Der Kämpfer, den Klopp unbedingt beim DFB wollte

Klopp? "Nach dem Telefonat kamen mir die Tränen"
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Klopp? "Nach dem Telefonat kamen mir die Tränen"

Younes Ebnoutalib steht vor seinem Debüt für die deutsche Nationalmannschaft. Dass der Frankfurter überhaupt Fußballprofi ist, ist dabei keinesfalls selbstverständlich.

Seine Geschichte klingt wie ein Märchen – oder wie der Stoff für einen Jugendroman. Nach dem Motto: Du musst nur an dich glauben und hart arbeiten, dann kannst du alles schaffen. Die Nominierung von Younes Ebnoutalib in den DFB-Kader von Jürgen Klopp könnte das perfekte Schlusskapitel eines solchen Drehbuchs sein. Kein Wunder also, dass der Anruf des Bundestrainers beim 23-Jährigen einiges auslöste.

„Vielleicht will er einfach fragen, wie es mir geht“, scherzte Ebnoutalib bei seinem ersten medialen Auftritt als Nationalspieler im Home Ground des DFB in Herzogenaurach, angesprochen auf den ersten Anruf von Jürgen Klopp. „Ich war dann einfach nur fröhlich. Ich war sprachlos, wusste gar nicht, was ich sagen wollte“, so der 23-Jährige und gab auf SPORT1-Nachfrage tiefe Einblicke in seine Gefühlswelt: „Nach dem Telefonat kamen mir auch so ein bisschen die Tränen. Weil ich dann so darüber nachgedacht habe, wo ich vor paar Jahren war. Dass es krass ist, dass es auch so schnell gehen kann. Und dass sich die ganze harte Arbeit und das Durchziehen gelohnt hat.“

Younes Ebnoutalib ist erstmals beim DFB-Team
Younes Ebnoutalib ist erstmals beim DFB-TeamYounes Ebnoutalib ist erstmals beim DFB-Team© IMAGO/MIS

Bei seinem ersten medialen Auftritt im Trainingsanzug der deutschen Nationalmannschaft wirkt der DFB-Neuling dennoch aufgeräumt, ruhig – und sichtbar stolz. Das darf er auch sein. Denn mit seinem ungewöhnlichen Weg in den Profifußball dürfte kaum einer seiner neuen Mannschaftskollegen mithalten können.

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Mit 20 Jahren war er noch vereinslos

Noch vor kurzer Zeit war Ebnoutalib meilenweit von Bundesliga oder gar Nationalmannschaft entfernt. Vor rund zweieinhalb Jahren war der heute 23-Jährige sogar vereinslos – mit gerade einmal 20 Jahren. In einem Alter also, in dem andere längst die Nachwuchsleistungszentren der großen Klubs durchlaufen hatten oder bereits mit einem Profivertrag ausgestattet waren.

Im Oktober 2022 wechselte Ebnoutalib von seinem Jugendverein RW Frankfurt nach Italien zur AS Perugia. Dort kam er für die U19 in der Primavera 2 zum Einsatz, erzielte in 23 Spielen vier Tore und stand sogar bei einem Punktspiel der ersten Mannschaft in der Serie B im Spieltagskader. Dann der große Schock: Mittelfußbruch. Plötzlich stand Ebnoutalib ohne Verein da – ausgerechnet in einer Phase, die für die Entwicklung eines jungen Fußballers entscheidend ist.

„Es war schon sehr, sehr schwierig als ich verletzt und vereinslos war. Ich habe nie darüber nachgedacht, komplett aufzuhören. Ich hatte immer in meinem Kopf, ich werde es schaffen. Ich weiß nur nicht wann. Deshalb muss ich so lange dranbleiben, bis ich es schaffe“, erinnerte sich Ebnoutalib.

Er kehrte nach Deutschland zurück und schloss sich nach einer vereinslosen Rückrunde im Sommer dem Regionalligisten FC Gießen an. Dort erzielte er in 19 Partien sechs Tore und bereitete zwei weitere Treffer vor. Es war der Anfang seines Märchens.

