Pfiffe gegen Spaniens Pechvogel

Pfiffe gegen Spaniens Pechvogel

Álvaro Morata vergibt gegen Schweden eine Großchance. Der Juve-Star wird sogar ausgepfiffen. Luis Enrique stärkt seinen glücklosen Stürmer.
Der frühere Dortmunder Alexander Isak lässt gleich vier Spanier stehen und legt perfekt für Marcus Berg auf. Es hätte die Krönung eines starken Schwedischen Auftritts sein können.
Der muss doch rein! Hier verpasst Schweden die Sensation gegen Spanien
02:53
Maximilian Lotz
von Maximilian Lotz
am 15. Juni

Plötzlich tat sich im schwedischen Abwehrbollwerk eine Lücke auf - aber Álvaro Morata nutzte sie nicht.

Der Stürmer von Juventus Turin wurde bei der ernüchternden Nullnummer gegen Schweden durch seine vergebene Großchance zum Sinnbild der Schwäche Spaniens. Der 28-Jährige steht nicht erst seit Montag im Zentrum einer Kontroverse. Nun komme wieder die "landesweite Debatte" auf, schrieb die Sportzeitung AS: "Morata, ja, Morata, nein."

Von einem "schicksalhaften Abend für Morata" schrieb El Mundo Deportivo - und titelte: "Spanien fehlt das Tor und die Zweifel vervielfachen sich."

Enrique bezieht Stellung zu Pfiffen gegen Morata

Erst der Kader ohne einen einzigen Spieler von Real Madrid, dann das Chaos nach der Coronainfektion von Kapitän Sergio Busquets und nun nur ein 0:0 zum Auftakt gegen Schweden - der Druck auf Mitfavorit Spanien wächst schon zum Start der EM. Auch auf Trainer Luis Enrique.

Der Coach der Selección musste auf der Pressekonferenz Fragen zu den Pfiffen gegen Morata beantworten.

"Ich habe gesehen, dass für ihn geklatscht wurde", sagte Enrique. "Ich muss versuchen, meine Spieler unterstützen. Morata ist ein großartiger Spieler, der sowohl im Angriff als auch in der Verteidigung gute Leistungen bringt. Er hat die Persönlichkeit, um das auszuhalten und ich halte zu dem anderen Teil der Fans, der ihm applaudiert haben. Ich hoffe, dass die Menschen die zweite Option wählen und ihm applaudieren."

Zuspruch für glücklosen Morata

Unter die Pfiffe im mit 12.500 Zuschauern gefüllten Estadio Olímpico de la Cartuja in Sevilla mischten sich auch Sprechchöre für Morata. Doch schon beim 0:0 im EM-Härtetest gegen Portugal im Wanda Metropolitano in Madrid, der Heimstätte von Atlético, gab es Pfiffe gegen den früheren Real-Star Morata.

"Es ist nicht das erste Mal, wir sollten nicht an einem Stürmer wie Álvaro zweifeln", stärkte Aymeric Laporte seinen Teamkollegen nach dem Spiel gegen Schweden. "Er hat eine Menge gezeigt. Er hat heute nicht getroffen, aber an einem anderen Tag könnte er drei Tore schießen und jeden zum Schweigen bringen."

Nur: Das hat Morata im Trikot der Furia Roja in 40 Spielen noch nicht geschafft. In seinen fünf Spielen in diesem Kalenderjahr traf er nur beim 1:1 gegen Griechenland in der WM-Quali im März. Gegen Schweden ging keiner seiner drei Abschlüsse aufs Tor, bei seiner Riesenchance hatte er nach einem Pass von Jordi Alba etwa 14 Meter vor dem Tor freie Bahn, doch er schlenzte den Ball rechts vorbei.

"Dieser Fehlschuss zeigte eine Wirkung, von der er sich nicht mehr erholte", urteilte die AS.

Joker Moreno von den Fans gefeiert

Marcos Llorente betonte dennoch Moratas Stellenwert. "Heute hatte er vor dem Tor kein Glück, aber das wird er wieder haben. Ich bin nicht einverstanden mit den Pfiffen. Jeder, der auf dem Platz stand, möchte unterstützt und angefeuert werden", sagte der Mittelfeldstar von Atlético.

Einer, der bei seiner Einwechslung mit viel Applaus bedacht wurde, war Gerard Moreno. Den 29-Jährigen von Europa-League-Sieger FC Villarreal würden viele gern in der Startelf sehen. Mit seinen 30 Pflichtspieltreffern in der abgelaufenen Saison hat er seine Treffsicherheit schon bewiesen, in zehn Länderspielen traf er fünf Mal - in seinem elften blieb aber auch er glücklos. Seine Großchance in der Nachspielzeit vereitelte Schwedens Keeper Robin Olsen.

"Alle Spieler, die von der Bank gekommen sind, haben etwas beigetragen. Ich bin sehr zufrieden mit den Änderungen", sagte Enrique.

Zugleich lobte er auch noch den glücklosen Morata: "Meiner Meinung nach hat er ein sehr gutes Match gespielt, bis auf die Tatsache, dass er die Chancen nicht genutzt hat. Seine Teamkollegen auch nicht. Ich hätte gerne den Fans einen Sieg geschenkt."

Das sollte er im nächsten Spiel gegen Polen möglichst nachholen, wenn die EM für Spanien nicht schon frühzeitig enden soll.

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