Er soll 2026 der Weltmeister-Macher werden, taucht aber nahezu nie im Rampenlicht auf: Anton Schmaus. Der Ur-Bayer ist nicht nur Sternekoch und Weltenbummler – sondern seit 2017 auch für die Ernährung der deutschen Fußball-Nationalspieler hauptverantwortlich.
DFB-Koch plaudert aus dem Nähkästchen
Vom Sternerestaurant zum DFB-Koch
Aufgewachsen ist er im bayerischen Luftkurort Viechtach mit knapp 9.000 Einwohnern. Inzwischen wohnt er in Regensburg, doch seine kulinarischen Einflüsse reichen über den gesamten Erdball. Schmaus betreibt ein Sternerestaurant mit Sushibar, einen Gourmet-Lieferdienst, einen Wein-Store und ein Fusion-Restaurant samt Cocktailbar.
Und als wäre das nicht genug, steht er im Sommer 2026 in der deutschen WM-Küche. Und die Vorbereitung startet schon jetzt.
Im SPORT1-Podcast „Deep Dive“ mit Moderator Lenny Peteanu berichtet der 44-Jährige von einem vorbereitenden Kurztrip ins deutsche WM-Camp im amerikanischen Winston-Salem im Februar.
„Man muss einen Eindruck kriegen von der Location, von der Atmosphäre und von dem, was uns als Team erwartet“, sagt er: „Wie sieht der Speisesaal aus, wie weit ist die Küche davon entfernt? Dann muss man abstimmen: Wo bekommen wir unsere Produkte her? Wo bekommen wir die Eier her? Bekommen wir das Sea Food jeden Tag frisch?“
Wie wird man DFB-Koch?
Für eine Nationalmannschaft und den gesamten Staff während eines Großturniers zu kochen, erfordert eine planerische Meisterleistung – und ist beileibe kein Job aus dem Katalog. Wie also wird man DFB-Koch?
„Holger Stromberg hat 2017 aufgehört, und der DFB hat jemanden gesucht, der es macht. Es gab eine Empfehlung vom damaligen Physiotherapeuten Klaus Eder. Der hat gemeint: Sprecht‘s mal mit dem", erzählt Schmaus. Was dann folgte, weiß er noch heute: „Ich bin in München mit Oliver Bierhoff und Jogi Löw im Bayerischen Hof gesessen und wir haben ein Vorstellungsgespräch gemacht. Ich wusste auch nicht, ob ich das kann.“
Der Rest ist Geschichte, inzwischen ist Schmaus 50 bis 90 Tage pro Jahr mit Joshua Kimmich, Nick Woltemade und Co. auf Reisen. Viel Zeit, die der Sternekoch mit den Stars verbringt. Genug für genaueste Abstimmungen über die Eigenheiten der Essenszubereitung. Doch wie sieht die Ernährung der DFB-Stars genau aus?
Döner-Pasta und Grießbrei: Das essen Kimmich und Co.
„Es muss vom Geschmacksprofil so sein, dass sie sich aufs Essen freuen. Es kann nicht alles scharf sein, aber es kann auch ein Gericht scharf sein. Man kann das Rad aber auch nicht neu erfinden: Es gibt Hähnchen, Rind, Wild, auch mal Bison. Es kann immer Brokkoli geben, aber es darf nicht immer gleich aussehen, es muss immer einen Twist geben“, erklärt Schmaus: „Ich versuche so wenig Wiederholungen wie möglich zu haben. Für uns gilt, dass wir eine extrem abwechslungsreiche Küche bieten.“
An Spieltagen unterscheidet sich das kulinarische Angebot, das zumeist in Buffetform zur Verfügung gestellt wird.
„Bei 16-Uhr-Spielen bereite ich Frühstück vor und spätestens vier Stunden vorher ist das Mittagessen. Dort gibt es Rituale: die Pasta Bolognese, natürlich servieren wir am Spieltag auch Hähnchen, es gibt immer Milchreis und Grießbrei, es gibt immer eine Consommé, also eine Rinderkraftbrühe, eine Gemüsebrühe oder eine kräftig gekochte Minestrone. Das sind Standards, die sind erprobt.“
Besonders beliebt bei den DFB-Profis: eine Sucuk- oder Döner-Pasta. Die serviert Schmaus zumeist an Tagen, an denen die Stars ihren Kohlenhydrathaushalt in die Höhe schnellen lassen müssen – und er weiß: „Da geht einiges.“
DFB: Mit Nutella-Brot zum WM-Titel?
Außer der Reihe tanzen die Fußballer dagegen nur selten – und doch dürfen selbst in diesen Kreisen kleine Gelüste nicht zu kurz kommen.
„Die ernähren sich alle gesund, aber jeder hat auch einfach mal Bock auf ein Nutella-Brot“, berichtet der Koch: „Der eine isst gerne ein Honigbrot. Das hat auch nicht immer etwas mit Ernährungsphysiologie zu tun, sondern ist auch einfach für den Kopf.“
Nur eine Regel hat er, um Unverträglichkeiten oder Magen-Darm-bedingte Spielausfälle zu vermeiden: „Ich würde einen Tag vor einem Spiel nie Meeresfrüchte servieren, das ist zu risikobehaftet.“
Denn Schmaus selbst ist auch Fan der Nationalmannschaft, hat sich dem Erfolg des Teams verschrieben. Und sollte die DFB-Elf am 19. Juli in New Jersey den WM-Pokal tatsächlich in die Höhe recken, darf auch er sich als Weltmeister fühlen.