier die absolute Nummer eins. Das war schon immer so. Fürs Skifahren regnet es hier zu viel (lacht). Jeder spielt Fußball. Und manchmal haben wir einfach gute Generationen mit unglaublich viel Talent. Natürlich ist es auch ein Stück weit die Mentalität, die uns in die Wiege gelegt wird.

SPORT1: Gibt es vielleicht auch irgendein besonderes Essen, das dabei hilft?

Berg: (lacht) Wir essen viel Fisch. Kabeljau zum Beispiel. Vielleicht ist es auch das.

Örjan Bergs Sohn Patrick Berg führt die Familientradition bei Bodö/Glimt fort
Örjan Bergs Sohn Patrick Berg führt die Familientradition bei Bodö/Glimt fort Örjan Bergs Sohn Patrick Berg führt die Familientradition bei Bodö/Glimt fort© IMAGO/ANP

SPORT1: Bei vielen erfolgreichen Klubs werden Spieler besser und gehen dann möglichst schnell weg. Hier hat man dagegen das Gefühl, dass viele eine ganz besondere Verbindung zu Glimt und Bodö haben und teilweise sogar zurückkehren. Warum ist diese Bindung so stark?

Berg: Die Spieler fühlen sich hier alle wohl. Viele kennen sich schon aus ihrer Kindheit und sind seitdem richtig gut befreundet. Das ist schon ein besonderer Faktor.

Vor zehn Jahren war damit nicht zu rechnen

SPORT1: Und diese Spieler erleben inzwischen Fußballabende, die hier vor einigen Jahren noch kaum vorstellbar gewesen wären. Borussia Dortmund kommt heute nach Bodö. Wenn Sie zehn oder fünfzehn Jahre zurückdenken: Hätten Sie jemals geglaubt, dass solche Champions-League-Abende hier einmal fast normal werden könnten?

Berg: Vor zehn Jahren hätte ich gesagt: Das wird niemals passieren. Vor fünf Jahren hätte ich eher gesagt: Es ist möglich. Und heute fühlt es sich schon fast normal an. So schnell kann das manchmal gehen.

Skurrile Beobachtung beim BVB-Training
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Skurrile Beobachtung beim BVB-Training

SPORT1: Dortmund kennt riesige Stadien, große Kulissen und große Champions-League-Nächte. Was erwartet eine Mannschaft hier im Aspmyra (Platz für 8.000 Zuschauer), das sie anderswo in Europa so vielleicht nicht bekommt?

Berg: Der Rasen ist natürlich für andere Mannschaften sehr besonders. Hier musst du technisch stark sein. Wir können hier keinen Naturrasen verlegen, das geht einfach nicht in Nordnorwegen. Dafür können wir hier das ganze Jahr spielen. Und überhaupt: Gute Spieler können überall guten Fußball spielen. Aber: Wir bauen gerade ein neues Stadion. Das hier ist schon ziemlich in die Jahre gekommen. Aber wir lieben es.

Große Vorfreude auf Dortmund

SPORT1: Und ihr habt eine Menge guter Spieler. Gerade in der vergangenen Saison habt ihr einige Hochkaräter geärgert und sogar aus dem Wettbewerb geworfen. Wie schätzen Sie die Chancen gegen Dortmund ein?

Berg: Dortmund ist eine gute Mannschaft, wir sind eine gute Mannschaft. Ich erwarte ein spannendes Spiel. Hoffentlich spielen beide Teams mutig nach vorne, denn das wollen wir doch alle sehen. Ich freue mich einfach richtig auf diese Partie.

SPORT1: Wenn heute Abend ein zehnjähriger Junge oder ein zehnjähriges Mädchen aus Bodö auf der Tribüne sitzt und Patrick gegen Borussia Dortmund spielen sieht: Was sieht dieses Kind? Einen Champions-League-Star – oder jemanden aus der Nachbarschaft, der zeigt: Das kann auch ich schaffen?

Berg: Ich glaube, beides. Die Leute und die Spieler haben eine enge Verbindung untereinander und zur Stadt.

Mit dem Sieg gegen Inter Mailand in der Champions League 2025/26 sorgte Bodö/Glimt international für Aufsehen
Mit dem Sieg gegen Inter Mailand in der Champions League 2025/26 sorgte Bodö/Glimt international für AufsehenMit dem Sieg gegen Inter Mailand in der Champions League 2025/26 sorgte Bodö/Glimt international für Aufsehen© IMAGO/NTB

SPORT1: In der vergangenen Saison habt ihr international für Aufsehen gesorgt, Inter Mailand ausgeschaltet, gegen Sporting Lissabon im Achtelfinale trotz eines 3:0-Heimsiegs am Ende knapp den Kürzeren gezogen. Was ist für Bodö/Glimt in dieser Saison drin?

Berg: Wir denken nicht darüber nach. Wir denken an das Spiel. Und nach dem Spiel denken wir ans Training. Es klingt vielleicht langweilig, aber es funktioniert ganz gut.