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Dahoud: "Edin Terzic ist verrückt"

Dahoud: "Edin Terzic ist verrückt"

Mahmoud Dahoud hat mit dem BVB die große Chancen den DFB-Pokal zu gewinnen. Im SPORT1-Interview spricht er über Edin Terzic, den Pokal, Joachim Löw und seine Teamkollegen.
Dahoud war mit der Amtsübernahme von Neu-Trainer Edin Terzic komplett abgemeldet und kam ab Mitte Dezember sieben Spiele in Folge überhaupt nicht mehr zum Einsatz. Nun blüht der 25-Jährige wieder auf.
Patrick Berger
von Patrick Berger
12.05.2021 | 14:56 Uhr

Mahmoud Dahoud war platt. Beim 3:2-Sieg gegen Leipzig musste der 25 Jahre alte Mittelfeldspieler völlig erschöpft vorzeitig ausgewechselt werden.

Einem Einsatz am Donnerstag im DFB-Pokalfinale in Berlin (DFB-Pokal: RB Leipzig - Borusia Dortmund, Do. ab 20.45 Uhr im LIVETICKER) steht allerdings nichts im Wege. Mit dem BVB möchte Dahoud jetzt endlich seinen ersten Titel auf Vereinsebene holen. 

Vorab hat sich der zweimalige Nationalspieler und U21-Europameister von 2017 aber viel Zeit für das SPORT1-Interview genommen. Erstmals seit fast drei Jahren hat der Dribbelkünstler mit einem Medium gesprochen. Ein Gespräch über seine lange Anlaufzeit in Dortmund, Diskussionen mit früheren Trainern, seinen vermeintlichen Förderer Lucien Favre und seine Zukunft. 

SPORT1: Herr Dahoud, Sie sprechen nur sehr selten in den Medien. Ihr letztes Interview liegt drei Jahre zurück. Wieso eigentlich? 

Mahmoud Dahoud: Ich mag es nicht so gerne, in der Öffentlichkeit zu stehen. Ich will lieber auf dem Platz die richtigen Antworten geben, statt unnötig zu quatschen. 

Dahoud: "Habe nicht immer eine faire Chance erhalten"

SPORT1: In den letzten Wochen haben Sie eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig Sie für den BVB sein können. Sind Sie aktuell in Ihrer besten Phase seit Sie in Dortmund sind? 

Dahoud: Das müssen andere beurteilen. Richtig ist, dass ich in einer sehr guten Verfassung bin. Das liegt sicherlich auch daran, dass ich endlich mal alle drei Tage spielen darf und das Vertrauen geschenkt bekomme. Wenn du regelmäßig spielst, steigert sich deine Leistung automatisch. Dann wirst du stabiler und konstanter. In der Vergangenheit habe ich nicht immer eine faire Chance erhalten. Oft habe ich ein gutes Spiel gemacht und bin dann für ein paar Wochen wieder auf die Bank gesetzt worden. So kannst du gar keine Konstanz reinkriegen. Ich glaube, dass die Fans den besten Mo noch gar nicht sehen konnten. 

SPORT1: Haben Sie von den jeweiligen Trainern eine Erklärung bekommen? 

Dahoud: Nicht so recht. Ich will aber gar nicht so tief in dieses Thema reingehen und möchte nicht schlecht über die alten Trainer sprechen. Sagen wir es so: Die Diskussionen haben am Ende keinen Sinn gemacht. 

SPORT1: Im Sommer 2017 sind Sie von Gladbach nach Dortmund gewechselt und haben mit Peter Bosz, Peter Stöger, Lucien Favre und Edin Terzic vier Trainer erlebt. Wünschen Sie sich, dass mit Marco Rose endlich Konstanz auf dieser Position kommt? 

Dahoud: Ich weiß nicht, was auf uns zukommt, weil ich Marco Rose nicht kenne. Ich war nie Spieler unter ihm. Die Leute aus Gladbach erzählen mir aber viel Gutes über ihn. Das Training soll sehr gut sein und er soll ein sehr zielstrebiger und fokussierter Trainer sein. Ich bin sicher, dass der BVB mit ihm eine gute Wahl getroffen hat. 

SPORT1: Offen ist weiterhin, was Edin Terzic im Sommer macht. Er soll Co-Trainer unter Rose werden, wird aber offenbar auch Angebote als Cheftrainer erhalten. Was raten Sie ihm? 

Dahoud: Das ist nicht mein Job. Edin wird schon wissen, was er am Ende macht. 

"Edin Terzic schläft nach Spielen nicht"

SPORT1: Im Dezember hat Edin Terzic den Job von Lucien Favre übernommen. Was macht er anders? 

