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"Es hat mich angekotzt, dass ein Jürgen Kohler vor mir spielt"

„Angekotzt, dass Kohler vor mir spielt“

Markus Babbel blickt bei SPORT1 Deep Dive auf seine DFB-Karriere zurück. Bei Lothar Matthäus wird er deutlich - und auch zur Rivalität mit BVB-Profis.
Der Triumph bei der EM 1996 bleibt einer der Höhepunkte der deutschen Fußballgeschichte. Markus Babbel erinnert sich im SPORT1-Podcast "DEEP DIVE" an die besondere Mischung aus Charakteren in der Mannschaft.
Markus Babbel blickt bei SPORT1 Deep Dive auf seine DFB-Karriere zurück. Bei Lothar Matthäus wird er deutlich - und auch zur Rivalität mit BVB-Profis.

Beste Freunde werden Markus Babbel und Lothar Matthäus trotz gemeinsamer Vergangenheit beim FC Bayern und der deutschen Nationalmannschaft nicht mehr. Nun hat Babbel im SPORT1-Podcast Deep Dive einmal mehr über seine Beziehung zu seinem Ex-Kollegen ausgepackt und durchaus überrascht. Auch über den „FC Hollywood“ in den 90er-Jahren gab der ehemalige Verteidiger spannende Details preis - und zur Rivalität mit BVB-Profis, die auch im DFB-Team in Teilen anhielt.

BVB-Stars „kotzten“ Babbel an

Denn der inzwischen 53-Jährige war nicht immer ein Fan von den Zusammenkünften bei der Nationalmannschaft. Der Mann aus Gilching - eine Gemeinde rund 20 Kilometer von München entfernt - hat die Jugendabteilungen beim deutschen Rekordmeister durchlaufen und dort seine ersten Erfahrungen als Profi gemacht.

Beim DFB-Team hatte er durchaus Probleme, mit den Spielern der Rivalen klarzukommen. Vor allem die BVB-Stars waren ihm ein Dorn im Auge.

„Ich habe mich da eigentlich immer relativ schwergetan. Du battelst dich das ganze Jahr über und bei der Nationalmannschaft dann Friede, Freude, Eierkuchen“, so Babbel. „Es hat mich auch angekotzt, dass ein Jürgen Kohler vor mir spielt. Ein Dortmunder Spieler, der vor einem Bayern-Spieler spielt. Das kann nicht sein.“

Lachend fügte der Ex-Innenverteidiger an: „Obwohl Jürgen Kohler, hallo, wir reden über einen der besten Innenverteidiger, den es je in Deutschland gab. Aber mich hat es angekotzt. Und wenn die Dortmunder Spieler dann irgendwas erzählen, dann habe ich mir gedacht: Halt die Gosch.“

„Lothar ein Charakter, der viele blockieren kann“

Spannend waren auch Babbels Aussagen zu Matthäus.

Schon 2012 wurde für die Öffentlichkeit deutlich, dass das Duo sich nicht besonders mag. Damals schrieb Matthäus über eine Phase im Jahr 2000 in seinem Buch rückblickend, dass Babbel ebenso wie Jens Jeremies oder Thomas Linke „Arschkriecher“ gewesen seien, um von dem großen Star „zu profitieren“.

Bei der EM 1996 hatten die beiden Kollegen eigentlich zusammen für den Titel sorgen sollen. Doch kurzerhand wurde Matthäus nicht nominiert.

Es entstand eine sehr gute Stimmung im Team. Woran das lag? „Lothar war nicht dabei. Und Lothar ist natürlich schon ein Charakter, der viele blockieren kann“, begann Babbel.

Dabei gab er offen zu, dass dem DFB ohne Matthäus viel Talent abhandenkam. „Lothar ist vom fußballerischen mit Abstand der beste Fußballer, den ich je gesehen habe. Auch beim Gegner war nie einer mit dabei, der eine Qualität hatte wie Lothar. Aber er war auch ein schwieriger Charakter, der nicht so einfach ist. Und den hat er (Berti Vogts, Anm. d. Red.) zu Hause gelassen. Es sind natürlich andere Spieler aufgeblüht.“

Vor allem Jürgen Klinsmann, Matthias Sammer, Stefan Kuntz, Jürgen Kohler oder Stefan Reuter sah Babbel fortan glänzen.

Beim Turnier in England bewies Deutschland zudem Nervenstärke. Mit 7:6 nach Elfmeterschießen schoss der DFB den Gastgeber raus, dann folgte im Endspiel das 2:1 gegen Tschechien durch das Golden Goal von Oliver Bierhoff.

Babbel erzählt über schlechte Feier

Kurios: Eine Party nach dem Halbfinalerfolg gegen die „Three Lions“ machten die Mitarbeiter im Hotel zunichte. „Das war ein riesen Scheiß. Weil, klar, wenn du die Engländer raushaust, und dann gehst du in ein englisches Hotel. Da kannst du jetzt nicht erwarten, dass die Minibar oder die Bar bis um fünf in der Früh geöffnet hat. Also die haben um 1 Feierabend gemacht“, verriet Babbel.

Er bezeichnet es sogar als „eine der schlechtesten Feiern, die ich je in meiner Karriere gefeiert habe.“ Doch drei Tage später gab es die große Fete nach dem Titel.

Babbel war dabei eine feste Größe und stand in fünf der sechs Partien in der Startelf. Nur zum Abschluss der Gruppenphase wurde er gegen Italien geschont. Da war Deutschland jedoch auch schon für das Viertelfinale qualifiziert.