Kane führt England ins EM-Finale

Kane führt England ins EM-Finale

Ein umstrittener Elfer lässt England weiter vom EM-Titel träumen. Im Halbfinale gegen Dänemark sorgt Harry Kane in der Verlängerung für die Entscheidung.
Harry Kane (r.) führte England ins EM-Finale
Harry Kane (r.) führte England ins EM-Finale
© Imago
. SPORT1
von SPORT1
am 8. Juli

Wembley bebte, Wembley sang! "Football's coming home", schallte es aus Zehntausenden Kehlen durch Londons Fußballtempel. England fehlt nur noch ein Sieg zum ersten EM-Titel.

"Unglaublich! Wahnsinn! Ekstase! Was für ein Abend! Das erste Finale seit 1966. Das ist für jeden von uns etwas ganz Besonderes", sagte Mittelfeldspieler Declan Rice.

Das Team von Gareth Southgate setzte sich in einem Halbfinal-Krimi gegen Dänemark dank eines umstrittenen Elfmeters mit 2:1 (1:1, 1:1) nach Verlängerung durch greift am Sonntag im Finale gegen Italien (EM-Finale: Italien - England, Sonntag 21 Uhr im LIVETICKER) nach dem ersten großen Titel seit der WM 1966. Erstmals überhaupt stehen die Three Lions in einem EM-Finale. (Spielplan & Ergebnisse der EM 2021)

"Wir sind im Finale, aber es gibt noch eine große Hürde zu überwinden", sagte Coach Southgate.

England erreicht EM-Finale! Kane trifft im Nachschuss

Vor 60.000 Zuschauern im Londoner Wembley-Stadion erzielte Harry Kane (104.) im Nachschuss den entscheidenden Treffer, nachdem er zuvor vom Punkt noch an Kasper Schmeichel gescheitert war. Raheem Sterling war nach einem leichten Kontakt von Joakim Maehle im Sechzehner zu Boden gegangen, Schiedsrichter Danny Makkelie entschied auf Elfer. Die Dänen protestierten, doch auch der Videoassistent sah keinen Anlass, Makkelie zu überstimmen. (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker)

"Wir haben Teamgeist gezeigt, um ins Spiel zurückzukommen und zu gewinnen", sagte Sterling bei ITV - und hatte auch zur Schlüsselszene eine klare Meinung: "Er hat sein Bein rausgestellt, daher ist es ein klarer Elfmeter. Hauptsache der Ball geht rein, das ist alles, was zählt." Sterlings Blick ging bereits Richtung Sonntag: "Jetzt geht es gegen Italien. Wir werden ein bisschen feiern und uns dann auf Italien fokussieren."

Für den langjährigen Bundesliga-Schiedsrichter Manuel Gräfe war die Elfmeterentscheidung "insgesamt zu hart". "Man sieht den Kontakt Knie gegen Wade. Aber Sterling geht schon mit der Intention rein, den ziehen zu wollen. Aufgrund des Fallmusters sieht man eigentlich schon, dass das nicht ausreichend ist", sagte Gräfe im ZDF. "Ich persönlich finde ihn nicht richtig und finde, dass Weiterspielen hier richtig gewesen wäre.  Er hat auch ganz oft weiterlaufen lassen im Mittelfeld bei Situationen, die ähnlich waren."

Der EM Doppelpass mit Uli Hoeneß, Stefan Effenberg und Mario Basler am Sonntag ab 11 Uhr im TV auf SPORT1

Mikkel Damsgaard sorgte in der regulären Spielzeit zunächst mit einem sehenswerten Freistoßtor (30.) für den ersten Gegentreffer der Engländer bei diesem Turnier. Nur wenige Minuten zuvor hatte Englands Keeper Jordan Pickford die historische Bestmarke von 720 Minuten ohne Gegentor von Gordon Banks geknackt. (Alle News & Infos zur EM 2021)

Dänemarks emotionale Reise endet

Den Three Lions gelang noch vor der Pause der Ausgleich - mit Unterstützung der Dänen: Eine scharfe Flanke von Bukayo Sako lenkte Simon Kjaer vor dem einschussbereiten Raheem Sterling ins eigene Tor (39.) - es war bereits das elfte Eigentor bei dieser Endrunde.