Dahoud: Edin ist mit Herz und Leidenschaft bei der Sache. Er ist verrückt. Nach Spielen schläft er nicht, er schaut sich die 90 Minuten stattdessen noch vier, fünf Mal an. Er arbeitet akribisch daran, dass wir noch perfekter spielen.  

SPORT1: Anfang Januar sollen Sie von Edin Terzic suspendiert worden sein. Erzählen Sie uns, was wirklich dahintersteckt? 

Dahoud: Das Thema wurde zu groß gekocht in den Medien. Wir hatten eine kleine Meinungsverschiedenheit. Danach haben wir kurz geredet, die Sichtweise des anderen angehört und das Ding aus der Welt geräumt. Danach war die Sache auch schon erledigt. 

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SPORT1: In der öffentlichen Wahrnehmung heißt es, dass Lucien Favre, unter dem Sie in Gladbach ihre ersten Profi-Schritte gemacht haben, ihr Entdecker und Förderer war.  Ausgerechnet unter ihm bekamen Sie nur selten Einsatzzeiten. Wieso? 

Dahoud: Über Lucien Favre möchte ich nicht reden. 

SPORT1: Reden wir stattdessen über die aktuelle BVB-Saison, die viele Aufs und Abs hatte. Wie blicken Sie auf dieses Achterbahn-Jahr? 

Dahoud: In der Saison ging es hoch und runter. Uns hat die Konstanz gefehlt. Dass wir aber doch noch den Pokal gewinnen und in die Champions League kommen können, spricht für uns als Mannschaft. 

Dahoud über DFB-Pokal-Titel: "Würde dem ganzen BVB guttun"

SPORT1: Am Donnerstag können Sie mit einem Sieg gegen Leipzig den DFB-Pokal gewinnen. Es wäre der erste Titel für den BVB seit 2017 und Ihr erster auf Vereinsebene. Wie groß ist die Sehnsucht danach? 

Dahoud: Ich bin jetzt schon so lange hier. Es ist an der Zeit, den Pokal endlich wieder nach Hause zu bringen. 

SPORT1: Könnte ein Pokalsieg der Mannschaft den entscheidenden Ruck für die nächsten Jahre geben? 

Dahoud: Ein Titelgewinn kann schon etwas auslösen in dir als Spieler. Du wirst bestimmt noch hungriger und willst mehr. Ich glaube, dass ein Titel dem ganzen BVB guttun würde. 

SPORT1: Im Winter hatten Sie mehrere Anfragen von Klubs aus dem Ausland. Der AS Monaco war unter anderem sehr interessiert. Wieso sind Sie geblieben? 

Dahoud: Mit meinen Gedanken war ich immer beim BVB. Ich habe diese Spekulationen nie an mich rangelassen. Mein Onkel, der mich berät, hat mir den Rücken freigehalten. Ich bin sehr lange hier und fühle mich sehr wohl in diesem großartigen Verein. Für mich war klar, dass ich nicht einfach so weggehe. Ich wollte Gas geben und auf meine Chance warten. Ich fühle mich wieder wertgeschätzt. 

SPORT1: Ihr Vertrag beim BVB läuft im Juni 2022 aus. Verlängern Sie? 

Dahoud: Bis jetzt ist noch alles offen. Ich mache mir darüber erst Gedanken, wenn die Saison rum ist. Wir wollen noch in die Champions League kommen und unbedingt den Pokal holen.  

SPORT1: Woran werden Sie Ihre Entscheidung festmachen? Auch an einem Gespräch mit dem neuen Trainer? 

Dahoud: Das wird sich in den nächsten Wochen sicherlich ergeben. 

Dahoud verrät seine Vorbilder

SPORT1: Sie sind auf dem Platz für die besonderen Momente da und gelten als Typ Straßenkicker. Als Marco Reus im Spiel gegen Wolfsburg Maximilian Philipp getunnelt hat, hörte man Sie "Oh mein Gott!" über den Platz rufen. Wie würden Sie Ihren Spielstil beschreiben?  

Dahoud: Straßenkicker trifft es ganz gut. Ich mag Tricks. Der Fußball lebt doch von diesen Aha-Momenten. Wir sind nicht im Büro. Im Leben darfst du nicht zu ernst sein. Wir Fußballer sind ein bisschen Banane im Kopf. Jemanden zu tunneln, das ist doch geil. Es braucht aber die richtige Mischung. Nur mit Tricks kommst du nicht weit. Manchmal muss es auch der einfache, zielstrebige Pass sein.  

SPORT1: Haben Sie eigentlich Vorbilder?  

Dahoud: Zinédine Zidane und der alte Ronaldo. Das waren die besten. Sie haben mich inspiriert und geprägt. Durch sie bin ich überhaupt erst zum Fußball gekommen. Ich wollte auf der Straße immer so sein wie Zidane, Ronaldo oder auch Ronaldinho. 