So erfrischend erzählen die DFB-Neulinge von Klopps Anruf
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Der heutige BVB-Sportdirektor Ole Book, damals bei der SV Elversberg tätig, wurde auf ihn aufmerksam und holte ihn für gerade einmal 50.000 Euro Ablöse zur SVE. Mit zwölf Toren in 25 Spielen spielte sich Ebnoutalib dort auf die Zettel zahlreicher Topklubs.

Sein Herzensverein Frankfurt machte das Rennen

Am Ende machte sein Herzensverein Eintracht Frankfurt das Rennen um den begehrten Offensivspieler. Und auch dort brauchte Ebnoutalib kaum Anlaufzeit: Gleich in seinem ersten Spiel für die Eintracht, beim 3:3 gegen Dortmund, wusste er zu überzeugen. Doch schon in der darauffolgenden Partie der nächste Rückschlag: Ebnoutalib riss sich das Innenband und fiel mehrere Wochen aus. Wieder eine Verletzung. Wieder zurückkämpfen. Und wieder tat er genau das.

Nur ein halbes Jahr später steht Ebnoutalib tatsächlich im Aufgebot von Jürgen Klopp. Der Bundestrainer wollte ihn unbedingt für Deutschland gewinnen. Denn der Angreifer hätte auch für Marokko auflaufen können. „Es gab auch Gespräche mit Marokko, aber die waren nicht so intensiv wie mit Jürgen. Er ist einer der besten Trainer der Welt und wenn er anruft, kann man nicht nein sagen“, grinste er über beide Ohren.

Fest steht: Ebnoutalib ist ein Stehaufmännchen, ein Kämpfer. Im übertragenen – aber eben auch im wahrsten Sinne des Wortes. Denn das Kämpfen wurde ihm gewissermaßen in die Wiege gelegt. Sein Vater Faissal Ebnoutalib ist ehemaliger deutsch-marokkanischer Taekwondoin. Bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney gewann er Silber für Deutschland, heute betreibt er ein Kampfsportstudio. Und auch sein Sohn hat eine Kampfsportvergangenheit und trägt einen Gürtel im Taekwondo. Davon profitiert der Fußballer noch heute.

„Ich merke das schon bis heute. Meine Hüfte ist einigermaßen beweglich. Ich bekomme mein Bein sehr hoch. Meine Spritzigkeit. Das hilft mir schon bis heute“, beschrieb er die Vorteile der Sportart.

Mit Kampfsport-Erfahrung ins DFB-Team

Noch wertvoller als die körperlichen Fähigkeiten, die ihm der Kampfsport mitgegeben hat, dürfte allerdings die Mentalität sein. „Das habe ich von meinem Vater gelernt. Dass ich niemals aufgeben soll und immer nach vorne blicken soll, egal was kommt. Die Rückschläge machen einen nur stärker“, erklärte er. Ein Satz, der Ebnoutalibs bisherigen Karriereweg ziemlich genau beschreibt. Seine Einstellung dürfte Klopp gefallen. Ebenso die Tatsache, dass er „nicht den normalen Weg gegangen“ ist, wie Ebnoutalib selbst sagt.

Doch mit dem Erreichten will sich der 23-Jährige keineswegs zufriedengeben. Seine Ansprüche an sich selbst sind hoch. „Ich bin ein sehr hungriger Spieler. Ich erwarte sehr viel von mir. Viel laufen, Tore schießen, Vorlagen geben.“ Anfangen damit kann er am besten schon am Donnerstag in Amsterdam gegen die Niederlande (20.45 Uhr im LIVETICKER).

Und sein großes Vorbild? Natürlich ein Spieler, der wie kaum ein anderer für Ehrgeiz, Disziplin und den unbedingten Willen steht, immer weiterzumachen: „Cristiano Ronaldo.“

Bleibt bei Ebnoutalibs ganz spezieller Vorgeschichte eigentlich nur noch eine Frage: Wer von beiden bekommt das Bein höher?

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