Die Nacht von Rom am 8. Juli 1990 ist aus deutscher Sicht legendär. Das DFB-Team hatte damals Argentinien um Superstar Diego Maradona im WM-Finale mit 1:0 (0:0) geschlagen, nachdem man sich vier Jahre zuvor noch im WM-Endspiel mit 2:3 geschlagen geben musste.
"Ich wusste, er wird Maradona nerven"
„Ich wusste, er wird Maradona nerven“
Der damalige Teamchef Franz Beckenbauer legte im Vorfeld einen großen Fokus auf Maradona und schmiedete einen Matchplan, um ihn bestmöglich auszuschalten. „Der Auftrag war: Wenn Maradona den Ball hat, war (Guido) Buchwald dran und dann schließen wir ihn von drei Seiten aus ein“, erzählte Pierre Littbarski nun im SPORT1-Podcast DEEP DIVE.
Buchwald stoppte Maradona
Littbarski, der 1990 Weltmeister wurde, fügte hinzu: „Wir wussten, dass er nicht mehr so gut war wie 1986, aber er konnte uns immer noch gefährden. Es gibt Bilder, auf denen Maradona eingeschlossen ist von vier Spielern.“
Der heute 66-Jährige verwies darauf, dass sie den argentinischen Künstler umzingelten und eine Art Käfig um ihn herum aufbauten. „Der Junge kam nicht mehr raus und ich kannte ja Guido Buchwald – das macht echt keinen Spaß, gegen den zu spielen“, betonte Littbarski.
Buchwald nahm Maradona in Manndeckung und sollte stets nah an ihm dran sein, was auch gelang. Littbarski meinte, dass man seinen ehemaligen Teamkollegen nachts um 3 Uhr wecken konnte und er jeden Spieler abgegrätscht hätte.
„Mich als Dribbler nervte er und ich wusste, er wird Maradona so nerven, dass er sein Gesicht nach dem Spiel nicht mehr sehen will. Er hat ihn komplett ausgeschaltet“, sagte der Weltmeister von 1990.
Deutscher Elfmeter sorgt für Aufregung
Deutschland dominierte damals das Endspiel, doch das Beckenbauer-Team nutzte seine Chancen nicht. Argentinien agierte ausschließlich defensiv und wollte nur die Verlängerung beziehungsweise das Elfmeterschießen erzwingen.
Daraus wurde aber nichts. In der Schlussphase bekamen die Deutschen einen Elfmeter zugesprochen. „Es dauerte Ewigkeiten. Wir wussten, dass die Argentinier reklamieren und dann den Ball wegschießen werden. Das dauerte acht bis zehn Minuten, es war ein Riesentheater“, erinnerte sich Littbarski.
Brehme schießt Deutschland zum WM-Titel
Eigentlich war Lothar Matthäus der etatmäßige Elfmeterschütze, doch er fühlte sich nicht gut, weshalb Andreas Brehme die Verantwortung übernahm. Darüber war sein Teamkollege insgeheim sehr froh: „Andi war der bessere Elfmeterschütze. Ich war hundertprozentig sicher, dass der Junge dieses Gen der Nervosität nicht hatte. Der war nie nervös, ich weiß nicht warum. Entweder hat der sich zwei Weißbier vor dem Spiel hereingenagelt oder etwas anderes – er war jedenfalls die Ruhe selbst.“
Littbarski war sich vor Brehmes Ausführung zu 100 Prozent sicher, dass der Ball hereingehen wird, weshalb er scherzte: „Es ging nur darum, wo die beste Position ist, dass ich ihn gleich in der Traube gut catchen kann.“
Die Deutschen mussten noch danach einige Minuten überstehen, bis der mexikanische Schiedsrichter Edgardo Enrique Codesal Mendez die Partie beendete. „Danach haben alle den Abpfiff herbeigesehnt und als es dann passierte, war es wie eine Explosion, das war ein Feuerwerk hoch drei. Du schreist alles raus, vollkommen ein Gefühl der Euphorie, es gibt nichts Besseres“, kann sich Littbarski bis heute noch ganz genau an diesen Moment erinnern.
Abschließend meinte er: „Die Argentinier haben hinterher noch geheult wie verrückt. Wir haben die an die Wand gespielt, haben nur kein Tor gemacht. Also die sollen mal schön die Kirche im Dorf lassen.”