Darum verzichtet Jürgen Klopp auf Inter-Star Yann Aurel Bisseck
"War sehr überrascht, dass er nicht mit zur WM durfte"
Zur Überraschung vieler Fans und Beobachter fehlt Yann Aurel Bisseck im neuesten Aufgebot von Bundestrainer Jürgen Klopp. Für den Innenverteidiger reicht es trotz starker Auftritte nicht.
Es war eine der größeren Überraschungen bei der Bekanntgabe des DFB-Kaders für die kommenden Länderspiele: Jürgen Klopp verzichtet in seinem 24-Mann-Kader für die Partien gegen Serbien (13.11., 20.45 Uhr) und die Niederlande (16.11., 20.45 Uhr) in der Nations League auf Innenverteidiger Yann Aurel Bisseck – und das, obwohl der 25-Jährige zuletzt stark aufspielte.
Bei Inter Mailand ist er gesetzt und führte die Nerazzurri erst am Dienstag mit einem Traumtor zum Sieg in der Champions League. Beim 3:0 gegen Feyenoord Rotterdam bewegte er sich dabei an der Strafraumkante wie in bester Stürmer-Manier, drehte sich um seinen Gegenspieler und schlenzte den Ball herrlich ins lange Eck. Auch defensiv ließ er nichts anbrennen und machte kurz vor der Nominierung von Klopp noch einmal kräftig Werbung für sich.
Aber es hat nicht gereicht. Klopp entschied sich in der Innenverteidigung anstelle von Bisseck für Nico Schlotterbeck, Jonathan Tah, Waldemar Anton und Malick Thiaw. Bitter für Bisseck: Der gebürtige Kölner steht in Klopps Abwehrranking aktuell auf Platz fünf. Hätte der 59-Jährige einen weiteren Mann fürs Abwehrzentrum nominiert, wäre dem einstigen Effzeh-Profi der Sprung gelungen.
Klopps Qual der Wahl in der Innenverteidigung
„Waldemar Anton und Malick Thiaw haben es unfassbar gut gemacht. Das muss man einfach sagen. (…) Die beiden waren für mich klar“, begründete Klopp seine Entscheidung. Anton und Thiaw bildeten gegen Serbien (2:0) und beim Rückspiel gegen Griechenland (0:0) das Innenverteidiger-Duo. Tah stand in den ersten beiden Spielen jeweils in der Startelf, erst an der Seite von Schlotterbeck, dann gemeinsam mit Bisseck.
Gerade Klopps Entscheidung pro Thiaw mag auf den ersten Blick verwundern, wie der DFB-Coach selbst zugab: „Malick hat glaube ich drei Spiele in Folge nicht gespielt im Verein. Da kann man natürlich auch sagen: ‚Der eine darf mit, obwohl er nicht spielt und der andere darf nicht mit, obwohl er spielt.‘ Das hat für mich nicht so eine Riesen-Relevanz. Er hat es bei uns einfach so gut gemacht, dass wir den Jungen dabei haben wollen.“
Tatsächlich saß Thiaw in den letzten beiden Pflichtspielen für Newcastle United komplett auf der Bank und spielte in der Partie davor lediglich eine Minute. Zuvor hatte er jedoch in jedem Spiel in der Startelf gestanden und die Magpies in Abwesenheit von Dan Burn und Joelinton sogar als Kapitän aufs Feld geführt.
Wo Klopp von Bisseck noch mehr sehen will
Bisseck dagegen stand bisher in elf seiner 14 Pflichtspiele in der Startelf. Klopp führte in diesem Zusammenhang aus: „Das gehört zu diesen Diskussionen, die erstens legitim sind und zweitens nur dann geführt werden, wenn man mehr Qualität hat, als man mitnehmen darf.“
In der ersten Länderspielphase vor rund anderthalb Monaten war Bisseck noch Teil des XXL-Kaders von Klopp. Im ersten Block war er für die Spiele gegen die Niederlande und Griechenland vorgesehen.
Während er gegen Oranje (1:1) noch nicht zum Einsatz kam, feierte er gegen Griechenland sein Startelf-Debüt für die DFB-Elf. Trotz der 0:1-Niederlage konnte Bisseck überzeugen und gehörte zu den wenigen Lichtblicken auf dem Platz. Der Innenverteidiger galt als einer der Gewinner unter Klopp.
Zur Wahrheit gehört aber auch: Unter Klopp muss vor allem die Intensität stets stimmen. Bedingungsloser Einsatz selbst im Training ist Grundvoraussetzung für einen Platz im Team – und hier soll Bisseck noch Luft nach oben haben.
Spielt Bisseck im falschen System?
Ein weiterer Knackpunkt könnte das Spielsystem sein. Während Bisseck bei Inter neben Manuel Akanji und Alessandro Bastoni in einer Dreierkette aufläuft, ist Klopp bekennender Fan der Viererkette.
Die Statistik beweist dies eindeutig: Laut dem Portal Transfermarkt.de hat Klopp in über 1.000 Spielen als Cheftrainer erst drei (!) Mal überhaupt eine Dreierkette aufgeboten. In seinen ersten vier Länderspielen lief die DFB-Elf wahlweise in einem offensiven 4-3-3 oder einem 4-2-3-1 auf.
Bei Inter ist Bisseck Teil eines eingespielten Abwehrverbunds, in dem er sich erkennbar wohlfühlt. Klopp ist zwar nicht verborgen geblieben, dass die Verteidiger der Nerazzurri sehr gut stehen, sich gut ergänzen und einen entsprechend guten Eindruck machen. Doch lässt sich dies auch auf das deutsche Team, in dem eine andere Spielanlage gefordert ist, übertragen?
Fest steht: Abgefahren ist der Zug für Bisseck noch lange nicht. „Wir wären ja verrückt, würden wir irgendwelche Türen schließen“, meinte Klopp. Eine neue Chance könnte sich Ende März bieten, wenn die nächste Länderspielpause ansteht. „Da hat sofort wieder jeder die Möglichkeit, sich zu zeigen. Das ist jetzt nicht in Stein gemeißelt für die nächsten 20 Jahre, sondern für diese Spiele“, betonte der Bundestrainer.