Der stellvertretende DFB-Präsident und Präsident des FC St. Pauli, Oke Göttlich (50), hat angesichts geopolitischer Spannungen und des Verhaltens von US-Präsident Donald Trump eine Debatte über einen möglichen Boykott der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 gefordert. „Ich frage mich wirklich, wann der Zeitpunkt ist, darüber konkret nachzudenken und zu reden. Und für mich ist dieser Zeitpunkt definitiv gekommen“, sagte Göttlich der Hamburger Morgenpost.
Boykott der WM 2026? "Sind wir jetzt völlig unpolitisch?"
WM-Boykott? DFB-Vize lässt aufhorchen
Göttlich zog einen historischen Vergleich: „Was waren denn die Begründungen für die Olympia-Boykotts in den 1980er-Jahren? Meiner Einschätzung nach ist das Bedrohungspotenzial aktuell größer als damals. Wir müssen diese Diskussion führen“, so der DFB-Vize. Er sieht das Thema nicht als bloße Event-Diskussion, sondern als Frage von Werten und Haltung im Sport.
„Leben eines Profis ist nicht wichtiger“
Göttlich ließ auch den Einwand nicht gelten, wonach ein Boykott den Sportlern schaden würde. Der FC St. Pauli stellt mit Jackson Irvine, Connor Metcalfe (beide Australien) und Joel Chima Fujita (Japan) gleich mehrere Spieler, die bei der WM teilnehmen könnten.
Göttlich konterte: „Das Leben eines Profifußballers ist nicht größer als das Leben von sehr vielen Menschen in verschiedenen Regionen, die derzeit von dem WM-Gastgeber direkt oder indirekt angegriffen oder bedroht werden.“
WM 2026: Göttlich tobt
Göttlich übte scharfe Kritik an der bisherigen Haltung von Verbänden nach der umstrittenen WM in Katar: „Katar war allen zu politisch und deshalb sind wir jetzt völlig unpolitisch?! Das ist etwas, was mich sehr, sehr, sehr anstrengt“, sagte Göttlich. „Wir verlernen es als Organisationen und Gesellschaft gerade, Tabus und Grenzen zu setzen und Werte zu verteidigen.“
In dem Kontext stellte er provokante Fragen an die Verantwortlichen: „Ist das Tabu erreicht, wenn jemand droht? Wenn Menschen sterben? Ich wüsste gern von Donald Trump, wo sein Tabu erreicht ist, und ich wüsste es gern von Bernd Neuendorf und von Gianni Infantino.“
Debatte über Rolle des Sports
Göttlichs Vorstoß hat eine breite Diskussion über die Verbindung von Sport und Politik ausgelöst. Während Kritiker einen Boykott angesichts der sportlichen Bedeutung der WM für unwahrscheinlich halten, sehen andere in dem Vorstoß einen wichtigen Beitrag zur Auseinandersetzung mit ethischen und gesellschaftlichen Fragen im Fußball. Eine offizielle Position des DFB oder der FIFA zu einem möglichen Boykott gibt es bisher nicht.