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WM 2026: Wegen Trump! Deutschland diskutiert plötzlich über Boykott

Deutschland diskutiert WM-Boykott

Donald Trump droht den Europäern - und plötzlich wird hierzulande über ein WM-Boykott diskutiert.
US-Präsident Donald Trump freut sich jetzt schon auf das größte Fußball-Event im eigenen Land und verrät, dass bereits ein Rekord gebrochen wurde.
Donald Trump droht den Europäern - und plötzlich wird hierzulande über ein WM-Boykott diskutiert.

Donald Trump hat die Mega-WM längst zur Chefsache erklärt. Der US-Präsident führt die eigens eingerichtete Task Force an, sonnt sich im Oval Office im Glanz des goldenen Pokals, den ihm FIFA-Chef Gianni Infantino wohlwollend hinterlassen hat, und natürlich fiebert er dem Rampenlicht einer der größten Showbühnen entgegen.

Ein Boykott des Prestigeevents als Reaktion auf die aggressive US-Außenpolitik sowie die Drohungen gegen Europa dürfte Trump also hart treffen. Oder?

Die Frage, „ob Europäer an einem Wettbewerb in einem Land teilnehmen sollten, welches Europa indirekt und ggf. demnächst direkt angreift“, ist aus Sicht des DFB-Präsidiumsmitglieds Oke Göttlich jedenfalls „tatsächlich berechtigt“.

Die Diskussion schreckt nicht mehr vor der WM zurück

Es ist zwar fraglich, dass die Haltung des Präsidenten des FC St. Pauli der Mehrheitsmeinung beim DFB entspricht. Doch sie befeuert die Debatte um einen möglichen Boykott, die knapp ein halbes Jahr vor dem Turnierstart merklich Fahrt aufnimmt.

Während sich der DFB auf SID-Anfrage nicht äußern wollte, sucht die Politik unter Hochdruck nach einer richtigen Antwort auf Trumps Grönland-Drohungen - und schreckt dabei nicht mehr vor der WM zurück.

Begleitet Fußball-Deutschland nach den Diskussionen um die Turniere in Russland und Katar also wieder eine Kontroverse abseits des Rasens?

Sollte der US-Präsident, den der Weltverband FIFA kürzlich noch mit einem frei erfundenen „Friedenspreis“ gewürdigt hatte, ernst machen, sei es „kaum vorstellbar, dass europäische Länder an der Fußball-WM teilnehmen“, sagte der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter der Augsburger Allgemeinen.

Könnte man Trump so empfindlich treffen?

Jürgen Hardt, außenpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, hatte einen Teilnahmeverzicht zuvor bereits als „Ultima Ratio“ ins Spiel gebracht, um Trump „zur Vernunft zu bringen“.

Europa, forderte dazu der Ökonom Lucas Guttenberg, dürfe diesen „riesigen kulturellen Hebel“ nicht ungenutzt lassen. „Ein Boykott würde Trump an seiner empfindlichsten Stelle treffen: an seiner Eitelkeit“, sagte er dem Handelsblatt. Für den Fall, dass Trump Grönland wirklich annektiert, befürworteten einer INSA-Umfrage der Bild zufolge zuletzt 47 Prozent der Deutschen einen WM-Boykott.

Eine gemeinsame Linie ist noch nicht gefunden, die Bundesregierung hält sich zurück. Entscheidungen über Teilnahme oder Boykott würden ausschließlich bei den zuständigen Sportverbänden liegen, nicht bei der Politik, sagte Sportstaatsministerin Christiane Schenderlein (CDU) dem SID.

Aydan Özoguz (SPD), Vorsitzende des Sportausschusses, glaubt zwar, dass es schwierig werde, „friedlich Fußballspiele zu genießen, während gleichzeitig Erpressungen aus den USA gegenüber Europa im Raum stehen“. Auch sie hob jedoch die „Autonomie des Sports“ hervor.

Trumps Vorgehen widerspreche „zentralen Werten des Sports“

Neben der außenpolitischen beobachten nicht nur Menschenrechtler aber auch die innenpolitische Lage in den USA mit Sorge - seien es die politische Polarisierung, die scharfen Einreisegesetze oder jüngst die tödlichen Schüsse eines US-Grenzschutzbeamten.

Insbesondere Trumps Vorgehen widerspreche „zentralen Werten des Sports wie Offenheit, Respekt, Antidiskriminierung und Sicherheit für alle“, sagte Grünen-Politikerin Tina Winklmann aus dem Sportausschuss dem SID.

Ein sportlicher Verzicht des Teams von Bundestrainer Julian Nagelsmann und anderer Top-Nationen aus Europa scheint unwahrscheinlich. Möglich ist dagegen ein politischer Boykott des Turniers, auch Fans könnten der WM fernbleiben, zumal deren Sicherheit „unter der Trump-Administration nicht gewährleistet“ sei, wie Grünen-Politiker Boris Mijatovic betonte.

Die Rufe, die die WM als Druckmittel in den Fokus rücken, werden inzwischen aber auch in anderen europäischen Staaten lauter. Im britischen Unterhaus taten sich jüngst Abgeordnete aus mehreren Parteien zusammen, ihre Forderung: Die FIFA müsse das US-Team von der WM ausschließen. Doch dies bleibt wohl ein ebenso symbolischer Aufruf wie andere kursierende Vorschläge.