WM 2026>

Der Elfmeter, der eine Legende für immer verfolgte

Dieser Moment verfolgt Baggio für immer

Er war der größte Star Italiens und der beste Fußballer der Welt. Doch für viele Fans wird Roberto Baggio bis heute auf einen einzigen Moment reduziert: den verschossenen Elfmeter im WM-Finale am 17. Juli 1994.
Roberto Baggio verschießt im WM-Finale 1994 den entscheidenden Elfmeter - im Hintergrund jubeln die Brasilianer
Roberto Baggio verschießt im WM-Finale 1994 den entscheidenden Elfmeter - im Hintergrund jubeln die Brasilianer
© IMAGO/Offside Sports Photography
Er war der größte Star Italiens und der beste Fußballer der Welt. Doch für viele Fans wird Roberto Baggio bis heute auf einen einzigen Moment reduziert: den verschossenen Elfmeter im WM-Finale am 17. Juli 1994.

Im Sommer 1994 war Roberto Baggio der Superstar der Fußball-Welt.

Der Offensivkünstler mit dem legendären Pferdeschwanz hatte Italien beinahe im Alleingang ins Finale der Weltmeisterschaft in den USA geführt. Gegen Nigeria, Spanien und Bulgarien erzielte er entscheidende Tore und rettete die Squadra Azzurra mehrfach vor dem Aus.

Ganz Italien träumte vom vierten WM-Titel. Und ganz Italien setzte seine Hoffnungen auf einen Mann: Roberto Baggio.

Das Finale gegen Brasilien

Am 17. Juli 1994 traf Italien im Rose Bowl von Pasadena auf Brasilien. Es war ein Finale voller Spannung, aber arm an Toren. Nach 120 Minuten stand es 0:0. Damit musste erstmals in der Geschichte einer Fußball-Weltmeisterschaft ein Endspiel im Elfmeterschießen entschieden werden.

Brasilien verwandelte seine Schüsse sicher. Dann trat Baggio an. Der Spielmacher wusste: Wenn er nicht trifft, ist Italien geschlagen.

Der berühmteste Fehlschuss der WM-Geschichte

Baggio lief an. Dann passierte das, womit niemand gerechnet hatte. Der Ball flog deutlich über das Tor. Brasilien war Weltmeister, Italien am Boden zerstört.

Das Bild ging um die Welt. Baggio stand allein am Elfmeterpunkt, die Hände in die Hüften gestemmt, den Blick leer ins Nichts gerichtet. Es wurde eines der bekanntesten Fotos der Fußballgeschichte.

Für Millionen Fans schien in diesem Augenblick ein Traum zu zerbrechen.

Dabei hätte Italien ohne ihn niemals das Finale erreicht

Die Ironie der Geschichte: Ohne Roberto Baggio hätte Italien das Endspiel vermutlich nie erreicht.

Der Offensivstar erzielte während der K.o.-Phase fünf wichtige Tore und war der herausragende Spieler seiner Mannschaft. Trotzdem blieb am Ende vor allem der verschossene Elfmeter in Erinnerung.

Baggio selbst sagte später mehrfach, dass ihn dieser Moment sein ganzes Leben begleitet habe. Die Tragik dabei: Viele Menschen erinnerten sich zuerst an den Fehlschuss und erst danach an seine großartigen Leistungen während des Turniers.

Der WM-Schmerz verfolgte ihn jahrelang

Noch Jahre später musste Baggio Fragen zum Finale beantworten. In Interviews erklärte er offen, wie tief ihn der Moment getroffen habe. Der Fehlschuss sei die größte Enttäuschung seiner Karriere gewesen.

Gleichzeitig betonte er immer wieder, dass er die Verantwortung niemals bereut habe. Er sei lieber derjenige gewesen, der antritt und verschießt, als jemand, der sich vor dieser Verantwortung drückt. Gerade diese Haltung brachte ihm bei vielen Fußballfans zusätzlichen Respekt ein.

Eine Karriere voller Höhepunkte

Dabei war Roberto Baggio weit mehr als dieser eine Elfmeter. 1993 gewann er den Ballon d’Or als Europas Fußballer des Jahres. Zudem wurde er FIFA-Weltfußballer und spielte für die größten Klubs Italiens: Juventus Turin, AC Mailand und Inter Mailand.

Mit seiner Technik, Kreativität und Eleganz begeisterte er eine ganze Generation von Fans. Alle Experten halten ihn bis heute für einen der besten italienischen Fußballer aller Zeiten.

Baggios bewegtes Leben nach dem Fußball

2004 beendete Baggio seine aktive Karriere. Anschließend zog er sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück. Anders als viele ehemalige Superstars suchte er nicht ständig das Rampenlicht.

Stattdessen widmete er sich seiner Familie, sozialen Projekten und seinem Interesse am Buddhismus, zu dem er bereits während seiner aktiven Laufbahn übergetreten war. Gelegentlich tritt er noch bei besonderen Fußball-Veranstaltungen auf, Interviews gibt er jedoch nur selten.

Vom tragischen Helden zur Legende

Heute betrachten viele Fans die Geschichte von 1994 anders als damals. Der Fehlschuss wird nicht mehr als Makel gesehen, sondern als Teil einer außergewöhnlichen Karriere.

Denn letztlich erinnert man sich nicht nur an den Elfmeter. Man erinnert sich an den Spieler, der Italien fast alleine ins Finale führte. An den Künstler mit dem Pferdeschwanz. An einen Fußballer, der schöner spielte als viele seiner Zeitgenossen.

Ein Bild für die Ewigkeit

Mehr als drei Jahrzehnte später ist die Szene von Pasadena noch immer präsent. Der Ball fliegt über das Tor. Brasilien jubelt. Roberto Baggio bleibt regungslos stehen.

Für ihn wurde dieser Augenblick zur größten Enttäuschung seines Lebens. Für den Fußball wurde er zu einem der emotionalsten Momente der WM-Geschichte.

Und vielleicht liegt genau darin das Besondere an Roberto Baggio: Trotz dieses Fehlschusses wird er nicht als Verlierer erinnert – sondern als eine der größten Legenden, die der Fußball je hervorgebracht hat.