SPORT1: Im Oktober vergangenen Jahres durften Sie ihre ersten und bislang einzigen beiden Länderspiele für Deutschland machen. Wie fühlten Sie sich danach? 

Dahoud: Das war ein unbeschreibliches Gefühl. Total schön. Das hat mich motiviert und mir gezeigt, dass ich nie aufgeben und dranbleiben soll. Auch für meine Familie, meinen Vater und meine Mama, war es toll. Dass ich für Deutschland spiele, macht alle stolz. Ich habe auch viele Nachrichten aus Syrien erhalten. 

SPORT1: Joachim Löw hört nach der EM im Sommer nach 15 Jahren als Bundestrainer auf. Wie finden Sie das? 

Dahoud: Das ist schade. Ich kenne ja nur ihn so richtig als Bundestrainer. Ich kann nur Gutes über ihn Erzählen. Als er mich nominiert hat, habe ich mich gefragt, wie er in der täglichen Arbeit wohl so sein wird. Ich kannte ihn auch nur aus dem Fernsehen. Wenn du dann unter vier Augen mit ihm sprichst, merkst du sofort seine Herzlichkeit. Er ist sehr liebevoll und ein sehr guter Mensch, der dir helfen und dich weiterbringen will. Er gibt dir nie das Gefühl, dass du unter Druck stehst. Alle Spieler reden positiv über ihn. Viele Spieler, und auch ich, haben ihm viel zu verdanken. 

SPORT1: Bei der letzten Länderspielreise hat Löw Sie nicht berücksichtigt. Haben Sie noch Hoffnungen, dass Sie zur EM fahren? 

Dahoud: Ich will jetzt noch im Saisonendspurt mit dem BVB Gas geben und auf mich aufmerksam machen. Ich hoffe, dass es reicht. Am Ende wird man sehen, ob ich dabei bin oder nicht. 

"Haaland ist ein Tier, das niemand aufhalten kann"

SPORT1: In den Sozialen Netzwerken haben Sie unter Fotos von Erling Haaland den Hashtag Hayvan-Modus gepostet. Was steckt dahinter? 

Dahoud: Hayvan heißt auf Arabisch Tier. Und Erling ist einfach ein Tier. Wenn die norwegische Naturgewalt mal ins Rollen kommt, kann ihn keiner halten. Er ist eine Wand, an der alles abprallt, ein Tier, das niemand aufhalten kann. 

SPORT1: Ist er der Spieler, der Sie am meisten beeindruckt beim BVB? 

Dahoud: Wir haben viele Spieler, die mich beeindrucken – und zwar auf unterschiedliche Weise. Thomas Delaney ist ein Spieler, der für die breite Öffentlichkeit oft unter dem Radar läuft, der aber enorm wichtig ist. Er zählt zu den Stützen bei uns. Weil er sich für nichts zu schade ist, alles hinten aufräumt und zudem gute Diagonalpässe spielt. Auch Emre Can oder Mats Hummels haben ihre Qualitäten, Manuel Akanji in der Abwehr, Jadon Sancho. Ich könnte so viele mehr aufzählen. Piszczu (Lukas Piszczek, Anm. d. Red.) dribbelt in seinen letzten Tagen nochmal richtig auf. Alle geben Gas. Wir wollen mit dem Verein noch etwas gewinnen! 

SPORT1: Mateu Morey hat sich gegen Kiel schwer verletzt. Wie geht es ihm? 

Dahoud: Ich saß auf der Tribüne und habe mit ihm gelitten. Seine Schreie gingen durch meinen Körper. Ich habe ihm direkt nach dem Spiel eine SMS geschrieben: "Gute Besserung, komm' stärker wieder zurück!" Wir stehen hinter ihm. 

SPORT1: Chelsea und Manchester City stehen im Champions-League-Finale. Wer macht das Rennen: Thomas Tuchel oder Pep Guardiola? 

Dahoud: Chelsea hat das gegen Real sehr stark runtergespielt. Respekt! Alles ist offen. Thomas Tuchel kann und darf man einfach nicht unterschätzen. Man sieht in kurzer Zeit schon seine Handschrift bei Chelsea. Er ist ein richtig guter Trainer und hat immer einen Plan. Aber den Plan hat Pep ja auch. Es treffen zwei sehr starke Mannschaften aufeinander. Ich glaube aber, dass es am Ende City machen wird. 

SPORT1: Wieso? 

Dahoud: Weil sie zurzeit die beste Mannschaft in Europa sind. Das haben wir im direkten Duell zu spüren bekommen. Brutal effizient. Die Qualität von City ist noch ein bisschen höher, die Mannschaft spielt schon etwas länger in der Konstellation zusammen.