Die emotionale Reise der Dänen nach dem Drama um Mittelfeldstar Christian Eriksen, der im ersten EM-Spiel kollabiert war, endet damit im Halbfinale. Der Traum von einer Wiederholung des EM-Coups von 1992 platzte somit.

Englands Coach Southgate könnte hingegen doch noch zu einem Wegbereiter in der Geschichte des englischen Fußballs werden - vor 25 Jahren war er ja der große Verhinderer: In Englands zuvor einzigem EM-Halbfinale verschoss er 1996 den entscheidenden Elfmeter gegen Deutschland.

Großer Druck für England

Vor dem Duell mit Dänemark war die Fallhöhe nun allerdings für alle Engländer groß, die Insel war im Ausnahmezustand. Hunderttausende tranken und sangen sich am Nachmittag in und vor den Pubs warm, wer ein Ticket ergattert hatte, war ein glücklicher Fan. Sogar Prinz Charles ließ die Gardeband im Garten des Clarence House jene Hymne zum Besten geben, die auch durch Wembley rollte: "Football's coming home". Und selbst in der Kabine war diese Euphorie wohl angekommen, "natürlich habe ich die Bilder vom Endspiel schon im Kopf", sagte Kapitän Kane - noch vor dem Halbfinale.

Und der Druck wuchs, als die Mannschaften den Rasen in Wembley betraten: Rund 60.000 Zuschauer waren trotz steigender Coronazahlen anwesend, mindestens 50.000 von ihnen wollten England zum Sieg brüllen. Die Three Lions begannen dann auch wie ein Favorit, gewannen früh die Bälle, Dänemark kam nur schwer aus der eigenen Hälfte.

Viel mehr als ein schwacher Abschluss Sterlings (13.) sprang aber nicht heraus, und Dänemark wurde nun selbstbewusster. Organisiert von Dortmunds Thomas Delaney präsentierte sich der vermeintliche Außenseiter auf Augenhöhe - und das brachte schon bald Zählbares.

Pickford kurz nach Rekordmarke erstmals bezwungen

Gerade so schaffte es Jordan Pickford noch in die Geschichtsbücher des englischen Fußballs, er stellte mit 721 Minuten ohne Gegentor einen Rekord auf, dann legte sich Damsgaard den Ball hin. Aus etwa 23 Metern traf sein Gewaltschuss unter die Latte, unhaltbar wirkte er für Pickford nicht.

England reagierte allerdings gut, fand den Druck der Anfangsphase wieder und wurde belohnt. Sterling (38.) scheiterte noch an Kasper Schmeichel, nur eine Minute später lenkte Kjaer dann eine scharfe Hereingabe ins eigene Tor.

Mit Beginn der zweiten Hälfte traten beide Teams wieder abwartend auf, der nächste Fehler, das nächste Gegentor sollte unbedingt vermieden werden. Dann war es allerdings England, das sich von Minute zu Minute tiefer in der gegnerischen Hälfte festspielte. Harry Maguire scheiterte per Kopf am stark reagierenden Schmeichel (55.).

Im bereits sechsten Turnierspiel wirkten beiden Teams bald zunehmend müde, besonders Dänemark reagierte in der Schlussphase fast nur noch. England drückte, Schmeichel rückte immer wieder in den Mittelpunkt, der Torwart des englischen Erstligisten Leicester City zeigte ein ganz starkes Spiel. Dann ging Sterling in der Verlängerung äußerst leicht zu Boden, sogar diesen Elfmeter parierte Schmeichel aber - und war beim Nachschuss doch machtlos.

Alles zur Fußball-EM 2021 bei SPORT1:

-----
Mit Sport-Informations-Dienst (SID)